Was macht ein/e Archivar:in? – Heute: Bestandserhaltung
31.07.2025 |
Bestandserhaltung ist eines der wichtigsten Tätigkeitsfelder eines Archivars/ einer Archivarin. Heute geben wir einen kleinen Überblick, was dieses doch sehr große Wort alles beinhaltet.
Klassischerweise sollen Archive Kultur- und Schriftgut über einen langen Zeitraum hinweg aufbewahren und vorhalten können. Die eingelagerten Archivalien, wie Akten oder Urkunden, sollen zukünftigen Generationen von Forschenden oder Interessierten so zur Verfügung stehen, wie sie damals eingelagert wurden. Um dies zu erreichen, müssen verschiedene Aspekte gegeben sein. Man unterscheidet dabei verschiedene Bereiche, die im Archiv die Bestandserhaltung gewährleisten.
Passive und vorbeugende Maßnahmen
Dies sind Maßnahmen, die – anders als der Name vermuten lässt – ein hohes Maß an Vorbereitung und Aufwand erfordern. Zu diesen bestandserhaltenden Maßnahmen gehört beispielsweise, dass es einen geeigneten Magazinraum gibt, der bestimmten baulichen Anforderungen entspricht. Beispielsweise sollten sich keine Wasserleitungen im Raum befinden, es muss ein Brandschutzkonzept und Schutzvorrichtungen gegen Einbruch oder Vandalismus vorhanden sein und die geografische Lage sollte vor Natur- und Umweltkatastrophen geschützt sein. Ein Archivbau am Hang eines aktiven Vulkans, in Überschwemmungsgebieten oder neben einer Tankstelle ist daher bestenfalls zu vermeiden.)
Zudem umfassen die passiven Maßnahmen ein regelmäßiges Monitoring von Schädlingen, Klimawerten im Haus sowie Messungen von Schimmel- und mikrobakteriellen Belastungen. Ebenso wichtig sind eine Reduktion des Lichteinfalls (z. B. UV-Strahlung), eine allgemeine Magazinhygiene und ein Notfallplan für den Havariefall.
Eine Klebfalle zum Monitoring von möglichen Schädlingen im Magazinraum. Aufgenommen 11/2022.
Gerade die bedarfsgerechte Klimatisierung spielt eine wichtige Rolle. Ein geeignetes Raumklima kann beispielsweise die Ausbreitung möglicher Schädlinge hemmen und altersbedingte chemische Verfallsprozesse verlangsamen. Dies kann je nach Archivalienart sehr unterschiedlich ausfallen. So sind für Fotografien sehr niedrige Temperaturen und eine relative Luftfeuchtigkeit von 15 % durchaus akzeptabel. In Leder eingebundene Handschriften hingegen benötigen zur Schonung des Leders eine höhere Luftfeuchtigkeit.
Aktive und konservatorische Maßnahmen
Dies umfasst das gesamte Bündel an Verfahren, die erfüllt sein müssen, damit Archivgut im Archiv eingelagert werden kann. Da es sehr viele verschiedene Archivalienarten gibt, sind auch die Maßnahmen sehr vielfältig. So müssen Archivalien beispielsweise unter Umständen zunächst in Quarantäne, um das ungewollte Einschleppen von Schädlingen oder Schimmelsporen zu verhindern. In einigen Fällen sind Behandlungen wie Trockenlegen, Schockfrosten, Bestrahlen, Begasen, mechanische Reinigung, oder Geruchsneutralisation sinnvoll. Zudem erfolgt in der Regel eine oberflächliche Reinigung und gegebenenfalls eine Neuverpackung des Archivguts in eine schmutz-, säure- und schimmelbeständige Verpackung. Dabei werden auch Metall (Rostgefahr) sowie Plastik und Kleber (Verklebungsrisiko durch Weichmacher) entfernt. Manchmal müssen auch Einzelstücke restauriert oder neu gebunden werden. Gerade bei Papierarchivalien kann eine Entsäuerung oder die Anfertigung einer Schutzkopie von Thermo-, Fax- oder Durchschlagspapier erforderlich sein.
Quarantänisierter Bereich mit doppelseitigem Klebeband.
Bestandspflege und Sorgsamer Umgang
Nachdem sowohl präventive als auch konservatorische Maßnahmen durchgeführt wurden, ist es notwendig, alle Archivalien zu erfassen und eine Wiederauffindbarkeit und Suchbarkeit zu gewährleisten. Zudem müssen Schutzfristen (z. B. aufgrund von Persönlichkeitsrechten) und andere Bestimmungen verwaltet werden. Auch der Gebrauch der Archivalien im Lesesaal sollte geregelt und gesichert werden (z. B. durch eine Nutzungs- oder Lesesaalordnung).
Trotzdem kann es natürlich passieren, dass sich Archivalien abnutzen oder beschädigt werden. Zur Bestandspflege gehört deshalb auch die Erneuerung von Aktendeckeln, gerissenen Schnüren und Ähnlichem. Bei stark frequentierten oder sehr fragilen Archivalien ist es aus konservatorischen Gründen manchmal auch nötig, Schutzmedien, Repliken oder Digitalisate anzufertigen. Dadurch sind die Archivalien zugänglich, werden aber geschont. Auch hierbei ist ein gleichermaßen behutsames und beschädigungsfreies Vorgehen wichtig.