Vom Deutschen Archivtag 2025 in Fulda
16.10.2025 |
Eine Rückschau
Das Gelernte, Gehörte und Besprochene aus drei Tagen "92. Deutscher Archivtag" in einer einigermaßen gut lesbaren (Kurz-)Fassung wiederzugeben ohne sich in Details und zu langen Ausführungen zu verlieren, überlassen wir gerne anderen Kolleginnen und Kollegen. Wir lenken stattdessen den Fokus auf zwei, drei Dinge, die wir aus den vielen Beiträgen und Nebengesprächen mitnehmen. Hier gibt es also eine etwas knappere Rückschau zum diesjährigen Treffen in Fulda.
Der AK Offene Archive
Ein niederschwelliges Angebot bietet der Arbeitskreis Offene Archive (> zum Blog des AK). Hier werden neuere Gesprächsformate ausprobiert (Fishbowl, Archivcamp) und die Wortmeldungen der einzelnen Teilnehmenden sind ausdrücklich erwünscht. Der kollegiale Austausch lebt von der Bereitschaft aller, ihre Erfahrungen zu teilen, Fragen an die Runde zu stellen, Wissen weiterzugeben, Einblicke in best practices zu gewähren oder eben auch Scheitern zu thematisieren. In der diesjährigen Fishbowl gab es nach der Begrüßung und einem Infoblock zwei Schwerpunkte: erstens die Rolle der Archive für die Demokratie, zweitens die Digitalisierung in kleineren und mittleren Archiven.
Im Grunde waren sich alle einig, dass Archive für eine funktionierende Demokratie von großer Bedeutung sind, so wie es kürzlich in der Fuldaer Erklärung des VdA Gesamtvorstands formuliert worden ist. Ein Kollege berichtete von einer sich ankündigenden Zusammenlegung von zwei Kreisarchiven; zum einen aus Kostengründen, zum anderen weil den Entscheidern der Nutzen der Kultureinrichtung nicht klar ist oder sie ihnen (im wahrsten Sinne) das Geld nicht wert ist. Ohnehin dürften Budgetkürzungen in der Runde nicht unbekannt sein, ebensowenig die Forderung, doch einfach alles zu digitalisieren.
Wie man es mit den eigenen finanziellen und personellen Mitteln allerdings schaffen kann, den Erwartungen gerecht zu werden und überhaupt als wichtiger Faktor für Demokratie wahrgenommen zu werden, wird jedes Archiv für sich selbst herausfinden müssen. Eine Hilfestellung für projektbezogene Demokratiearbeit bieten Förderprogramme, beispielsweise die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Auch kamen aus dem Plenum ein paar Ideen für öffentlichkeitswirksame Aktionen, Formate und Veranstaltungen: Podcast, Blog, Ausstellungen, Beteiligung am Format „Lange Nacht der Demokratie“, Zusammenarbeit mit lokalen Stadträten, Podiumsdiskussionen, Kooperationen mit Schulen usw.
AK Archivpädagogik und historische Bildungsarbeit
War der Bedarf an Ideen nach der Fishbowl Runde noch nicht gedeckt, wussten die Kolleginnen und Kollegen vom Arbeitskreis Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit noch einige Optionen zu benennen. Beeindruckend war sicherlich der Beitrag des Stadtarchivs Chemnitz vor und während des Status der Stadt als Kulturhauptstadt Europas 2025. Neben Führungen und Veranstaltungen des Archivteams gab es auch Projekte mit Bürgerbeteiligung. Die History of citizens beleuchtete persönliche Erfahrungen und brachte mehrere Generationen sowie Länder zusammen. In einem anderen Projekt erstellten Schulkinder einen Stadtplan, der prägende Gebäude für das Stadtbild näher vorstellt; dazu suchten sie alte wie neue Fotos heraus und verfassten kurze Erklärtexte.
Wer die Ressourcen für projektbezogenes Arbeiten nicht aufbringen kann oder möchte, kommt auch mit weniger Einsatz zu sichtbarem Output. Jan Hoffrogge aus Münster listete ein paar lohnenswerte Maßnahmen auf:
- Quellen online stellen: auf diese Weise können Lehrkräfte sie finden und in ihren Unterricht einbauen. Wiederkehrende Themen sind der Erste Weltkrieg, die NS-Zeit, die DDR. Als Medien eignen sich vor allem die, die für eine größere Öffentlichkeit gedacht waren, d. h. Zeitungen, Rundschreiben, Erlasse, Fotos.
- Themenblöcke auf der Homepage aufbereiten: wenn die Seite nach Themen sortiert ist, gewinnt eine Lehrkraft einen schnellen Überblick und kann vorzeitig planen, für welche Schulstunden überhaupt Archivmaterial vorliegt. Sollten hier bereits (maschinenlesbare) Digitalisate downloadbar sein, umso besser.
- Beteiligung am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten: er findet alle zwei Jahre zu einem bestimmten Thema statt und bietet die Gelegenheit, interessierte Schülerinnen und Schüler an Archive heranzuführen. Wichtig ist hier aber die Eigenmotivation der Kinder und Jugendlichen.
- Interaktive Archivführung mit ausgewählten Stationen für die 6. Klasse: diese Idee bleibt den Kindern sicherlich in Erinnerung, erfordert aber auch die Mitwirkung einer größeren Anzahl von Leuten, denn jede Station sollte doppelt besetzt sein. An den einzelnen Orten (z. B. Lesesaal, Werkstatt, Magazin, Arbeitsplatz) sollten die Kinder immer auch selbst aktiv werden dürfen. Die Möglichkeiten sind vielfältig; vom Quiz mit Multiple Choice, über das Schreiben anhand von Schrifttafeln (Thema Paläografie), die Trockenreinigung (Thema Bestandserhaltung, natürlich anhand von Kassanda) bis zur Zuordnung verschiedener Medienträger auf einem Zeitstrahl (z. B. Urkunde, Glasplatten, Flugblatt, Zeitung, Dia, Mikrofilm, Foto, USB Stick). Im Nachgang empfiehlt sich eine Feedbackrunde, sodass ggf. Nachbesserungen vorgenommen werden können.
Weitere Eindrücke
Nach den vielen Inhalten stellte das musikalische Abendprogramm im Dom St. Salvator eine wohlklingende und willkommene Pause dar.
Freundlicherweise öffneten am Folgetag zwei Kollegen aus dem Bistumsarchiv Fulda die Türen und Magazine ihres Hauses. Der Einblick in andere Archive ist nicht nur spannend, sondern er fördert den kollegialen Austausch.
A propos Austausch: in Sektion 3 - Digitalisierung in der Praxis - des diesjährigen Archivtags kam ein neues Format zum Einsatz, das an die Pecha Kucha angelehnt ist. Passend zum Oberthema "Digitalisate im Archiv. Positionen - Prozesse – Perspektiven" stellten gleich acht Personen in sechsminütigen Kurzbeiträgen vor, was in ihren Häusern gemacht wurde oder wird. Im Anschluss an diesen Durchlauf standen die Kolleginnen und Kollegen an Stehtischen für Gespräche zur Verfügung. Das Format gab Raum und eine fest eingeplante Zeit für Nachfragen, Diskussionen oder auch ein näheres Kennenlernen.
Sarah Mammola
92. Deutscher Archivtag 2025 in Fulda
Mehr zu dieser und den vergangenen Veranstaltungen finden Sie auf den Seiten des Verbands deutscher Achivarinnen und Archivare (VdA)


