Das EAF ist auf dem 91. Deutschen Archivtag in Suhl

22.10.2024 |

Der 91. Deutsche Archivtag fand in diesem Jahr im Congress Centrum in Suhl statt. Vom 8. bis 10. Oktober kamen ca. 500 Archivarinnen und Archivare zusammen und tauschten sich über diverse Themen aus. Auch das EAF war personell vor Ort – hier einige Eindrücke.

Das Rahmenthema für das Treffen 2024 lautete: „Heute, Morgen, Übermorgen – Archive im Fokus“. Das vollständige Programm kann man sich auf der Seite des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) anschauen. In fünf Plenum-Runden wurden ausgewählte Bereiche vertieft:
  • Plenum 1: Audiovisuelle Unterlagen
  • Plenum 2: Digitale Unterlagen
  • Plenum 3: Neue Arbeits- und Ausbildungsmodelle
  • Plenum 4: Nachhaltigkeit als Auftrag
  • Plenum 5: KI, machine learning und Algorithmen
Die feierlichen Grußworte schlossen mit dem Eröffnungsvortrag „Deutschlands Archive nach der ‚Zeitenwende‘. Warum eine resiliente Gesellschaft starke Archive braucht“ von Prof. Dr. Markus Hilgert ab. Seine Kernaussage fand große Zustimmung im Saal und wurde zugleich als Auftrag verstanden. 
 
Deutscher Archivtag 2024, Eröffnungsveranstaltung im Congress Centrum Suhl, Großer Saal, 08.10.2024
 
Einige Zusatzangebote ergänzten das Fachprogramm. Besonders hervorzuheben sind die Führungen durch das Stadtarchiv Suhl, die Frau Raute vorgenommen hat. Sie gab uns auf eine spannende sowie fundierte Weise Auskunft über die Geschichte der Stadt, des Archivs und der baulichen Veränderungen in seiner direkten Umgebung. Auch stellte sie die Bestände vor, zeigte exemplarisch ein paar Archivalien und beantwortete alle Fragen aus der Runde. Die Arbeitsstätte der Buchbinderin war sicherlich ein Highlight dieser Führung. Weitere Informationen zum Stadtarchiv Suhl stellt das Archivportal Thüringen zusammen.
 
Das Bundesarchiv brachte eine Besonderheit nach Suhl mit: einen Notfall-Anhänger, wie es ihn an verschiedenen Dienststellen gibt. Die Mitarbeitenden vermittelten uns die Basisdaten und erläuterten die Ausstattung des Anhängers. In seinem Fachreferat (Sektion „Internationaler Austausch“) unterstrich Ralf Jacob die Bedeutung von Notfallvorsorge und regelmäßigen Übungen sowie Auffrischungen, denn – wie überall – geht im Ernstfall dann wertvolle Zeit verloren, wenn die Mitarbeitenden eine Ausnahmesituation ohne Vorwissen und das richtige Material bewältigen müssen. Vielleicht bietet die Erinnerung an das Thema einen Anlass, Übungen zugunsten kleinerer Einrichtungen auch außerhalb der Notfallverbünde zu organisieren, etwa auf großen Treffen wie dem Archivtag.
 
Einen gehaltvollen Austausch unter Kolleg:innen bot das thematisch breit aufgestellte ArchivCamp vom „Arbeitskreis offene Archive“ des VdA. Das Format ähnelt einem Workshop und setzt dezidiert auf die Partizipation der Teilnehmenden. Nach der Kurzvorstellung eines Projektes oder einer in den Raum geworfenen Frage/ Problem/ Idee sind alle zu einer gemeinsamen Diskussion aufgefordert. Auf diese Weise entsteht ein wertvoller Erfahrungs- und Perspektivenaustausch in den Sessions. Die angesprochenen Themen waren unter anderem Digitalisierung, Erschließung durch Hilfskräfte sowie Mentoring. Über Aktuelles kann man sich über den Blog des Arbeitskreises informieren.
Fachgruppe 3 des VdA: Kirchliche Archive
Zum Ausklang des zweiten Abends lud die Fachgruppe zu einem Empfang ein. Neben den Vorständen, Dr. Michael Häusler und Dr. Christoph Schmider, richteten noch Dr. Jan Lemke, der Präsident des Landeskirchenamtes, und Dechant Stephan Burmeister vom Dekanat Meiningen ihre herzlichen Grußworte an die Gäste. Hiernach war das Buffet eröffnet und es fand ein reger Austausch in gemütlicher Atmosphäre statt.
Am Vormittag des Folgetages fanden die Sektionen der Fachgruppen parallel zueinander statt. Bei den kirchlichen Archiven sprachen erst zwei Referenten, anschließend folgte die „Aktuelle Stunde“ mit Neuigkeiten aus den anwesenden Häusern.
 
Dr. Henning Pahl (EZA, Berlin) stellte einen pragmatischen Lösungsweg vor, wie Digitalisate ohne einen erdrückenden zeitlichen und finanziellen Aufwand online gestellt werden können. Der Grundgedanke ist, dass Archivgut nach Möglichkeit im Internet verfügbar sein sollte, dabei aber nicht zwingend in hochauflösender Form und in Farbe. Für die online Benutzungskopien darf es eine eigens programmierte und dennoch einfache Lösung sein. Die Suche läuft über die Rechercheplattform QUERY; wenn es Digitalisate zu einer Archivalie gibt, wird der entsprechende Link in der Verzeichnungsinformation angezeigt.
 
Tony Franzky (EAF) sprach über die Möglichkeiten und die Schwierigkeiten bei der Websitearchivierung. Im Zentrum standen besonders die fachlichen Anforderungen für eine authentische, integre und valide Überlieferungsbildung von Webseiten. Auch die gängigen Methoden zur Sicherung wie Crawling, Screenshotting und Screencasting, Vollkopie oder Datenbankschnitt kamen mit Vor- und Nachteilen zur Sprache. Am Ende wurde für eine multimodale Strategie plädiert, da es derzeit noch keine allumfassende Gesamtlösung gibt.
Ausblick
Der 92. Deutsche Archivtag wird unter dem Rahmenthema „Digitalisate im Archiv. Positionen, Prozesse, Perspektiven“ vom 7. bis 9. Oktober 2025 in Fulda stattfinden. Der Call for papers dazu läuft noch bis zum 31.10.2024; weitere Informationen dazu finden Sie hier.
 
Sarah Mammola und Tony Franzky