Delegation aus der Erzdiözese besucht Ukraine - Zeichen von Unterstützung und Solidarität

 
Derzeit befindet sich eine Delegation aus Vertretern der Erzdiözese Freiburg und Caritas Ukraine unter Leitung von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer zu einem Besuch in der Ukraine. Mit Gesprächen sowie Besuchen verschiedener Hilfsprojekte und Einrichtungen möchte die Erzdiözese Ihre Solidarität mit den Christinnen und Christen sowie der gesamten Bevölkerung der Ukraine ausdrücken. Dort engagiert sich die Erzdiözese schon seit über zehn Jahren, etwa bei der Unterstützung eines örtlichen Caritas-Zentrums. Die Reise dient auch dem Zweck, mit Caritas Ukraine Projekte zu identifizieren, die eine nachhaltige Unterstützung aller bedürftiger Personen angesichts des Kriegs ermöglicht. Dazu gehören unter anderem Infrastruktur-, IT- und Personalprojekte. Diese sollen anschließend durch den sogenannten „Wiederaufbaufonds Ukraine“ der Erzdiözese unterstützt werden.
 
Dorotheé Kissel, Mitarbeiterin in der Hauptabteilung Weltkirche berichtet in ihrem Tagebuch von der Reise.
 

 
  
 
Nach einem reibungslosen Grenzübertritt zu Fuß erreichen wir ukrainisches Gebiet. Ein Fahrzeug der Caritas Ukraine bringt uns weiter nach Lviv. Im Stadtzentrum befindet sich ein Zentrum der Caritas Lviv, untergebracht in einem umgebauten Hotel. Geeignete Gebäude zu finden, ist schwierig: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Ostukraine erwerben derzeit Immobilien in Lviv, um von hier aus ihre Geschäfte weiterzuführen.
Das Team der Caritas Lviv umfasst 35 Mitarbeitende, die in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Kriegsvertriebenen, Veteranen und deren Familien. Dazu gehören medizinische und physiotherapeutische Hilfe, psychologische Begleitung, Sport- und Reintegrationsprogramme sowie seelsorgliche Angebote. Der Glaube wird ausdrücklich als Ressource verstanden, die psychische Stabilität und Orientierung bietet.
 
Darüber hinaus leistet die Organisation psychosoziale Unterstützung für Menschen aller Altersgruppen. Teams aus Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und Pädagoginnen führen Therapien, Gruppentrainings, Bildungsmaßnahmen und rechtliche Beratungen durch. Sie arbeiten in Schulen und anderen sozialen Einrichtungen und betreuen Einzelpersonen vor Ort oder im Rahmen von Hausbesuchen. Besondere Programme gelten Frauen in militärischen Kontexten, Kindern mit unterschiedlichen Bedürfnissen sowie Menschen mit Behinderungen.
 
Die sogenannte „Hausbetreuungsgruppe“, die seit über zwei Jahrzehnten existiert, kümmert sich um ältere, alleinlebende und pflegebedürftige Personen. Sechs Sozialarbeiterinnen und ein Psychologe bieten kunsttherapeutische Aktivitäten, persönliche Beratung und Hauswirtschaftshilfe. Der Bedarf wächst kontinuierlich, insbesondere seit Beginn des Krieges.
 
Während eines Rundgangs durch das Caritas-Zentrum werden verschiedene Arbeitsbereiche vorgestellt: Ein Konferenzraum, ein Multifunktionsraum und ein Büro, in dem neue Konzepte zur wirtschaftlichen Förderung erprobt werden. Die Caritas unterstützt Start-up-Gründerinnen und -Gründer mit Anschubfinanzierungen und Beratung, um Arbeitsplätze auch für Kriegsbetroffene zu schaffen. Das Untergeschoss soll künftig Veteranen vorbehalten sein, doch die Barrierefreiheit stellt ein noch ungelöstes Problem dar. Ein Projekt von Caritas International und lokalen Partnern widmet sich dieser Herausforderung. Auch infrastrukturelle Verbesserungen wie der geplante Einbau von Solarpanels stehen auf der Agenda. Die Verantwortlichen betonen, dass viele Priester im Land durch den Krieg zu Multifunktionsrollen gezwungen sind: Sie übernehmen pastorale, organisatorische und technische Aufgaben zugleich. Inzwischen unterhält die Caritas Ukraine 40 lokale Zentren – ein Netzwerk, das durch den Krieg stark gewachsen und professionalisiert wurde.
 
Die Kooperation mit städtischen und privaten Partnern ist eng, durch fehlende staatliche Unterstützung aufgrund der Priorisierung militärbezogener Projekte jedoch begrenzt. Freiwillige Helferinnen und Helfer leisten wertvolle Beiträge, können aber keine feste Verantwortung übernehmen. Ein eigenes Zentrum widmet sich Jugendlichen und jungen Menschen mit Behinderung. Hier hat die Stadt Lviv die Betriebskosten übernommen – ein Signal der Anerkennung für die Arbeit der Caritas.
 
Nach dem Mittagessen besuchen wir eine zweite Einrichtung der Caritas, die auf dem Gelände eines ehemaligen sowjetischen Militärkindergartens untergebracht ist. Nach Jahren des Verfalls nutzt die Caritas das Gebäude heute für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen. Psychologinnen, Sozialpädagoginnen und Animatorinnen betreuen dort Kinder aus Binnenvertriebenenfamilien und aus belasteten sozialen Umfeldern. Das Zentrum setzt auf spielerisches Lernen, persönliche Begleitung und kreative Förderung. Ein besonderes Bildungsangebot ist das Programm „Caritas-Kindergeld“, das Kinder an den Umgang mit Geld, Eigeninitiative und soziale Verantwortung heranführt. Viele frühere Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagieren sich später selbst als Freiwillige. Die Einrichtung arbeitet zudem eng mit Polizei und Stadtverwaltung zusammen, um Kinderrechte zu stärken und Präventionsarbeit zu leisten.
 
Am Abend treffen wir den Weihbischof von Lviv, Volodymyr Grutsa. Nach einer Führung durch die St.-Georgs-Kathedrale feiern wir die Heilige Messe im Bischofshaus. Beim anschließenden Abendessen kommen der Weihbischof und Mitarbeitende aus Verwaltung und Pastoral mit uns ins Gespräch.
 
Den Abschluss des Tages bildet ein Besuch der Militärkirche. Auf dem Rückweg ins Hotel fahren wir am Militärfriedhof vorbei, ein Wunsch von Weihbischof Volodymyr, denn die Stimmung erinnere an Weihnachten mit den vielen Kerzen und Lichtern, die Angehörige und Freunde auf den Gräbern der gefallenen Soldatinnen und Soldaten anzünden. Ein Bild, das zeige, dass das Leben lebt. Und der Friedhof ist tatsächlich lebendig. Tagtäglich kommen Menschen zu den Gräbern, es ist wie eine Art Stadttreff geworden. Wir begegnen einer Frau, deren Sohn genau vor einem Jahr im Einsatz gefallen ist. Der 30-Jährige wurde mit 30 Schüssen erschossen, dabei habe er noch versucht, sich schützend vor seine Kameraden zu stellen. Er hinterließ Frau und zwei Kinder. Die Mutter hat die junge Familie bei sich aufgenommen. Sie meint, die Frau sei noch jung, sie werde vermutlich wieder heiraten, aber für jetzt verspüre sie den starken Wunsch, sie eng bei sich zu haben. Gemeinsam verharren wir mit ihr am Grab im Gebet.
 

 
  
 
Der Tag beginnt früh. Um 6:45 Uhr treffen wir uns zum kurzen Frühstück, bevor wir uns auf den Weg nach Voynyliv machen. Die Fahrt führt durch weite Ebenen und dauert rund zwei Stunden. Unterwegs passieren wir ein großes Elektrizitätswerk, das die gesamte Region mit Strom versorgt. Mehrfach wurde es bereits bombardiert und doch wurde es jedes Mal wieder aufgebaut. Ein Sinnbild für die Stärke und Ausdauer der Menschen in diesem Land. Auf der Strecke passieren wir auch eine Polizeikontrolle. Ab und an finden wohl Kontrollen statt, um den Wehrdienststatus der Männer zu prüfen.
 
In Voynyliv besuchen wir ein Zentrum für betreutes Wohnen mit medizinischer Betreuung, das im November 2023 eröffnet wurde – eine Antwort auf die wachsende Not von Vertriebenen und Menschen ohne Angehörige. Seitdem hat es 98 Personen geholfen, derzeit leben 18 Bewohnerinnen und Bewohner dort, viele von ihnen aus besetzten Gebieten. 2024 wurde das Gebäude erweitert und renoviert. Im ersten Stock befindet sich nun ein medizinisches Zentrum, in dem weitere 17 Menschen versorgt werden. Hier finden ältere, oft vertriebene Menschen nicht nur einen Ort zum Leben, sondern auch medizinische Begleitung und menschliche Nähe.
 
Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter kümmern sich um die Bewohnerinnen und Bewohner. Eine Besonderheit sind die mobilen Palliativteams, die Dörfer in der Umgebung besuchen, wo es sonst keinerlei staatliche Unterstützung gibt. Viele Patientinnen und Patienten hatten seit Jahren keine medizinische Versorgung. Die Versorgungslage in ländlichen Gebieten ist vielerorts schwierig, auch Bildungseinrichtungen werden nach und nach immer mehr geschlossen.  Die Caritas Ukraine hat entscheidend dazu beigetragen, das Leistungsangebot zu erweitern – etwa durch den Aufbau eines Labors und die Anschaffung moderner Geräte.
 
Im Zentrum arbeiten 27 Personen: fünf Medizinerinnen und Mediziner verschiedener Fachrichtungen, Pflegekräfte und Verwaltungspersonal. Die monatlichen Gesamtkosten betragen umgerechnet rund 10.000 Euro – eine große Summe für diese ländliche Gegend. Staatliche Zuschüsse schwanken; häufig bleiben Finanzierungslücken. Nur drei Bewohnerinnen und Bewohner können ihre Behandlungskosten selbst tragen, weil sie Verwandte im Ausland haben. Die Einrichtung ist daher auf Spenden und die Zusammenarbeit mit NGOs, oft in kirchlicher Trägerschaft, angewiesen.
 
Im Gespräch erfahren wir, dass künftig auch mehr Veteraninnen und Veteranen versorgt werden sollen, da der Bedarf stark steigt. Wir treffen Viktor, der aus dem Osten der Ukraine kommt und als Freiwilliger für die Caritas in dieser Gegend gearbeitet hat, bevor er einen Schlaganfall bekam und nun bettlägerig ist. In der Einrichtung wird er versorgt. Generell bemüht sich das Team an Mitarbeitenden, nicht nur Pflege und medizinische Versorgung, sondern auch ein Zuhause zu bieten. So treffen wir auch Stanislav, der über Georgien aus Mariupol geflohen ist und ein Geschwisterpaar, die nun gegenseitig für sich sorgen. In ihrem Zimmer zeigen sie uns Fotos von ihrer Familie und den Enkeln, die im Krieg dienen. Die Leiterin der Einrichtung erzählt, dass die beiden täglich gemeinsam den Rosenkranz beten.

Es gibt auch einen Raum für die Arbeit mit Psychologinnen und Psychologen. Nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner haben daran Bedarf, sondern auch die Mitarbeitenden wenn Bewohner sterben. Weihbischof Birkhofer bekommt ein von einer ehemaligen Bewohnerin gemaltes Bild überreicht, das ihn an die Reise hierher erinnern soll.
 
Am Nachmittag fahren wir weiter nach Ivano-Frankiwsk. In der Diözesanstadt feiern wir die Heilige Messe und treffen anschließend Mitarbeitende der Caritas Ivano-Frankiwsk. Hier erfahren wir von einem breit aufgestellten Netzwerk: 21 Pfarrcaritasstellen sind in der Diözese aktiv, in fast jeder Pfarrei gibt es mittlerweile Sozialarbeit. Paulina, eine Caritasmitarbeiterin, berichtet von Projekten mit Jugendlichen mit Behinderungen in neun Orten. Der Bischof hat angeordnet, dass Seminaristen dort Praktika absolvieren – eine prägende Erfahrung, die ihr Verständnis für pastorales Handeln erweitert und sie auch später für die Zusammenarbeit mit der Caritas öffnet.
 
Die Caritas Ivano-Frankiwsk engagiert sich auch im Bereich Menschenhandel und Prävention sexualisierter Gewalt. Irina, die Leiterin dieses Programms, erzählt, dass die Kirche bereits seit 2004 in diesem Feld aktiv ist, während staatliche Strukturen erst nach und nach entstehen. Sie vermittelt Betroffene an Fachstellen und arbeitet eng mit Polizei, NGOs und internationalen Partnern zusammen. Außerdem gibt es in Notfällen eine erste kleine finanzielle Unterstützung für Betroffene.
 
Beeindruckend ist die Professionalität der Arbeit: Schulungen, Monitoring und Assessment sorgen für gezielte Hilfe. Viele der heutigen Fachkräfte haben als Freiwillige bei der Caritas begonnen – Juristinnen und Juristen, Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, Ingenieurinnen und Ingenieure, die durch den Krieg ihre Heimat verloren haben und in den Westen geflohen sind. Heute können sie wieder in ihren Berufen tätig sein.
Eine Suppenküche bereitet täglich etwa 150 Mahlzeiten für Binnenvertriebene und Bedürftige zu. Während der ersten Kriegsmonate waren es bis zu 1.500 Portionen am Tag. Besonders im Westen des Landes ist die Lage schwierig, weil Spenden und Fördergelder überwiegend in den Osten fließen. Die Mitarbeitenden betonen, wie groß die Not auch hier bleibt.
 
Viel Raum nimmt die Arbeit mit Veteraninnen und Veteranen und ihren Familien ein. Traumata, Ängste und Unsicherheiten prägen viele Beziehungen. Gemeinsame Familienfreizeiten helfen, Vertrauen und Stärke zurückzugewinnen. Nach dem Mittagessen treffen wir Mitarbeiter der Diözese Ivano-Frankiwsk. Sie zeigen uns die Räumlichkeiten und Aufgabenbereiche der Kurie und führen uns durchs Priesterseminar. Ivano-Frankiwsk hat ca. 90 eigene Seminaristen, das Seminar ist jedoch ein überdiözesanes und so studieren derzeit 166 Seminaristen aus verschiedenen Diözesen dort.
 
Wir besuchen außerdem die St.-Lukas-Klinik – die größte kirchliche Einrichtung dieser Art in der Ukraine. Sie bietet seit 2020 Behandlungen an, von der Radiologie bis zur Chirurgie. Rund 250 Mitarbeitende versorgen täglich bis zu 600 Patientinnen und Patienten. Die Klinik ist privat organisiert, teils gibt es Sozialstrukturen für Menschen, die sich die Behandlung sonst nicht leisten könnten und sie dringend brauchen. Man erzählt uns, die Klinik gelte als Beispiel gelebter kirchlicher Soziallehre in der medizinischen Praxis. Jeden Morgen wird die Messe gefeiert, Kapläne besuchen regelmäßig die Patientinnen und Patienten.
 
Zum Abschluss besuchen wir den neu eröffneten inklusiven Kindergarten, der in einem sorgfältig restaurierten, historischen Gebäude untergebracht ist. 53 Kinder besuchen ihn derzeit, darunter auch Kinder mit Behinderungen. Besonders beeindruckend ist der Schutzraum, in dem bei Fliegeralarm der Unterricht spielerisch fortgesetzt wird – als „Abstieg ins Schloss“, wie die Pädagoginnen und Pädagogen sagen. Eltern schätzen die warme Atmosphäre, das moderne Heizsystem und die Solidarität: Familien, die es sich leisten können, zahlen höhere Beiträge, damit sozial schwächere Familien entlastet werden. Am Abend treffen wir den Metropoliten von Ivano-Frankiwsk zum gemeinsamen Abendessen.
 

 
  

Begegnung mit dem Metropoliten von Ternopil

Am Morgen machen wir uns auf den Weg zum Metropoliten von Ternopil. Nach der Feier der Heiligen Messe frühstücken wir gemeinsam mit dem Bischof, dem Weihbischof und zwei ihrer Mitarbeiter. Die Gespräche drehen sich um politische Entwicklungen, die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine, die Rolle Europas sowie die Zusammenarbeit mit dem Vatikan. Besonders spürbar war die Sorge um die Zukunft des Landes und gleichzeitig das Vertrauen in die gemeinsame Verantwortung der Kirche, Hoffnung zu vermitteln.

Pastorales Zentrum für die Diözese Ternopil

Nach dem Frühstück fahren wir zur Kathedrale, die wir zunächst besichtigen. Neben der Kathedrale befindet sich ein Zentrum, das nach langen Jahren der Enteignung vor drei Jahren endlich zurückgegeben wurde. Ein Relikt aus den Zeiten der UdSSR. Hier entsteht nun ein Ort für Familien, Jugendliche und Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Besonders der Keller des Hauses ist so ausgestattet, dass er als Schutzraum dienen kann – in einer Stadt, die bisher kaum öffentliche Schutzräume hat. Weiterhin soll das Zentrum unter dem Titel „Würde des Kindes“ auch Präventionsschulungen anbieten, da der Bischof in der ukrainischen Bischofskonferenz für die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und Umsetzung von Safeguarding-Policies verantwortlich ist. 
 
Es wird als offenes Haus konzipiert, das von kirchlichen, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Gruppen genutzt werden kann. Der Bischof betont, dass sie sich ein Zentrum wünschen, das stets voller Leben ist, geprägt vom Austausch und der Stärkung von Familie, Jugend und Kindern. Nach herzlichen Gesprächen und einem letzten Kaffee verabschieden wir uns von den Bischöfen und fahren weiter zur Caritas Ternopil.

Caritas Ternopil: Begleitung und Selbstständigkeit fördern

Die Einrichtung spiegelt das Grundanliegen aller Caritas-Dienste wider: Menschen in Not individuell angepasst ganzheitlich begleiten. Die Geschichte dieser Caritas-Einrichtung begann mit einer Suppenküche; der Caritas-Direktor zeigt uns stolz zwei Mitarbeiterinnen der ersten Stunde, die bis heute aktiv sind. Besonders hervorzuheben sind hier die Kochkurse für verschiedene Jugendgruppen – Jugendliche aus armen Familien, Binnenvertriebene und junge Menschen mit Behinderungen. Köchinnen und Köche aus Restaurants bringen ihnen praktische Fähigkeiten bei, die zu mehr Eigenständigkeit führen. Auch auf dem Land begleitet die Caritas mobil Familien, wo es kaum andere Angebote gibt. Im Jugendzentrum liegt der Schwerpunkt auf Waisenkindern, die hier Lebenskompetenzen erlernen und erfahren, dass sie wertvoll und fähig sind.

Caritas Buchach in Chortkiv: Hoffnung in schwierigen Zeiten

Nach der Weiterfahrt erreichen wir Chortkiv und treffen dort den Direktor der Caritas Buchach und einige Mitarbeitende. Bei einem gemeinsamen Mittagessen erzählt er uns von der jungen Geschichte der Caritas Buchach. Die Einrichtung entstand während der Pandemie unter extremen Bedingungen. Anfänglich arbeitete der Direktor allein in einem einzigen Raum – bis mit Beginn des Krieges die Zahl der Binnenvertriebenen massiv anstieg und schnelle professionelle Lösungen hermussten. Inzwischen verfügt die Caritas über mehrere Büroräume, wenn auch nur zur Miete.
 
Besondere Bedeutung haben Programme für Familien gefallener Soldaten und für Kinder, die durch den Krieg traumatisiert sind. Monatlich finden Begegnungs- und Heilungsprogramme statt, die Gebet, psychologische Unterstützung, kreative Workshops und gemeinsames Essen verbinden. Viele dieser Initiativen werden durch Spenden aus der Region ermöglicht.
 
Ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt sind die sogenannten „Child Friendly Spaces“, also kinderfreundliche Räume, die Kinder verschiedener Herkunft – auch aus Waisenhäusern – zusammenbringen. Bemerkenswert ist zudem, dass viele Binnenvertriebene selbst zu Caritas-Mitarbeitenden werden und neue berufliche Perspektiven finden. Über 180 Freiwillige engagieren sich vor Ort; ihre Solidarität zeigt sich auch in persönlichen Spenden. Eine berührende Geschichte erzählt von einem Mädchen aus Mariupol, dessen Gitarre, die ihr wirklich viel bedeutet hatte, im Krieg zerstört wurde. Durch einen Aufruf unter den Freiwilligen kamen gleich drei Gitarren zusammen.
 
Anhand eines Projekts zu gesellschaftlichem Zusammenhalt wurden uns auch einige Schwierigkeiten der lokalen Caritas klar, die für die gesamte Westukraine Bedeutung haben sollte. Einerseits versucht die Caritas immer auch, spirituelle Angebote zu machen, um eben Körper und Seele der Menschen zu erreichen. Andererseits existieren in der Ukraine noch immer viele christliche Denominationen nebeneinander und die innere Auseinandersetzung zwischen Orthodoxie, griechisch-katholischer und katholischer Kirche ist spürbar. Zudem wird in Buchach deutlich, dass es im Zusammenleben zwischen der lokalen Bevölkerung und Binnenvertriebenen auch zu Spannungen kommt

Caritas Kolomyia: Bildung, Heilung und Fürsorge

Wir lassen Chortkiv hinter uns und erreichen nach einiger Zeit Kolomyia. Das dortige Caritas-Team betreut in einem riesigen Gebiet (nämlich dem gesamten Oblast Ivano-Frankivsk) mehrere Suppenküchen, Notunterkünften und Tageszentren für Kinder und Binnenvertriebene. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Welttag der Armen.

Drei Projekte wurden uns besonders vorgestellt:

  1. Rehabilitationscamps in den Karpaten – Bau eines Campus in landschaftlich reizvoller Umgebung, der zur Durchführung von Rehabilitationscamps genutzt werden und allen Caritas-Einrichtungen des Landes zur Verfügung stehen soll. Dabei wollen sie kriegsbetroffenen Menschen helfen, körperlich und seelisch wieder zu Kräften zu kommen. Aus Erholungsangeboten sind mittlerweile gezielte Programme zur Stärkung von Resilienz geworden.
  2. Katholische Schule – Ein Hoffnungsprojekt in Zeiten niedriger Geburtenraten und Flucht aus dem Land. Die Caritas sieht es als Pflicht der Kirche an, für die Bildung der Kinder zu sorgen. Die Schule will Kindern eine hochwertige Ausbildung und eine Wertebasis bieten, damit sie ihr Land und die Gesellschaft in Zukunft aktiv und positiv mitgestalten können.
  3. Palliativpflegezentrum – Mit 50 Bewohnerinnen und Bewohnern gibt es bereits ein Altenpflegeheim, ein Ort der Geborgenheit und Würde. Allerdings fehlt noch eine Palliativlizenz und die dafür notwendige medizinische Ausstattung, denn die Leute haben oftmals keinen Ort mehr, an dem sie in Würde sterben können.
Einen speziellen Gast durften wir auch treffen: Karik. Eigentlich ist die Caritas nicht noch für die Aufnahme von Tieren zuständig. Die Katze sei ihnen aber zugelaufen und sie hätten es nicht über das Herz gebracht, sie ihrem Schicksal zu überlassen. Jetzt ist Karik das Maskottchen der Caritas Kolomyia.
 
Den Tag beschließen wir mit einem gemeinsamen Abendessen in Kolomyia mit dem Bischof, dem Weihbischof, dem Ökonomen der Diözese sowie den Leitenden der Caritas. In einem bunten Mix aus Englisch, Italienisch, Deutsch und Ukrainisch wird gelacht, diskutiert und geteilt – Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft über Sprachgrenzen hinweg.
 

Frühstück und Rückblick in Ivano-Frankivsk

Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück in der Unterkunft der Diözese Ivano-Frankivsk. Im Rückblick auf die bisherigen Reisetage wird deutlich, wie sehr der Krieg in der Ukraine zu einer gestärkten Solidarität innerhalb der Gesellschaft geführt hat. Die Gespräche drehen sich um das gewachsene Zusammengehörigkeitsgefühl, den Umgang mit Binnenvertriebenen und den tiefen Eindruck, den das große Engagement und die wechselseitige Unterstützung der Menschen hinterlassen.

Besuch des Caritas-Zentrums in Nadvirna

Am Vormittag besuchen wir das Caritaszentrum in Nadvirna. Dort findet gerade eine Versammlung der sozialen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter statt, bei dem Weihbischof Birkhofer gebeten wird, einige Worte an sie zu richten. Er erinnert mit seinem Leitwort „Radicati in Caritate“ daran, dass jedes Engagement in der Liebe Gottes wurzeln solle und dass diese Wurzeln Halt geben in Zeiten der Unsicherheit. Er bittet um Gebet und gegenseitige Solidarität unter den Kirchen.
Im ersten Stock begegnen wir einer Frau, die ein Tarnnetz für die Front knüpft. Einer ihrer Söhne ist im Krieg gestorben, ein anderer verletzt. Sie hofft, mit ihrem Tun das Leben anderer Soldatinnen und Soldaten retten zu können.

Das Caritaszentrum in Nadvirna bietet 34 Personen Unterkunft und medizinische Grundversorgung. Neben einer angestellten Ärztin und einem mobilen Palliativteam gibt es auch einen barrierefreien Schutzraum, der einzige dieser Art in der Stadt.
Schön ist das solidarische Restaurantmodell: Wer zahlen kann, finanziert mit seinem Beitrag das Essen für Bedürftige mit. Das Motto der Caritas lautet: „Wenn du nimmst, füllst du deine Hand, wenn du gibst, füllst du dein Herz.“ Neben sozialen Diensten finden hier Workshops zur Resilienzförderung und Begegnungsangebote für Binnenvertriebene statt.

Ein Ehepaar, das hier Unterkunft gefunden hat, zeigt uns ihre Räume: ein Schlafzimmer, eine kleine Küche und ein eigenes Bad. Sie haben hier alles, was sie brauchen, sagen sie. Die Frau schenkt uns einen selbstgebastelten Kosaken aus Papier, ein traditioneller Krieger aus ihrer Heimatregion.

Sozialzentrum in der Region Nadvirna

Wir fahren zu einem weiteren Zentrum, etwas abgelegen, das zu Beginn des Krieges nach und nach 250 Binnenvertriebene aufgenommen hat. Heute dient es als Kombination aus Unterkunft und betreutem Wohnen. Die Caritas plant den Kauf des Hauses, um die Einrichtung langfristig als Pflegezentrum auszubauen.

Das Zentrum war einst im Besitz eines wohlhabenden Mannes und wird nun für vulnerable Gruppen genutzt. Für viele ältere Menschen aus der Donbas-Region sei es, wie sie berichten, ein Traum, hier in Ruhe leben zu können. Im Vergleich zu staatlichen Einrichtungen ist die Ausstattung deutlich besser, auch wenn sie nach europäischen Standards einfach wirkt. Die Caritas möchte langfristig weitere Häuser erwerben und das Projekt zu einem umfassenden Wohnkomplex ausbauen.
 

Weiterfahrt nach Stryi und Besuch der Caritas

Unterwegs fallen uns Rekrutierungsplakate und Aufrufe zum Militärdienst auf. Zu Beginn des Krieges mangelte es an materiellen Kriegsmitteln, nun an Soldatinnen und Soldaten.
 
In Stryi treffen wir zum Mittagessen den Bischof und den Caritasdirektor zu einem Austausch über pastorale und gesellschaftliche Herausforderungen. Im Mittelpunkt stehen Ökumene, Familienarbeit und die Bildungsarbeit für junge Menschen.
Nachmittags besuchen wir das Caritaszentrum in Stryi. Es vereint ein Krisenzentrum für Binnenvertriebene, eine Kinderbetreuung und ein Programm für Menschen mit geistiger Behinderung. Auch können sie durch den Einsatz von einer Freiwilligen Programmierunterricht für Kinder bieten.

Besonders bemerkenswert ist das betreute Wohnen für 20 Personen mit geistiger Beeinträchtigung– derzeit das einzige seiner Art im Netzwerk von Caritas Ukraine. Der Besuch im betreuten Wohnen zeigt, mit welchem Einsatz Menschen mit Behinderung hier in die Gesellschaft integriert werden, da sie häufig noch großer Stigmatisierungen ausgesetzt sind. Die Leiterin Oksana begleitet das Projekt seit zwanzig Jahren und beschreibt ihre Arbeit als Berufung. Für die Bewohnerinnen und Bewohner, die zuvor in Heimen oder schwierigen familiären Situationen lebten, ist das Haus zu einem sicheren Ort geworden. Einige haben dort erstmals medizinische Behandlung und persönliche Förderung erfahren. Die Finanzierung des Projekts ist jedoch nur für wenige Monate gesichert. Trotz aller Unsicherheiten bleibt die Hoffnung, das Haus eines Tages erwerben zu können.

Die Bewohner des zweiten Hauses wollen uns gerne ihre Zimmer, aber vor allem auch ihre Kunstprojekte zeigen, deshalb gibt’s für uns dann gleich eine Demonstration in "Diamond Painting".

Abschluss in Lviv

Am Abend fahren wir nach Lviv weiter und treffen in einem Redemptoristenkloster den Bischof, den Caritasdirektor und den Ökonomen von Zhovkva zum Abendessen. Auch der Ordensobere der Redemptoristen nimmt teil.
In den Gesprächen geht es um gesellschaftlichen Zusammenhalt, um die griechisch-katholische Kirche in Deutschland und kirchenpolitische Entwicklungen. Der Ordensmann erzählt jedoch auch von seiner Mutter erzählt, die ein Kind des zweiten Weltkriegs ist und sich gewünscht hatte, in Friedenszeiten zu sterben. Nun liegt ihr Haus in der Route russischer Drohnen und Raketen, und sie kann am Klang erkennen, welche fliegen.
 

Mitfeier der Liturgie in Lviv und Anreise nach Zhovkva

Der Tag beginnt mit der Feier der Liturgie im griechisch-katholischen byzantinischen Ritus. Nach dem Frühstück führt die Fahrt nach Zhovkva, einer Stadt nahe der polnischen Grenze, die im 17. Jahrhundert vom polnischen Kanzler Stanisław Żółkiewski als „ideale Stadt“ gegründet wurde. Sie zeichnet sich durch ihre historische Struktur und das bis heute sichtbare Nebeneinander von römisch-katholischer, griechisch-katholischer und jüdischer Tradition aus. Das Stadtmodell ist ein Beispiel friedlichen Miteinanders unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten.
Auffällig sind in den letzten Tagen zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum, oft aus Kriegsrelikten gefertigt. Vor dem Caritasgebäude steht die Statue einer Frau, die aus zerstörten Stromleitungen gestaltet wurde, die durch russische Drohnenangriffe beschädigt worden waren.
 

Caritas Zhovkva

Die Caritas Zhovkva wurde 2017 gegründet und umfasst etwa ein Viertel der Region Lviv (Lviv-Oblast). Acht lokale Zentren gehören dazu, die bis zu 140 Kilometer voneinander entfernt liegen – eine erhebliche Herausforderung bei der Verteilung von Hilfsgütern. Im historischen ehemaligen Rathaus der Stadt befinden sich heute ein Krisenzentrum, ein Resilienzzentrum sowie Räume für Kinderprogramme („Child Friendly Spaces“).
Die Organisation arbeitet mit professionellen Datenbanken und unterstützt regelmäßig Familien in akuter Not. Über 800 Personen wurden mit Lebensmitteln versorgt, dazu kommen mehrere Tonnen Kleiderspenden, verteilt an Binnenvertriebene und Menschen, die mit fast nichts angekommen sind. Neben materieller Hilfe bietet die Caritas rechtliche, psychologische und soziale Beratung an. Fr. Stepan, Caritasdirektor, führt uns durch einige Räume.
Anja, Juristin und stellvertretende Direktorin, und Jevhen, zuständig für Datenmanagement und Baukoordination, berichten über ihre Arbeit. Beide engagieren sich weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinaus – insbesondere beim Aufbau neuer Räumlichkeiten und in der psychosozialen Begleitung von Veteraninnen und Veteranen.
 

Arbeit mit Veteraninnen, Veteranen und ihren Familien

Seit 2022 bildet die Unterstützung von Veteraninnen, Veteranen und deren Angehörigen einen eigenen Arbeitsschwerpunkt. Grundlage war eine Umfrage, um die tatsächlichen Bedürfnisse dieser Gruppe zu ermitteln. Die Caritas bietet seither vielfältige Unterstützungsangebote für Veteraninnen und Veteranen, ihre Partnerinnen und Partner, Kinder und Eltern – von Beratung über Freizeitangebote bis hin zu mehrtägigen Erholungsaufenthalten.
Dabei sind sie dankbar über die Unterstützung ihres Bischofs, der sie dazu ermutigt hat, sich der Veteranen und ihrer Angehörigen anzunehmen, zumal lange Zeit als Standard galt, den Soldatinnen und Soldaten keine humanitäre Hilfe zugutekommen zu lassen. Auch die Bischofssynode der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine ruft dazu auf, die Arbeit mit Veteraninnen, Veteranen und ihren Familien als kirchlichen Auftrag zu verstehen: „Erinnern wir uns an die verletzlichsten und schutzlosesten Opfer des Krieges – die Familien der Gefallenen, die Witwen und Waisen –, die ihr ganzen Leben lang Gottes fürsorgliche Gegenwart durch die „Bande“ tätiger und barmherziger menschlicher Liebe spüren müssen.“ Das legitimiere ihre Arbeit zusätzlich. Die Caritas Zhovkva war die erste diözesane Caritas in der Ukraine, die mit einer derartigen Unterstützung begonnen hat. Unablässig ist dabei stets die Beziehungsarbeit. Vertrauen muss erst wachsen, damit die Betroffenen die Hilfe annehmen können und wollen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den weiblichen Angehörigen: Ehefrauen, Partnerinnen und Mütter tragen oft die Hauptlast der familiären Verantwortung und leiden unter finanziellen Engpässen, psychischer Belastung und sozialer Isolation. Für kirchlich sozialisierte Frauen, die über die Pfarreien Kontakt gefunden haben, wurde eine sogenannte Hagiotherapie entwickelt, die durch Gebet und Bibellektüre geistliche Begleitung ermöglicht.
Das Team um Fr. Stepan, Anja und Jevhen erstellte eine Statistik darüber, welche Frauengruppen das Angebot am häufigsten annehmen. Erstaunlich war zunächst, dass Mütter gefallener Soldatinnen und Soldaten die kleinste Gruppe bildeten. Der Grund liegt in der traditionellen einjährigen Trauerzeit, in der sich Angehörige aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Im darauffolgenden Jahr stieg der Anteil dieser Gruppe deutlich an.
Männern, insbesondere Veteranen selbst, fällt der Zugang zu diesen Angeboten oft schwer, weshalb die Caritas gezielt auf gemeinschaftliche Aktivitäten setzt. Ein Beispiel ist das Programm „Schulter an Schulter“, das Veteranen Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung gibt.
Auch Kinder und Jugendliche werden begleitet, die unter der Abwesenheit ihrer (meistens) Väter und unter Kriegserfahrungen leiden. Viele zeigen Konzentrationsprobleme, Angst und Aggressivität.

Geistliche und pastorale Impulse

Weihbischof Birkhofer erinnerte in diesem Zusammenhang an die Seligpreisungen und dass die Caritasmitarbeitenden es schaffen, mit scheinbar einfachen und kleinen Diensten Würde und Wert der Menschen zu wahren, indem sie dafür sorgen, dass beispielsweise ein Kind Kind sein und eine Frau trauern darf. Die Arbeit in dieser Situation des Krieges sei keine leichte Aufgabe, zumal niemand wisse, wie lange er andauere. In den vergangenen Tagen sei ihm erneut bewusst geworden, gerade bei der unglaublichen Arbeit, die die Menschen hier leisten, dass alles Tun nicht allein aus eigener Kraft, sondern auch aus der Kraft des Glaubens heraus geschieht. Er könne gerade hier sehen, was der Heilige Apostel Paulus meine, wenn er schreibe „Caritas Christi urget nos“- die Liebe Christi treibt uns an. Mit großem Respekt und Dankbarkeit schaue er dabei auf die Arbeit der Caritas-Mitarbeitenden, bei der deutlich würde, dass das Evangelium Christi der Mensch sei und dieses Evangelium durch sie in alle Einheiten hinein durchbuchstabiert werde. Er formulierte zudem den Wunsch, als Erzdiözese Freiburg Schulter an Schulter mit der Caritas Ukraine zu stehen.

Besuch der Allee der Vermissten

Zum Abschluss besuchen wir die „Allee der vermissten und gefangenen Soldatinnen und Soldaten“ in Zhovkva. Die Porträts erinnern an die im Krieg Vermissten und Verschleppten. Auf den Plakaten sind jeweils das Datum des letzten Kontakts sowie die Wünsche der Familien vermerkt. Einer der Rahmen ist leer – darin hing einst das Bild eines Gefangenen, der tatsächlich zurückkehren konnte. Caritas-Direktor Stepan zeigt Fotos, auf denen die feierliche Abnahme seines eigenen Porträts zu sehen ist. Diese Geschichte gebe Hoffnung, dass auch weitere Vermisste ihren Weg zurück nach Hause finden können. Daran halten die Menschen sich fest.
Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen begleiten wir unseren Reiseleiter der vergangenen Tage, Volodymyr Malchyn, zum Bahnhof nach Lviv. Er fährt mit dem Zug zu seiner Pfarrei in der Nähe von Kiew. Auch er lebt seit Beginn des Krieges getrennt von seiner Familie, seine Kinder wachsen ohne ihren Vater und in ständiger Sorge um ihn auf und auch sie tun sich unterschiedlich leicht in der Integration an ihrem neuen Wohnort. Für uns geht es über Polen zurück nach Freiburg. Mit Wehmut nehmen wir Abschied, gefunden haben wir aber trotz des Krieges viele menschliche Vorbilder, die aus einem starken Glauben heraus Lösungen für aktuelle Herausforderungen finden durch professionell geführte Projekte. Das sind Beispiele, die Hoffnung machen, dass Menschen sich der blinden Zerstörungswut des Krieges entgegenstellen können und dass die Liebe Christi ein Band sein kann, das Menschen miteinander verbindet und so Versöhnung, tätige Nächstenliebe, Hoffnung, und Vertrauen möglich macht. Am Sonntagabend werden wir wieder in Freiburg sein, die Sorgen und Nöte der Menschen nehmen wir mit uns, mit in unsere Gebete und Gottesdienste, das haben wir versprochen. Und dass wir den Menschen solidarisch verbunden bleiben und sie weiterhin auch materiell unterstützen.