Zahlen, Statistik und Deutungen
27.03.2025 |
Ein wichtiger Schritt ist nun die Kontextualisierung der Werte und der Blick auf ihre Entstehung. Dadurch werden sie nachvollziehbar und aussagekräftiger. Das Benutzungsgesuch wird beim ersten Besuch im neuen Jahr ausgefüllt und, sofern sich das Anliegen nicht ändert, kann dieselbe Person bis Ende Dezember ein, drei, zehn Mal oder jede Woche im EAF gewesen sein. Die Anzahl der Benutzungsgesuche bildet also nicht die Menge der tatsächlichen Besuche ab (wie eine Anwesenheitsliste), sondern allenfalls das Minimum der gesicherten Besuche.
Außerdem müssen manche Personen gar kein Benutzungsgesuch ausfüllen. Ausgenommen sind beispielsweise unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung, die in ihrer Dienstzeit schnell ins EAF kommen und Akten zur Klärung einer Sache einsehen müssen; sie füllen kein Formular aus und werden nicht in der Statistik abgebildet. Zumeist führen wir auch bei Paaren, die etwa zur Ahnenforschung da sind, die Namen auf einem Bogen zusammen. Schließlich fehlen noch die Schulklassen und Seminargruppen, die mit ihren Lehrkräften zur Arbeit mit Archivmaterial in unserem Lesesaal sitzen.
Die Zahlen in Erhebungsbögen oder Statistiken bilden eine Momentaufnahme und einen Ausschnitt ab, werden gerne sehr ernst genommen, manchmal sogar überbewertet. Wir haben ein paar Zahlen zum EAF zusammengetragen und möchten daran exemplarisch aufzeigen, wie leicht man zu voreiligen Schlüssen kommen kann. Auch wollen wir eine Übersicht darüber bieten, zu welchen Themen und Fragen unser Archivgut überhaupt Umfragen und statistische Erhebungen bereithält.
Benutzung des Archivs
Zum Thema Archivnutzung entstehen zwei Zahlen pro Kalenderjahr: (1) die Benutzungsgesuche, entsprechend der Anzahl ausgefüllter Formulare, und (2) die angelegten Vorgänge in unserem Dokumentenmanagementsystem (DMS) auf Basis der Anfragenden per Post oder E-Mail. Über die Funktionsweise und Verwendung des DMS haben wir bereits in einem Blogartikel berichtet. Die bloßen Zahlen aus einem Jahr sind wenig aufschlussreich. Es braucht also eine Abfrage über mehrere Jahre hinweg. Dadurch stellt man Bezüge her, erkennt Trends oder Veränderungen.
Auf den ersten Blick lässt sich ablesen, dass die Benutzungsgesuche im EAF mit dem Beginn der Corona-Pandemie abnahmen und das Spitzenniveau von 2019 nicht mehr erreichten. Der Trend alleine könnte alarmierend wirken. Ist es ein situationsbedingter Rückgang? Besteht Handlungsbedarf bei einer länger fallenden Tendenz? Verliert das Archiv gar an Bedeutung? Eine ganze Reihe an Fragen könnte an diesem Punkt gestellt werden – nur die Antworten sind dann doch komplexer und erfordern mehr Hintergrundinformationen.
Ein wichtiger Schritt ist nun die Kontextualisierung der Werte und der Blick auf ihre Entstehung. Dadurch werden sie nachvollziehbar und aussagekräftiger. Das Benutzungsgesuch wird beim ersten Besuch im neuen Jahr ausgefüllt und, sofern sich das Anliegen nicht ändert, kann dieselbe Person bis Ende Dezember ein, drei, zehn Mal oder jede Woche im EAF gewesen sein. Die Anzahl der Benutzungsgesuche bildet also nicht die Menge der tatsächlichen Besuche ab (wie eine Anwesenheitsliste), sondern allenfalls das Minimum der gesicherten Besuche.
Außerdem müssen manche Personen gar kein Benutzungsgesuch ausfüllen. Ausgenommen sind beispielsweise unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung, die in ihrer Dienstzeit schnell ins EAF kommen und Akten zur Klärung einer Sache einsehen müssen; sie füllen kein Formular aus und werden nicht in der Statistik abgebildet. Zumeist führen wir auch bei Paaren, die etwa zur Ahnenforschung da sind, die Namen auf einem Bogen zusammen. Schließlich fehlen noch die Schulklassen und Seminargruppen, die mit ihren Lehrkräften zur Arbeit mit Archivmaterial in unserem Lesesaal sitzen.
Bei den angelegten Vorgängen zu den Anfragen geht es in eine ähnliche Richtung. Wenn Person A innerhalb eines Jahres fünf E-Mails zu fünf verschiedenen Angelegenheiten stellt, werden diese fünf Einzelanfragen demselben Vorgang, also Person A, zugeordnet. In die Statistik fließt also ein Zahlenwert von 1 ein.
Die kombinierte Betrachtung beider Schaubilder deutet auf den ersten Blick an, dass eine Verlagerung vom Besuch vor Ort hin zur Anfrage per E-Mail oder Brief stattfand.
Aussagewert und Grenzen der Zahlen
Die genannten Werte wurden zu einem bestimmten Zweck erhoben und geben auf manche Fragen schlicht keine Antwort. Sich eingehender mit dem Entstehungskontext zu befassen, ist daher ein mindestens genauso wichtiger Teil der Arbeit wie die Auswertung. Selbst die ein oder andere Deutung mag eher mit Vorsicht formuliert werden. Wie eben dargestellt, spiegeln die jährlichen Nutzungsgesuche und Vorgänge nicht die tatsächliche Nutzung des EAF wider. Auch wird man daran nicht ablesen können, wie groß das Interesse an den Beständen oder an der Einrichtung selbst ist, denn für ein solches Unterfangen wäre eine qualitative Herangehensweise unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Aspekte nötig.
Für belastbare Ergebnisse im Umgang mit Zahlen gilt ganz allgemein, dass methodische Kenntnisse der Statistik Anwendung finden sollten. Ungeachtet der oben exemplarisch skizzierten Schwierigkeiten bieten die vorhandenen Daten durchaus viel Erkenntnispotenzial, wenn sie um weitere Informationen angereichert werden. Außerdem können sie den Ausgangspunkt bilden, von dem aus anderen Fragen nachgegangen wird, etwa weil sie Verwunderung auslösen und man sich dann auf die Suche nach Erklärungen begeben möchte.
Auswahl an Archivalien im EAF für statistische Untersuchungen
- Die meisten Erhebungsbögen finden sich im Bestand B2, Erzbischöfliches Ordinariat, unter der Rubrik „49. Statistik“. Exemplarisch seien daraus genannt:
- B2-49-16, Kirchliche Statistik für das deutsche Reich. Erhebungen. Ergänzungen der Fragebögen, Vol. 1, 1909-1913
- B2-49-17, Kirchliche Statistik für das deutsche Reich. Erhebungen. Ergänzungen der Fragebögen, Vol. 2, 1914-1916
- B2-49-18, Kirchliche Statistik für das deutsche Reich. Erhebungen. Ergänzungen der Fragebögen, Vol. 3, 1917-1945
- B2-49-30, Statistik der gemischten Ehen. Beilagefaszikel, 1887-1908
- B2-49-33, Statistik der caritativen Vereine und Anstalten, 1934
- B2-49-33a, Statistik der kirchlichen Stiftungen, 1861-1912
- B2-49-36, Schulstatistik, 1910
- B2-49-37, Statistik über die Kinderhorte, Vol. 1, Dekanate Breisach bis Lahr, 1914
- B2-49-38, Statistik über die Kinderhorte, Vol. 2, Dekanate Lauda bis Stockach, 1914
- B2-49-39, Statistik über die Kinderhorte, Vol. 3, Dekanate Stühlingen bis Hohenzollern Veringen, 1914
- [gesammelt] B2-49-102 bis B2-49-159, Kirchliche Statistik des deutschen Reiches nach Dekanaten geordnet, Zählbogen A und B [1895-1946]
- Erhebungsbögen wie in B2 wurden im Nachfolgebestand B2-1945 fortgeführt, dann unter veränderter Benennung in der Rubrik „9. Statistiken“. Hieraus wäre zu nennen: [gesammelt] B2-1945/2589 bis B2-1945/2614, Allgemeines, Bogen B [1949-1974].
- Des Weiteren gibt es Erhebungsbögen „Bestandsanzeige von Metallgegenständen“, nach Dekanaten geordnet. Es sind dies die 62 Faszikel, Bestand Nachlass Ginter VII.
- In den Dekanaten und Pfarrarchiven findet sich die Rubrik „17. Kirchenvisitationen und Statistik“, welche ebenfalls Fragebögen und ähnliches Material bereithalten kann.
Sarah Mammola


