Archivvorstellung: Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv
02.11.2023 |
Das Fürstlich Fürstenbergische Archiv ist eines der größten privaten Adelsarchive Deutschlands. Es befindet sich im Besitz der Familie zu Fürstenberg, die es als öffentlich zugängliche Einrichtung unterhält. Das Archiv steht in Donaueschingen – und das schon seit 260 Jahren.
Als einer der ersten eigenständigen Archivbauten Deutschlands ist das Fürstlich Fürstenbergische Archiv zunächst weniger als Prestigeobjekt, sondern vor allem zur Erleichterung der Verwaltung erbaut worden: Fürst Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg wählte im Jahr 1723, nachdem er reich geheiratet und große Gebiete eines anderen Familienzweigs geerbt hatte, das damals kleine Dorf Donaueschingen als Residenz und damit zum Mittelpunkt des entstehenden fürstenbergischen Staates aus. Die Akten der Regierung, die zunächst im Schloss und im Rentamtsgebäude untergebracht worden waren, sprengten jedoch bald den vorhandenen Platzrahmen - vor allem nach dem Erbe der Besitzungen der Linie Fürstenberg-Meßkirch im Jahr 1744 und dem damit einhergehenden zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Der Fürst entschied deshalb, dass ein eigenes Archivgebäude errichtet werden sollte.
Von Beginn an plante der Architekt Franz Joseph Salzmann in großen und innovativen Dimensionen: Das Gebäude umfasst sechs Stockwerke, deren Wände und Decken aus Stein von einem Meter Breite bestehen, gebaut in einem Kreuzgratgewölbe. Die Türen sind aus massivem Eisen– damit wurde ein Schutz vor Einbrüchen ebenso wie vor Feuer gewährleistet. Gleichzeitig sorgen die dicken Wände auch für geringere und verlangsamte Schwankungen der Temperatur. Luftschächte, die in die Kellerräume führen, ermöglichen darüber hinaus eine ausreichende Luftzirkulation, was einem Auftreten von Schimmel entgegenwirkt. Im zweiten Obergeschoss befinden sich besonders prachtvolle Räumlichkeiten: Bereits beim Bau des Archivs wurden in Schloss Meßkirch die Schränke der Bibliothek ausgebaut und in den Donaueschinger Archivbau eingepasst. Heute findet sich hier neben einem Magazin mit Forstakten auch die Fürstenbergische Hofbibliothek im so genannten „Max-Egon-Saal“ (benannt nach dem Fürsten Max Egon II.); in Schauvitrinen werden dort auch die bedeutendsten Urkunden der fürstenbergischen Geschichte ausgestellt.
Das Archivbauprojekt dauerte von 1756 bis in das Jahr 1763 und kostete 80.000 Gulden – damit war es trotz seines schlichten Äußeren teurer als das ein paar Jahre zuvor neu gebaute Schloss Donaueschingen! Um zumindest einen Teil der Kosten rechtfertigen zu können, wurden in den unteren beiden Kellergeschossen anfangs Gemüse und Kartoffeln für die Gutsverwaltung und Bierfässer aus der nebenan gelegenen Brauerei gelagert. Die Fenster wurden später aus Feuer- und Lichtschutzgründen mit eisernen Läden versehen, jedoch waren die unteren Stockwerke bereits zuvor vergittert – die Akten waren bis zur Zeit der Mediatisierung streng geheim und Teil der Regierungsgeschäfte.
Das Erdgeschoss wurde mit sogenannten „Fluchtkisten“ bestückt, in denen zunächst die wichtigsten Urkunden und Besitzansprüche untergebracht waren. Im Falle eines Brandes oder eines feindlichen Angriffs auf das Fürstentum konnten so die wichtigsten Akten an einen sicheren Ort gebracht werden. Tatsächlich geschah dies auf der Flucht vor französischen Heerestruppen im Jahr 1796, als die Bestände zeitweise nach Feuerthalen in die Schweiz gebracht wurden.
Nachdem Fürstenberg seine Herrschaftsrechte aufgrund der Mediatisierung der Reichsstände im Jahr 1806 aufgeben musste, verlor das Archiv allmählich seine Bedeutung als Verwaltungsstätte und wurde auf Betreiben des Fürstenhauses zu einer Forschungsstätte umgewandelt, die ihre Tore – und ihre Bestände - der Allgemeinheit öffnete. Die Leitung des Archivs wurde (und wird bis heute) hauptamtlichen Archivaren übertragen – anfänglich Juristen, später Historikern, darunter bekannte Namen wie Karl Roth von Schreckenstein, Sigmund Riezler, Franz Ludwig Baumann oder Karl Siegfried Bader.
Die Bestände des Fürstlich Fürstenbergischen Archivs wurden zunächst aus den Akten der verschiedenen Linien der Familie gebildet. Einen Teil des Archivs bildet das für Adelsarchive charakteristische Hausarchiv mit Akten und Nachlässen zu den einzelnen fürstenbergischen Familienmitgliedern. Daneben befinden sich in den Beständen des Archivs Akten über die Regierung der Territorien Fürstenbergs und über verschiedene fürstenbergische Gewerbe. In Folge des großen Waldbestandes wuchs außerdem ein beträchtlicher Bestand von ca. 4000 Forstakten heran. Dazu kamen reiche Kartenbestände, eingeteilt in Guts- und Forstkarten der fürstenbergischen Lande, Gebäudepläne sowie Grubenrisse. Mit der Säkularisation der Klöster wurden darüber hinaus die Archive aus 18 Klöstern von dem Fürstenbergischen Archiv übernommen.
Heute beinhaltet das Fürstlich Fürstenbergische Archiv folglich ein großes historisches Archiv, das bis zum Jahr der Aufhebung der Fürstenbergischen Souveränität, dem Jahr 1806, geführt wurde. Davon abgeteilt ist das Verwaltungsarchiv, das seit 1806 weitergeführt wird. Nähere Informationen finden Sie unter: http://fuerstenberg-kultur.de/archiv/