Der diesjährige 7. Berliner Archivtag fand am 20.11.2024 unter dem Thema "KI im Archiv - Chance oder Risiko?" statt. Zentrale Themen waren die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für die archivische Arbeit und die Potenziale im Bereich der Automatisierung und Rationalisierung.
Dass dieses Thema am Puls der Zeit liegt, zeigte sich auch an der Zahl der Teilnehmer:innen: über 300 Archivar:innen waren angemeldet. Dr. Torsten Musial, Vorsitzender des Landesverbandes, verglich dies scherzhaft mit dem nahe gelegenen Berghain, der bekanntlich härtesten Tür Berlins, und bedauerte sehr, dass nicht alle Teilnahmewünsche berücksichtigt werden konnten.
Und obwohl Freiburg außerhalb des Archivsprengels des Landesarchivs Berlin liegt, war auch ein Vertreter der EAF zum Landesarchivtag nach Berlin gereist. Nicht zuletzt deshalb, weil das Thema KI in Archiven neben Digitalisierung und digitaler Kompetenzbildung eines der wichtigsten und drängendsten der nächsten Jahre sein wird und keine Landesgrenzen kennt.
Nach Grußworten des Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin im VdA und des Vorsitzenden des Ausschusses für Kultur, Engagement und Demokratie des Abgeordnetenhauses von Berlin, Peer Mock-Stürmer, begann der inhaltliche Teil der Veranstaltung.
Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Matteo Valleriani vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Er skizzierte einige aktuelle Forschungstrends im Bereich der digitalen Geschichtswissenschaften, insbesondere im Bereich der Analyse historischer, astronomischer Drucke und ihrer inhaltlichen Verbindungen. Ein Thema, das mit Blick auf die historische Netzwerkanalyse und die historische Forschung zu Wissensnetzwerken am Puls der Zeit liegt.
Es folgte das erste Panel zu rechtlichen und ethischen Aspekten der KI. Dieses wurde von Philip Gorki moderiert und mit Fachbeiträgen von Prof. Dr. Paul Klimpel (iRights) und Prof. Dr. Jessica Heesen (Universität Tübingen) untermauert.
Welche Archivbestände mit SBZ/DDR-Provenienz befinden sich in Berliner Archiven?
Wie sind diese Bestände überliefert?
Welche Maßnahmen zur Bestandserhaltung, Erschließung und Digitalisierung wurden seit 1990 durchgeführt?
Wo sehen Archive aktuellen Handlungs- und Unterstützungsbedarf?
Anschließend stellten Nico Beyer und Felix Gericke das Tool EMILiA zur E-Mail-Archivierung vor, das am Max-Planck-Institut und an der Freien Universität Berlin entwickelt wurde und derzeit im Rahmen des Förderprogramms „ProValid“ der Investitionsbank Berlin gefördert wird.
Daraufhin wurde der VdA-Landesvorstand Berlin gewählt.
Nach Beendigung der Mittagspause und der Möglichkeit des individuellen Austausches widmete sich das zweite Panel am Nachmittag vor allem den praktischen Anwendungsfeldern von Künstlicher Intelligenz im Archivwesen. Nach einem Überblick von Dominic Eickhoff (LWL.Archivamt) stellten Karen Tieth und Stefan Geiser einige Aspekte des Einsatzes von Algorithmen im Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz vor. Es folgte ein Einblick von Esther Lemmerz in ein Digitalisierungsprojekt im Bundesarchiv, das sich vor allem mit der Datenextraktion aus formularisierten Karteikarten beschäftigte. Der letzte Vortrag des Panels zeigte einige Aspekte von KI Anwendung im Deutschen Rundfunkarchiv. Hier sprachen Alexander Wolff und Johanna Bars über die Automatisierung der Erschließung von Video- und Tondokumenten, beispielsweise Musikerkennung und automatisierte Transkription oder bildbasierte Suche in Videobeständen.
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion mit Herrn Eickhoff, Frau Heesen und Herrn Klimpel, die von Herrn Dr. Mathias Bucholz (Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) und Frau Rebecca Hernandez-Garcia (Robert-Havemann-Gesellschaft/Archiv der DDR-Opposition) moderiert wurde.
Weitere Informationen zur Veranstaltung und den Vortragenden finden Sie auf den Seiten des Berliner Archivblogs und dem Flyer zur Veranstaltung. Allen Kolleginnen und Kollegen sei an dieser Stelle nochmals für die großartige Organisation, zahlreiche Teilnahme sowie die spannenden Diskussionen gedankt. Sowohl die Themenauswahl als auch die Mischung aus Theorie und Praxis waren überaus bereichernd! Wir freuen uns schon auf den nächsten Berliner Archivtag 2025!