Angeln im Archivmagazin: Fischchen (Zygentoma) erkennen
26.09.2025 |
Eine kleine Erkennungshilfe
Zygentoma sind seit einigen Jahren immer stärker auf dem Vormarsch. Am bekanntesten in der Archivwelt sind wohl die sogenannten "Papierfischchen". Jedoch gibt es in Mitteleuropa bereits sechs heimische Arten und im Zuge des Klimawandels werden wohl noch einige dazukommen. Im Folgenden daher eine kleine "Erkennungshilfe".
Klassifikation
Die Unterklasse der Zygentoma, die auch als „Fischchen“ bekannt ist, gehört zur Klasse der Insekten und umfasst über 470 Arten in fünf Familien (Lepidotrichidae, Lepismatidae, Maindroniidae, Nicoletiidae und Protrinemuridae). Die wohl „gefürchtetste“ Art für Archive und sonstige schriftgutzentrierte Kultureinrichtungen ist das Papierfischchen (Ctenolepisma longicaudata) aus der 18 Gattungen umfassenden Unterfamilie der Ctenolepismatinae. Dies ist jedoch nicht das einzige in Mitteleuropa vorkommende Zygentom. Insgesamt wurden mittlerweile (Stand 2025) sechs Fischchenarten nachgewiesen. Der neueste Nachweis erfolgte 2017 in Chemnitz, seit dem hat sich das Geisterfischchen rasant weiterverbreitet. Die in dieser Region verbreiteten Zygentoma sind (sortiert nach ihrer Erstbeschreibung):
Zygentoma leben in unseren Breiten fast ausschließlich synanthrop. Das einzige in Mitteleuropa in der freien Wildbahn vorkommende Fischchen ist das Ameisenfischchen, das, wie der Name vermuten lässt, vor allem in Ameisennestern zu finden ist. In Südeuropa gibt es noch einige Dutzend andere Arten, darunter das Riesensilberfischchen (Squamatinia algharbica), das vornehmlich in den Höhlen der Algarve vorkommt. Aufgrund des Klimawandels und des globalen Handels ist davon auszugehen, dass zukünftig weitere Arten ihren Lebensraum weiter nach Norden verlagern werden. Im Kulturbereich gelten sie als Schädlinge, da sie sich von Zucker, Stärke proteinhaltige Klebstoffen und allen Arten von Cellulose (Papier, Tapete, Fotografien), aber auch teilweise Textilien ernähren. Dadurch können immense Fraßschäden in Schrift- und Kulturgut entstehen.
Fischchen sind weltweit verbreitet, gelten als „Urinsekten“ und bevölkerten bereits vor 250 bis 300 Millionen Jahren die Erde. Somit zählen sie zu den ältesten noch existierenden Insektenarten. Sie können eine Größe von bis zu 10 cm (inklusive Antennen und Schwanzanhänge) erreichen, wie das Riesensilberfischchen, und sind mit Geschwindigkeiten von bis zu drei Metern pro Sekunde recht schnell.
Unterscheidungsmerkmale
Wissenswertes
In der Taxonomischen Systematisierung von Fischchen benannte Carl von Linné, der 1758 seine Erstbeschreibung fälschlicherweise als feminin (Lepisma saccharina), obwohl das griechische Wort lepisma (λέπισμα, „Schuppe“) sächlichen Geschlechts (Neutrum) ist. Dies sorgte lange Zeit für Verwirrungen.
Papierfischen können bis zu 300 Tage ohne Nahrung auskommen. Wasser wird aus der Luftfeuchtigkeit aufgenommen, weswegen die Tiere auch nicht trinken müssen.
Die Bezeichnung „Fischchen“ kommt vermutlich von der gut erkennbaren Beschuppung und der eher „wellenartigen“ Fortbewegungsweise, die an Fische erinnert.
Bill Landsberger et al., Neuer Materialschädling in der Kulturlandschaft. Papierfischchen breiten sich in Museen und Depots aus. Restauro 2/2017, S. 14–19
David Pinniger et al., Handbuch integriertes Schädlingsmanagement in Museen, Archiven und historischen Gebäuden, Berlin 2016