Quadratisch, praktisch, verpackt?
20.08.2025 |
Zur Aufbewahrung der Archivalien im EAF
Im Gegensatz zu Büchern verfügen viele unserer Akten über keinen festen Einband, stabilen Deckel oder Rücken. Auch sind die einzelnen Blätter meist unterschiedlichen Formats und über die Oberrandlochung mit einem Faden zusammengebunden, sodass man hier optisch weit entfernt von einem normierten Buchblock ist. Für ihre Aufbewahrung bedeutet dies, dass eine Akte nicht auf die gleiche Weise in ein Regal geräumt werden kann wie es bei einem Buch möglich wäre. Warum es kein normaler Karton sein sollte und was denn stattdessen genutzt wird, erklären wir in diesem Beitrag.
Die Anforderungen für Archivverpackungen sind besonders hoch. Das liegt zum einen daran, dass sich der Fachbereich Archiv weiterentwickelt hat und mehr Wissen über Schadensquellen sowie Schutzmechanismen bekannt ist. Zum anderen dient die Verpackung ganz grundsätzlich und vorrangig dem Zweck, das darin aufbewahrte Archivgut zu schützen und für die Ewigkeit im bestmöglichen Zustand zu erhalten. Offensichtlich waren die Menschen in der Vergangenheit in der Lage, ihr Schriftgut ohne unsere heutigen DIN ISO Vorgaben durch die letzten Jahrhunderte zu bekommen. Wir sehen aber nur das, was noch überliefert ist, und können nicht einschätzen, was schon einmal da war und wegen starker Regenfälle, Schimmels, eines Erdrutschs, Feuerausbruchs oder Gebäudeeinsturzes unwiederbringlich verloren ist.
Zu den gängigen Standards gehört, dass die Mappen und Kartons aus säurefreiem Material sind, Lichtschutz bieten und keine korrodierenden Stoffe (z. B. Metall) enthalten. Für die Kartons ist außerdem wichtig, dass sie eine hohe Belastbarkeit aufweisen und eine gewisse Luftdurchlässigkeit erlauben, damit die einmal eingedrungene Feuchtigkeit nicht im Behälter gespeichert bleibt. Die gängigen Büromaterialien entsprechen den archivfachlichen Ansprüchen nicht, weshalb im Zuge der Erschließung und Verzeichnung auch immer eine Umverpackung geleistet wird. Es gibt für nahezu alle Formen eine passende Verpackung. Ein Blick ins Materiallager im EAF zeigt eine Auswahl der bei uns genutzten Möglichkeiten:
Neben dem Material hat sich über die Jahre auch die Ausrichtung der Lagerung geändert. Früher wurden bevorzugt Stehkartons genutzt. Wenn diese allerdings nicht komplett gefüllt sind, verbiegen sich die darin enthaltenen Akten. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Stehkartons zwar für Folioblätter geeignet sind, für einzelne Faszikel aber auch zu kurz sein können. Die Papierherstellung kannte lange Zeit keine Normlänge und wusste nicht, dass sie für eine spätere Verpackung praktischer wäre - in der Archivarbeit ist man den Umgang mit Vielfalt und Ausnahmefällen aber bestens gewohnt. Der Wechsel vom Stehkarton zu einer liegenden Lagerung löste das Problem der teilweise hineingezwängten Akten. Auch Archivmappen finden darin Platz.
Die Verpackungen gehören zu den Maßnahmen der Bestandserhaltung, die zum Schutz sowie zum dauerhaften Erhalt der Archivalien ergriffen werden. Der Aufwand und die höheren Kosten für den Spezialbedarf lohnen sich: bei Havarien zeigte sich in der Vergangenheit, dass verpacktes Material in Archivboxen dem Wasser länger standhalten konnte. Wie sich die unterschiedlichen Verpackungen und Ablagesysteme verhalten, wurde im direkten Vergleich bei der diesjährigen Notfallübung ebenfalls deutlich.
Sarah Mammola
Literatur
Mario Glauert: Verpackungen für Archivgut. Empfehlungen der Archivreferentenkonferenz, ausgearbeitet vom Bestandserhaltungsausschuss der ARK, in: Archivar 64 (2011/H. 1), S. 57-62.



