Glasplatten im EAF

05.10.2023 |

Die Sammlung von Glasplatten im EAF ist mit etwa 2.000 Stück durchaus umfangreich. Die überwiegende Mehrheit wurde vom Konservator der kirchlichen Kunstdenkmäler der Erzdiözese Freiburg, Hermann J. Ginter (1889-1966), angefertigt und dem Archiv überlassen. 

Zum Material
Glas diente neben Metall in den Anfängen der Fotografie als Trägermedium für die lichtempfindliche Fotochemie. Wichtige Verfahren waren die Heliografie (ca. 1822), die Daguerreotypie (ca. 1835), die Ferrotypie (1855), die Kollodium-Nassplatte (1850ern) sowie das später weitverbreitete Gelatine-Trockenplatten-Verfahren (ab 1871). Vorteile gegenüber anderen Fototechniken sind eine hohe Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse und eine damit verbundene relative Langlebigkeit. Zudem können mit modernen Verfahren auch sehr detailauflösende Aufnahmen mit feiner Grauabstufung angefertigt werden. Nachteile sind jedoch die Schwere und Größe, die Fragilität bei physischen Einwirkungen (Glas kann schnell zerbrechen) sowie der relativ hohe Aufwand bei der Entwicklung.
 
Originalverpackungen der Glasplatten
Glasplattenfotografie wurde mit der Entwicklung von zelluloidbasiertem Träger spätestens in den 1930er Jahren vollständig vom Massenmarkt verdrängt. Lange Zeit wurde sie jedoch noch für die Astrofotografie eingesetzt, verlor aber im Zuge der Weiterentwicklung moderner digitaler Fotosensorik an Bedeutung. Übliche Aufnahmeformate sind 9×12cm oder 6,5×9cm große Fotoplatten. Auch Platten von einer Größe von 24×30cm oder mehr waren möglich.
 
Zum Bestand im EAF
Unsere Glasplatten bilden hauptsächlich Kircheninnenräume ab, typischerweise sind Haupt- und Seitenaltäre zu sehen, die Orgelempore, der Chorraum, die Kanzel sowie zahlreiche beeindruckende Kunstgegenstände und die Deckenmalereien. Ebenfalls gehören die Außenansichten von Kirchen, Wegkreuze oder Klostergebäude zu den Bildmotiven. Hermann Ginter hielt mitunter auch Pläne und Kupferstiche fest.
Glasplatten unterschiedlicher Größe
zwei unterschiedliche Größen von Glasplatten
Der besondere Quellenwert besteht bei den Glasplatten darin, dass die Bilder meist vor dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurden und ein authentisches Zeugnis von Gebäuden oder darin enthaltenen Gegenständen abgeben, die es mitunter nicht mehr gibt. Die Bilder visualisieren zudem das, was man durch das Studieren der jeweiligen Bauakten „nur“ in Schriftform vorliegen hat und tragen auf diese Weise zur Vervollständigung eines (vielleicht verlorenen) Gesamtbildes bei.
 
Nutzung
Die Sammlung hat die Bestandssignatur: S 32.
 
verpackte Glasplatten
Glasplatten in Schutzhülle (rechts) und im Karton (links)
 
Das Foto zeigt verpackte Glasplatten. Sie werden einzeln in Papier eingeschlagen und zu je 10 Stück in die Kartons gelegt. Im Magazin lagern sie stehend, also vertikal. Dort nehmen sie drei Regalböden ein. Aus konservatorischen Gründen werden nach Möglichkeit nicht die zerbrechlichen Glasplatten vorgelegt, sondern die Schutzdigitalisate.
Die Titelbezeichnung besteht in der Regel aus der Pfarrei und der jeweiligen Kirche, zum Beispiel: Nenzingen, St. Martinskapelle. Im Beschreibungsfeld werden die auf der Glasplatte zu sehenden Elemente über Stichwörter konkretisiert, zum Beispiel: „Innenraum“, „linker Seitenaltar“. 
 
Sarah Mammola