Die Kath. Landvolkbewegung in der Erzdiözese

07.10.2024 | Engagement im ländlichen Bereich und Entstehung der KLB

In der Ausgabe vom Amtsblatt 2024/4 wurde bekannt gegeben, dass die „Katholische Landvolk Bewegung“ fortan unter dem verkürzten Namen „Katholische Landbewegung“ geführt werden wird – so weit, so klar. Eine Nutzerin wollte wissen, wie lange es die Vereinigung eigentlich schon gibt. Wir nehmen ihre Anfrage zum Anlass und wühlen in unseren Beständen. Die Spurensuche beginnt mit dem Amtsblatt und endet in einer Personalakte.

Der erste Hinweis für die weitere Recherche war die Umbenennung, die im März 2023 mit der Satzungsänderung beschlossen und in diesem Jahr bekannt gegeben worden ist. Dadurch ist klar, dass es in den älteren Ausgaben des Amtsblatts nach der „Landvolk Bewegung“ (getrennt und zusammen geschrieben, abgekürzt KLB) Ausschau zu halten gilt. Da die Diözesanstelle beim Erzbischöflichen Seelsorgeamt angesiedelt ist, ist dort ebenfalls der Kern der Überlieferung zu vermuten. Das bedeutet aber nicht, dass eine Recherche im EAF keine Ergebnisse liefern würde – das Gegenteil ist der Fall.
 
Im einem Schreiben vom 13.10.1952 wird erwähnt, dass die Katholische Landvolkbewegung Deutschland im Vorjahr durch den hochwürdigsten Episkopat gegründet worden war. Lange vor ihrer Gründung war die seelsorgerische Betreuung auf dem Land in den 1940er/50er Jahren ein großes Thema in der Erzdiözese. In vielen Dokumenten ist vom Strukturwandel in den Gemeinden die Rede und in der Folge wird der dringende Bedarf einer Dorf- oder Landseelsorge gemeldet. Es sollte daher nur eine Frage der Zeit sein, bis eine KLB auf Diözesanebene eingerichtet werden würde.
 
1952 brachte Franz Nadler vom Landvolkdienst des Katholischen Männerwerks (KMW) wichtige Vertreter aus dem Kreis der Pfarrer, Lehrer und Bürgermeister zusammen, um sich im Rahmen einer „Arbeitsgemeinschaft Landvolk“ zu besprechen. Man wollte aufzeigen, dass über eine KLB gesellschaftlich relevante Fragen angesprochen werden können, außerdem verdeutlichen, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Kreise im Bereich der Bildung war, sowie Helferinnen und Helfer für die Umsetzung vor Ort gewinnen. Unter den Mitwirkenden waren noch Pfarrer Wollmann von der Kath. Landjugendbewegung (KLJB) und Frau Schwander von der Landfrauenvereinigung des Kath. Deutschen Frauenbundes (KDFB). Gemeinsam führten sie mehrere Aktionstage durch und werteten die Ergebnisse in einem Bericht aus, wie in den Akten nachzulesen ist. 
 
Zwischenbericht mit Aufgaben und Zielen der Kath. Landvolkbewegung, aus: EAF, B2-1945/1395.
 
Auf Ebene der Kath. Landvolkbewegung Deutschlands gab es 1954 eine wichtige Zusammenkunft in Würzburg, von der ebenfalls ein Bericht der Bundesgeschäftsstelle vorliegt. Sie empfahl, den bestehenden Aktionsausschüssen der KLB auf Diözesanebene nun noch entsprechende Gremien auf Landesebene folgen zu lassen, damit die Aufgaben überdiözesan und politisch besser berücksichtigt würden. Auch hiernach ergriff Franz Nadler die Initiative und lud im Oktober 1954 zur Bildung eines Aktionsausschusses der KLB Baden-Württemberg ins Fidelishaus nach Sigmaringen ein. 1956 ist er als Geschäftsführer greifbar.
 
War für Deutschland und das Land Baden-Württemberg die Errichtung und Förderung der KLB schon auf einem guten Wege, so musste die Gestaltung in der Erzdiözese Freiburg noch weiter vorangetrieben werden. Derselbe Franz Nadler war federführend an ihrem Aufbau beteiligt. Er legte einen Entwurf zum Organisations- und Arbeitsplan dar, welcher neben den strukturellen Aspekten vor allem die Aufgaben und Arbeitsweise der Kath. Landvolkbewegung auf drei Ebenen (Diözese, Dekanat, Pfarrei/Dorf) skizziert. Interessant hierbei ist, wie viele unterschiedliche Personen zusammenkommen und im Aktionsausschuss ein Mitspracherecht haben sollten: 

-    Ein Bauer als Vorsitzender
-    Stellvertreter oder Stellvertreterin
-    Der Vorsitzende des Landvolkdienstes des Kath. Männerwerks
-    Die Vorsitzende der Landfrauenvereinigung des Kath. Dt. Frauenbundes
-    Der Diözesanführer der Kath. Landjugend
-    Die Diözesanführerin der Kath. Landjungend
-    Der Landjugendseelsorger
-    Zwei Landvolkseelsorger aus unterschiedlichen Diözesanteilen
-    Die Geschäftsführerin der Landfrauenvereinigung des Kath. Dt. Frauenbundes
-    Der Sekretär des Aktionsausschusses der KLB
-    Ein Dorfbürgermeister
-    Ein Landarzt
-    Ein Landlehrer
-    Ein katholischer Landwirtschaftsrat
-    Möglicherweise noch Delegierte aus dem Kath. Werkvolk, der Kolpingfamilie, aus einem dörflichen Mütterverein, aus dem Diözesanausschuss der Kath. Aktion und aus der Dorfcaritas des Diözesancaritasverbands
 
Auszug aus dem Amtsblatt 1962/24.
In den nachfolgenden Jahren kam, passend zur Eigenbezeichnung, sehr viel Bewegung in die KLB und verwandte Gruppen. Zwar liefen nicht alle Fäden bei ihr zusammen, doch lässt sich anhand der Akten feststellen, dass sich dieselben Personen aus ihren Reihen auf verdienstvolle Weise engagierten und somit den Bereich Landvolkseelsorge in zahlreichen Facetten vorantrieben.
 
Im Jahr 1960 wurde der bisherige Diözesanjugendseelsorger Paul Wollmann, selbst seit Jahren aktiv in der Förderung der KLJB, zum Diözesan-Landvolkseelsorger ernannt. Gemeinsam mit Herrn Nadler forderte er eine Sekretariatsstelle, setzte sich für eine bessere Finanzierung der KLB ein, denn diese hatte mehrheitlich das Kath. Männerwerk übernommen, und beantragte einen Dienstwagen, damit die zahlreichen Besuche vor Ort realisiert werden konnten. Zum Jahresbeginn 1961 bekam die Kath. Landvolkbewegung ein eigenes Postcheckkonto, für das Pfarrer Wollmann in seiner Funktion als Landvolkpfarrer sowie Franz Nadler als Diözesanleiter eine Vollmacht hatten. 
 
Der schrittweise Ausbau der Kath. Landvolkbewegung erforderte mehr Mitarbeitende und eine Ausdifferenzierung der Aufgabengebiete. Das Amt des Diözesanleiters des Katholischen Landvolks diente primär der Organisation sowie der Interessensvertretung der KLB in verschiedenen Gremien auf Diözesan-, Landes- und Bundesebene. Im Juni 1964 sollte ein hauptamtlicher Landvolkreferent zur Entlastung des Landvolkpfarrers angestellt werden. Ein späteres Schreiben von 1967 gibt als Tätigkeitsbeschreibung wieder: „Die Arbeit des Landvolkreferenten liegt schwerpunktmäßig in der Erwachsenenbildung, sie ist nicht primär agrarisch, sondern milieu-ländlich.“ Die Erarbeitung von Bildungsmaterialien und Vertretungsaufgaben waren überdies wichtige Punkte. Zudem wäre eine Lehrkraftvertretung in den beiden Landvolkshochschulen St. Ulrich und Gamburg im Krankheitsfall wünschenswert. Im Jahr 1972 erfährt man vom Referat Landvolkseelsorge und Landvolkarbeit, welches inzwischen mehrere Referenten in verschiedene Bezirke der Diözese entsandte und im Erzb. Seelsorgeamt angesiedelt war. 
 
Über die inhaltliche Ausgestaltung der Arbeit geht aus den Archivalien zur Katholischen Landvolkbewegung im Erzbischöflichen Archiv Freiburg kaum etwas hervor. Mit den Akten lassen sich vielmehr der strukturelle Aufbau, die Organisation, die Finanzierung, die beteiligten Personen und die Kommunikation zwischen verschiedenen Stellen der Verwaltung greifen. Überdies können manche Erkenntnisse in weiteren Beständen des EAF vertieft werden, da hier ein breiterer Kontext aufgemacht werden kann. 
 
Sarah Mammola
Nutzung
-EAF, B2-1945/1394, Landvolkseelsorge, Personelles, Vol. 1, 1962-1974.
-EAF, B2-1945/1395, Landvolkseelsorge, Sachliches, Vol. 1, 1930-1961.
-Amtsblatt der Erzdiözese Freiburg (ab 1970 online; die älteren Bände sind bei uns im Lesesaal und bald ebenfalls digital einsehbar).
-EAF, Personalakte von Pfarrer Paul Wollmann, gest. 1983.