Von Pergament auf Festplatte

19.09.2023 | Die Urkundenbestände des EAF und ihre Digitalisierung

Teil des Archivguts, das im EAF verwahrt wird, sind nicht nur Unterlagen der Erzdiözese Freiburg, sondern auch umfangreiches Material aus der Zeit vor ihrer Gründung. Es stammt vor allem aus den Archiven der Bistümer Konstanz und Speyer, aber auch aus Pfarreien und Klöstern im Diözesangebiet. Eine wichtige Gruppe innerhalb dieser Altbestände sind die ca. 5500 Urkunden, die einen Zeitraum vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches abdecken. Die Mehrheit der Stücke verteilt sich auf drei Bestände: Das Freiburger Münsterarchiv und die sogenannten Urkundensammlungen Zell und Haid. Um sie und den Stand ihrer Digitalisierung soll es im Folgenden gehen.

EAF Münsterarchiv 1347: Der Freiburger Bürgermeister, Johannes genannt Snewli, der Prokurator der Münsterfabrik, Johannes genannt Brechter und der Prokurator des Armenspitals daselbst, Rudolf genannt Geben oder Münzmeister, zeigen dem Bischof von Konstanz die Stiftung einer ewigen Messe auf dem Corpus-Christi-Altar im Freiburger Münster durch Henrich genannt Wurmlinger an und bitten um Bestätigung.
 
Mit ca. 1800 Stücken bildet das Freiburger Münsterarchiv den größten Urkundenbestand im EAF. Über 1000 dieser Urkunden stammen aus der Zeit vor 1500. Der Bestand ist daher von hoher Relevanz für die spätmittelalterliche Geschichte der Stadt Freiburg und ihrer Umgebung. Zahlreiche Stiftungen und Schenkungen aus der Bürgerschaft dokumentieren die enge Verbindung der Freiburger zu ihrer Pfarrkirche. Daneben privilegierten Päpste, Kardinäle oder die Erzherzöge von Österreich die Kirche und den dort wirkenden Klerus immer wieder oder statten sie mit Ablässen aus. Zudem findet sich in dem Bestand umfangreiches Schriftgut zur Verwaltung der zum Münster und den unterschiedlichen Pfründen gehörenden Güter und Einkünfte, so dass dieser Bestand auch wirtschafts- und sozialgeschichtlich interessant ist.
 
EAF Münsterarchiv, 1454 August 26: Erzherzog Albrecht VI. bestätigt die Urkunde der Erzherzogs Leopold aus dem Jahr 1395, in der die Priesterschaft am Freiburger Münster von der Zahlung des Weinungelds an die Stadt Freiburg befreit wurde.
Der zweite große Urkundenbestand im EAF ist die Urkundensammlung Zell. Er verdankt seinen Namen dem erzbischöflichen Archivar Franz Zell (1826-1901), allerdings ist er etwas irreführend, da es sich nicht um einen Nachlass oder eine von Zell bspw. durch Käufe zusammengetragene Sammlung handelt. Vielmehr stammen die gut 1300 Urkunden aus den Archiven der Bistümer Konstanz und Speyer, und wurden von ihm, der als erster die Bestände der alten Bistümer im EAF erschlossen hat, zu einem Bestand vereinigt und verzeichnet. Auffällig ist, dass 600 dieser Schreiben in Rom ausgestellt wurden. So finden sich hier die päpstlichen Wahlbestätigungen, Amtseide, Dispense und Zeugnisse über empfangene Weihen für die Konstanzer Bischöfe von Otto von Sonnenberg, 1480, bis zu Karl Theodor von Dalberg, dem letzten Konstanzer Bischof. Hervorgehoben sei hier nur das Weihezeugnis für den Konstanzer Bischof und Kardinal, Markus Sittich von Hohenems. Es wurde 1566 von Kardinal Karl Borromäus ausgestellt, dem das Freiburger Priesterseminar Collegium Borromaeum seinen Namen verdankt.
 
EAF UZ 84: Zeugnis des Kardinals Karl Borromäus, dass der neugewählte und bestätigte Bischof von Konstanz, Mark Sittich, Kardinal und Graf von Hohenemps, von ihm die bischöfliche Weihe erhalten hat, 1566 Februar 17.
Der dritte große Bestand ist die Urkundensammlung Haid. Sie geht auf den Dekan und Gründer des Kirchengeschichtlichen Vereins für das Erzbistum Freiburg Wendelin Haid (1803-1876) zurück. Teilweise wurden hier im Laufe der Zeit aber auch Urkunden aus Pfarrarchiven abgelegt, die vor Ort nicht fachgerecht gelagert werden konnten. So ist dieser Bestand im wahrsten Sinne des Wortes bunt durchmischt, da auf diese Weise auch mehrere illuminierte Urkunden in den Bestand gelangten.
 
EAF UH 314: Ablassbrief des Kardinallegaten Raimund Peraudi für die Pfarrkirche zu Löffingen auf alle Hauptfeste und andere Feiertage, 1503 März 1.
 
Zudem deckt er quasi den gesamten Raum der Erzdiözese ab, wobei mehrere Stücke weit darüber hinaus gehen.  Die Schwerpunkte liegen im Bodenseeraum und im alten Bistum Straßburg. Hier sind vor allem die Urkunden für die Straßburger Johanniterkommende Zum Grünen Wörth und das St.-Andreas-Hospital in Offenburg zu nennen. 
Dem EAF ist es in den letzten drei Jahren gelungen, diese großen Bestände zu digitalisieren. Möglich machte dies eine umfangreiche Förderung im Rahmen des Projektes „Wissenswandel. Digitalprogramm für Bibliotheken und Archiv innerhalb von Neustart Kultur.“ Es wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zur Milderung der Folgen der Corona-Pandemie und zum Ausbau digitaler Angebote von Archiven und Bibliotheken aufgesetzt und förderte mehr als 700 Digitalisierungsprojekte in ganz Deutschland. Umgesetzt wurde die Arbeit in Zusammenarbeit mit ICARUS, einem Verein, der von gut 180 Archiven weltweit getragen wird. Ein Mitarbeiter des Vereins kam dafür ins EAF und digitalisierte die Bestände vor Ort. Auf der von ICARUS betriebenen Plattform monasterium.net sollen die Digitalisate zukünftig interessierten Nutzerinnen und Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Seit einigen Wochen ist die Urkundensammlung Haid dort bereits freigeschaltet. Die anderen beiden großen Bestände befinden sich noch in Bearbeitung. 
 
EAF Dek Waldshut 12, S. 45: Stiftungs- und Gedenkverzeichnis des Landkapitels Waldshut, hier: Liste der Kapitel zum gehörigen Geistlichkeit aus dem Jahr 1593, Ende 15. bis Ende 16. Jahrhundert. 
Daneben ist es das Ziel, auch die vielen kleinen Urkundenbestände des Hauses, hierbei handelt es sich vor allem um Dekanats- und Pfarrarchive, Stück für Stück selbst zu digitalisieren und ebenfalls auf monasterium.net zugänglich zu machen. Den Auftakt machen die Urkunden des Dekanatsarchivs Waldshut. Diese sind gemeinsam mit der Urkundensammlung Haid online gegangen. 
 
Wir hoffen, dass die Bestände, die noch viele bisher ungehobene Schätze beinhalten, auf diese Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich werden und würden uns freuen, wenn Sie vom Angebot, das sukzessiv erweitert werden wird, rege Gebrauch machen.
 
 
 
 
 
 
 
Johannes Krämer
 
Zur Nutzung
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