06.09.2023 |
Die elektronische Post: Eine kleine Kulturgeschichte
Laut Statista (Stand 2018) [1] haben 85% aller Deutschen mindestens einmal eine Mail verschickt und laut Bitkom (Stand 2021) [2] bekommt jeder Berufstätige in Deutschland im Schnitt pro Tag über 20 Mails. Für geschäftliche Korrespondenzen ist die elektronische Post also (derzeit) kaum wegzudenken.
Die ersten E-Mailadressen im Bistum wurden 1996 zum einen für die Pressestelle und für das Referat Weltkirche bzw. 1998 generell für das Ordinariat eingerichtet. Dies sollte vor allem der schnellen, verzögerungsfreien Kommunikation dienen, auch um den Evangelisierungsauftag mit modernen Kommunikationsmedien zu erfüllen. Dies äußerte sich bereits 1998 in der Ankündigung, dass „elektronischer Postversand im Erzbistum Freiburg Standard werden [soll]“ (Pressemitteilung vom 26.05.1998). Da es zur damaligen Zeit allerdings noch keine digitale Langzeitarchivierung gab, sind von diesen E-Mailadressen allenfalls Bruchstücke erhalten geblieben (Falls die geneigten LeserInnen dennoch Mails oder Disketten mit ebendiesen besitzen, wenden Sie sich bitte gerne an das Erzbischöfliche Archiv).
2001 folgten dann die Internet-Richtlinien für das Erzbistum Freiburg, die speziell Dekanate und Regionalstellen verpflichtete, "eine E-Mail Adresse (Elektronische Post) zu unterhalten" (Amtsblatt 26/2001). 2005 wurde dies mittels der Pastoralen Leitlinien der Erzdiözese Freiburg auf sämtliche Kircheneinrichtungen ausgeweitet: "Kommunikation und Erreichbarkeit auf dem Weg der elektronischen Post (E-Mail) wird für alle kirchlichen Einrichtungen als Standard [eingeführt]" (Amtsblatt 31/2005).
Damit erlebte die E-Mail einen raschen Aufstieg: 1984 war im Ordinariat erst der Telexanschluss (eine Art Fernschreiber) eingerichtet worden, 1989 folgte das Faxgerät als elektronisches Kommunikationsmedium. Bereits 10 Jahre danach wurden die ersten E-Mailadressen im Bistum für den Personalschematismus gesammelt und veröffentlicht.
Ein weiterer Antrieb für die Einführung von E-Mails war die Peru-Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg. Da es sich als schwierig erwies, Faxgeräte als Kommunikationsmittel mit den Partnergemeinden in Südamerika zu etablieren, die zeitnahe Übermittlung von Informationen (z.B. über gesammelte Kollekten) aber immer wichtiger wurde, konzentrierte man sich verstärkt auf das damals neue Medium E-Mail.
Damals als erste Einrichtungen mit dabei waren verschiedene Stellen der Erzdiözese, wie z. B. das Amt für Kirchenmusik, diverse Seelsorgestellen wie die der Region Rhein-Neckar oder Mittlerer Oberrhein-Pforzheim, aber auch Pfarreien wie (unter anderen) St. Nikolaus in Allensbach und Hl. Kreuz in Albbruck-Birnsdorf sowie die Kirchliche Meldestelle (Personalschematismus 1999). Auch prangte seit dem 10.06.1999 im Briefkopf der Pressemitteilung der Erzbischöflichen Presse- und Informationsstelle die Adresse des digitalen Postkastens.
Briefkopfs der Erzbischöflichen Presse- und Informationsstelle 1999, veraltete Kontaktinformationen wurden unkenntlich gemacht.
Kopf der Erzbischöflichen Personalschematismus 1999, veraltete Kontaktinformationen wurden unkenntlich gemacht.
Damit war das Erzbistum Freiburg relativ früh: Die erste E-Mail wurde schon 1971 durch Ray Tomlinson verschickt. Er gilt heute als "Quasierfinder" der modernen E-Mail. Vorausgegangen waren verschiedene Vorläufer etwa eine Nachrichtenversand-"Plattform" am MIT seit 1965. In Deutschland kam die erste Mail 1984 an der Universität Karlsruhe an, mit einem Gruß von der amerikanischen Kollegin Laura Breeden über das Computer Science Network (CSNET). Zwei Jahre zuvor, war das Protokoll RFC 822 veröffentlicht worden, welches Textnachrichten via Internet standardisierte. 1988 folgt schließlich das erste kommerzielle E-Mail Produkt der Firma Microsoft welches bis 1996 als "Hotmail" seine endgültige Verbreitung fand.
Am 26.06.2023 liegt der Versand der ersten E-Mails im Erzbistum nun 27 Jahre zurück. In dieser Zeit hat sich die Kommunikation stark verändert und mehr und mehr in den digitalen Raum verschoben. So finden Essensvereinbarungen, Meetings, Rechnungen, Anfragen, Geschäftsbriefe, Katzenvideos, Werbung für Diätprodukte, Kreditangebote von Prinzen aus dem globalen Süden und derlei mehr Eingang in E-Mailpostfächer. Dadurch ist es jedoch am Ende mitunter nur noch schwer möglich, Irrelevantes von "vorgangbegründendem Verwaltungshandeln" (wie es im prosaischen Amtsdeutsch heißt) zu trennen. So sortiert zum Dienstende eines Abteilungsleiters in der Regel niemand mehr 20.000 E-Mails, was aber gleichzeitig heißen kann, dass auch die spannenden und wichtigen Teile der Geschichte dem Mahlstrom des digitalen Vergessens zufallen können.
Übrigens: Auch Spam ist in der Diözese gar nicht so neu: im Amtsblatt 23/1999 warnt der Deutsche Caritasverband vor falschen SpendensammlerInnen, die unter der Adresse JumpFood@******.org firmierten.
Tony Franzky,
erweiterte Version eines Beitrages der
im DIALOG Heft 2023/1 erstveröffentlicht wurde
Der Ausdruck Spam (eigentlich „Spiced Ham“) wurde als Begriff für unliebsame Werbung ursprünglich durch den gleichnamigen Sketch von Monty Python geprägt.
Quellen: [1] https://de.statista.com/themen/2249/e-mail-nutzung, Abgerufen am 05.05.2023 [2] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Durchschnittlich-26-berufliche-E-Mails, Abgerufen am 05.05.2023