Anlass für die „Kriegsberichte“ war ein auf den 17. Mai 1945 datierter Erlass von Erzbischof Conrad Gröber. Adressaten waren die Dekane der 44 damals bestehenden Dekanate, die ihrerseits die Aufforderung an die einzelnen Ortspfarrer weitergeben sollten. Angesichts der in weiten Teilen des Bistums zusammengebrochenen Verkehrsinfrastruktur war dies wohl der am ehesten Erfolg versprechende Kommunikationsweg. Ein Großteil der Berichte ging bereits im Sommer 1945 in Freiburg ein, weitere folgten nach der zweiten oder dritten Aufforderung bis etwa Anfang 1947; manche aber kamen aus unbekannten Gründen nie an – oder landeten zumindest nicht in den Akten des Erzbischöflichen Ordinariats.
Dennoch liegen rund 1.100 Berichte über das Kriegsende und die erste Nachkriegszeit in der Erzdiözese vor. Viele bieten einen Rückblick auf die zwölf Jahre nationalsozialistischer Herrschaft, einige wenige gehen zurück bis in die frühen Jahre der Weimarer Republik. Sehr detailliert und eindrücklich ist oftmals die Schilderung der Bombardierungen, der Kampfhandlungen beim Einmarsch der Alliierten, der Beschädigung oder Zerstörung von Bauwerken – und die Zählung und Benennung der an Leib und Leben geschädigten Menschen. Der Fundus ist deshalb von erheblicher Bedeutung für die Geschichte und die Erinnerung des Erzbistums Freiburg, darüber hinaus aber auch für die Geschichte der Katholischen Kirche in Deutschland insgesamt.
Die einzelnen Berichte sind ähnlich unterschiedlich wie die Struktur der Pfarreien oder die Persönlichkeiten der berichtenden Geistlichen – das vom Erzbischof vorgegebene Raster wurde mitunter sehr individuell und frei interpretiert. Während einzelne Pfarrer sich streng an die Inhaltsgliederung hielten und die gestellten Fragen möglichst exakt und umfassend beantworteten, verfassten andere eine ausführliche Pfarrchronik nicht nur für die Kriegsjahre, sondern für die gesamte Zeit der NS-Schreckensherrschaft und die ersten Nachkriegsmonate; wieder andere scheinen der Meinung gewesen zu sein, dass es keine besonderen Vorkommnisse gegeben habe und daher nichts zu berichten sei.
Sehr große Unterschiede finden sich beispielsweise darin, wie die Priester die nach Kriegsende üblichen Requirierungen beschreiben. Der Pfarrer von Hausach formuliert beispielsweise: „Die einrückenden Marokkaner beraubten einzelne Personen ihrer Uhren und Ringe, auch kamen einige Vergewaltigungen vor, doch nahmen all diese Ausschreitungen kein größeres Maß an, allerdings sind die Hühnerhöfe in der Pfarrei sehr klein geworden.“ Der Pfarrer von St. Märgen hingegen fügte seinem umfangreichen Bericht eine viele Schreibmaschinenseiten umfassende „Aufstellung der Requirierungen von Vieh und Nahrungsgütern vom 24. April bis 1. Oktober 1945“ bei, die er um eine noch umfangreichere, den selben Zeitraum abdeckende „Aufstellung der Requirierungen“ ergänzte, in der von Bargeld über Kraftfahrzeuge, Haushaltswaren aller Art bis hin zu Unterwäsche und Socken offenbar nichts vergessen und alles im Geldwert beziffert ist, der sich auf einen Gesamtbetrag von 113.734 Reichsmark summiert.
Die „Kriegsberichte“ bieten die Möglichkeit, sehen und vergleichen zu können, wie unterschiedlich das Kriegsende – das im Erzbistum Freiburg zwischen Ende März und Ende April 1945 erreicht war – in den einzelnen Gemeinden verlief und auf wie vielfältige Weise es von den Geistlichen wahrgenommen und dargestellt wurde. Die Berichte präsentieren eine Fülle von Fakten zu den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegswochen. Der zeitliche Verlauf lässt sich ebenso nachvollziehen wie die Dauer und Intensität der Kampfhandlungen. Versuche, mit letzten Aufgeboten den Alliierten Widerstand zu leisten, sind ebenso dokumentiert wie mutige Taten von Einzelnen, die eben dies zu verhindern suchten. In den letzten Kriegstagen noch verübte, unsinnige Gräueltaten von SS-Einheiten („Endphaseverbrechen“) wurden von den Geistlichen festgehalten, darunter bekannte wie etwa die Ermordung der Pfarrer Alois Beichert von Oberwittstadt oder Willibald Strohmeyer von St. Trudpert, aber auch solche, die bislang weitgehend unbekannt gewesen sein dürften.
Auch scheinbar unwesentliche Nebenaspekte der Berichte können für manche Fragestellungen von Interesse sein. So wirft der Umstand, dass ein auf den 25. Mai 1945 datierter Brief aus Buchen erst am 13. Juli 1945 im Erzbischöflichen Ordinariat einging, ein erhellendes Licht auf die Zeitumstände nach Kriegsende: „Da Herr K[a]pl[an] Roth, Karlsruhe-St. Bonifaz, in den nächsten Tagen nach Freiburg zu fahren beabsichtigt – der gerade hier vorüber kommt – benütze ich diese Gelegenheit zu einem kurzen Bericht aus dem Kapitel Buchen über die letzten Monate.“ Offenbar hatte der Dekan so wenig Vertrauen in die Post, dass er lieber eine lange Beförderungsdauer in Kauf nahm, als den – von ihm wohl für wahrscheinlich gehaltenen – Verlust auf dem normalen Weg zu riskieren:
Drei Themenbereiche stechen in vielen der Berichte hervor: Zum einen die vielfältigen Funktionen, die der jeweilige Geistliche in seiner Gemeinde während des Kriegs und vor allem nach der Besetzung übernommen hat, zum anderen die Frage der sexuellen Übergriffe zahlreicher alliierter Soldaten, und drittens schließlich die Fliegerangriffe.
Zur Rolle der Pfarrer existiert das geläufige Narrativ, die christlichen Kirchen seien nahezu die einzigen Institutionen gewesen, die die NS-Zeit funktionsfähig überstanden hätten. Die Geistlichen seien daher für die Besatzungsmächte Partner bei Wiederaufbau und Demokratisierung Deutschlands geworden und hätten in der Folge wichtige Positionen in der Politik und in der Gesellschaft eingenommen. Die Berichte bieten die Möglichkeit, dies am Beispiel einzelner Pfarrer und Pfarrgemeinden zu überprüfen.
Das schwierige Thema der sexuellen Gewalt als Mittel der Kriegsführung wird sehr oft angesprochen, teils recht lapidar wie im Bericht aus Hausach, teils sehr detailliert mit (scheinbar) genauen Zahlen, ab und an gar unter namentlicher Benennung der Vergewaltigungsopfer. Die Forschung hierzu, die sich erst in jüngerer Vergangenheit intensiviert hat, könnte durch die Veröffentlichung der Kriegsberichte und die Schilderung der Vorfälle aus Sicht des römisch-katholischen Klerus neue Impulse erhalten.
Die Bombardierungen schließlich sind vor allem in den Städten ein zentrales Thema. Die Berichte aus Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe und Mannheim, den größten Städten des Erzbistums, zeigen, wie unterschiedlich das Ausmaß war. Während Heidelberg die alliierten Luftangriffe mit vergleichsweise geringen materiellen Schäden und rund 240 Opfern überstand, erlebte Freiburg bis März 1945 rund 20 Luftangriffe, wobei allein am 27. November 1944 fast 2.800 Menschen getötet und 80% der Innenstadt zerstört wurden. Noch verheerender waren die Angriffe auf Bruchsal und Pforzheim, wo in Relation zur Einwohnerzahl deutschlandweit mit die meisten Todesopfer zu beklagen waren. In starkem Kontrast dazu steht Konstanz, das aufgrund der Nähe zur Schweiz – die Stadt ist quasi mit Kreuzlingen zusammengebaut – völlig von Fliegerangriffen verschont geblieben ist.
Einige Kriegsberichte wurden bereits an anderer Stelle veröffentlicht, sei es in Ortschroniken, sei es in eigenständigen Publikationen, dabei aber fast immer gekürzt und mehr oder weniger stark bearbeitet. Beispielhaft für eine ungekürzte, wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Veröffentlichung ist die Wiedergabe des sehr umfang- und inhaltsreichen Berichts aus Bombach durch Michael Schonhardt in FDA 133 (2013).
Die Berichte sind teilweise in offensichtlicher Eile geschrieben, anscheinend nicht selten ohne Konzept gewissermaßen aus dem Stegreif, teils von Hand in schwer lesbarer Schrift, teils auf Schreibmaschinen mit abgenutzten Typen und altersschwachen Farbbändern, häufig platzsparend (einzeilig und praktisch randlos) auf schlechtem Papier: Die im FDA ab Band 139 veröffentlichte Edition versucht, möglichst getreulich das wiederzugeben, was der Pfarrer gemeint hatte, so dass nicht nur seine eigenen, gerade bei maschinengeschriebenen Berichten teils sehr zahlreichen Korrekturen übernommen, sondern auch offensichtliche Verschreibungen und Tippfehler zumeist kommentarlos korrigiert wurden.
Die Berichte sind teilweise in offensichtlicher Eile geschrieben, anscheinend nicht selten ohne Konzept gewissermaßen aus dem Stegreif, teils von Hand in schwer lesbarer Schrift, teils auf Schreibmaschinen mit abgenutzten Typen und altersschwachen Farbbändern, häufig platzsparend (einzeilig und praktisch randlos) auf schlechtem Papier: Die im FDA ab Band 139 veröffentlichte Edition versucht, möglichst getreulich das wiederzugeben, was der Pfarrer gemeint hatte, so dass nicht nur seine eigenen, gerade bei maschinengeschriebenen Berichten teils sehr zahlreichen Korrekturen übernommen, sondern auch offensichtliche Verschreibungen und Tippfehler zumeist kommentarlos korrigiert wurden.
Die Wiedergabe der Berichte erfolgt in aller Regel ungekürzt sowie wort- und buchstabengetreu gemäß den seinerzeit geltenden Rechtschreibregeln, trotz der dadurch gelegentlich entstehenden Inkonsistenzen. Gelegentlich wurden, um das Verständnis zu erleichtern, stillschweigend Satzzeichen ergänzt. Kürzungen bzw. Streichungen erfolgten überall da, wo die Persönlichkeitsrechte von im Bericht erwähnten Personen oder die vom kirchlichen Archivrecht gesetzten Schutzfristen offensichtlich verletzt würden, insbesondere bei namentlich genannten Vergewaltigungsopfern. Die Namen von Todesopfern, von Amtspersonen wie Bürgermeistern etc. sowie von NS-Funktionären hingegen wurden beibehalten.
Nicht nur im Hinblick auf Inhalt und Umfang sind die Berichte höchst unterschiedlich, sondern auch rein äußerlich. Manch ein Priester nahm anscheinend einfach das nächstbeste Stück Papier, das er gerade zur Hand hatte, schrieb seinen Bericht unter Verzicht auf Formalitäten und Höflichkeitsfloskeln rasch von Hand nieder und verzichtete womöglich sogar auf die Unterschrift. Andere hingegen verwendeten Papier mit vorgedrucktem Briefkopf und verliehen ihren Berichten durch Siegel und Unterschrift geradezu Urkundencharakter.
Auch bei der Behandlung der Berichte im Erzbischöflichen Ordinariat zeigen sich große Unterschiede: Während manche keine offensichtlichen Bearbeitungsspuren aufweisen, mitunter noch nicht einmal einen Eingangsstempel, lässt sich bei anderen anhand von Vermerken, Datierungen und Handzeichen der Weg nachvollziehen, den sie durch die Behörde genommen haben – nicht wenige lagen, wie sich mittels seiner Paraphe nachweisen lässt, Erzbischof Gröber direkt vor.
Jeder einzelne der Berichte ist auf seine Weise interessant, und sei es nur, weil schwer nachvollziehbar scheint, wie manch ein Priester nach sechs Jahren Weltkrieg meinen konnte, es gebe aus seiner Gemeinde nichts zu berichten. Mag sein, dass diese Geistlichen der Ansicht waren, das ‚Normale‘, also beispielsweise verwundete oder gefallene Gemeindemitglieder, Lebensmittelknappheit, ehemals überzeugte Nationalsozialisten, die niemals welche gewesen sein wollten, sei nicht weiter erwähnenswert. Dass jedoch auch sie als Seelsorger die Opfer und ihre Angehörigen zumeist sehr wohl im Blick hatten, verdeutlich exemplarisch der Bericht aus Sauldorf: „Im Gesamtüberblick sind der Krieg und die Besatzungsepoche an Sauldorf fast kann man sagen spurlos vorübergegangen, abgesehen selbstverständlich von den Gefallenen und Verstümmelten, die zu beklagen sind.“ Ähnlich auch der Bericht aus Heinstetten, der scheinbar nichtssagend beginnt, schon im zweiten Halbsatz klar zwischen direkten Kriegsschäden und ‚Begleiterscheinungen‘ differenziert und schließlich eingehend eine schwere Zeit schildert.
Einige weitere Einzelfälle seien besonders hervorgehoben. So etwa der Bericht aus Lauda, der zugleich einer der umfangreichsten Kriegsberichte überhaupt ist. Er beschreibt in erschütterndem Detailreichtum die teils verheerenden Luftangriffe auf mehrere Züge am vielbefahrenen Eisenbahn-Knotenpunkt Lauda, berichtet anschaulich vom Brand der Kirche und dem Einsturz des Turms und schildert eingehend einen Vergewaltigungsfall bis hin zur militärgerichtlichen Verurteilung des Täters. Während dieser auf Wunsch des Opfers mit dem Leben davonkam, wurden in Ittendorf zwei als Vergewaltiger in flagranti ertappte französische Soldaten kurz darauf standrechtlich erschossen – wobei dahingestellt bleiben muss, ob das Urteil nur deswegen so hart ausfiel und umgehend vollstreckt wurde, weil es Marokkaner waren.
In der kleinen Dorfpfarrei Urnau, die trotz eines Luftangriffs im Sommer 1944 ohne Menschenopfer und größere Sachschäden davongekommen war, fanden Ende April 1945 durch eine bemerkenswerte Kooperation zwischen Pfarrer und Bürgermeister 21 „Sonderhäftlinge“ der SS Zuflucht. „Zum praktischen Dank für diese edle Tat“, heißt es im Kriegsbericht, „wurde die Gemeinde Urnau von allen französischen Besatzungen und Requisitionen frei gelassen.“ Die Berichte aus Mannheim hingegen zeichnen ein sehr eindrückliches Bild davon, wie heftig der Luftkrieg an diesem bedeutenden Industriestandort verlief. Infolge der fast vollständigen Zerstörung ganzer Stadtteile wurden zahlreiche Menschen aus Mannheim evakuiert, was in Berichten aus anderen Pfarreien gelegentlich ausdrücklich angesprochen wird.
Während Plünderungen und Requisitionen durch die Besatzer, insbesondere durch die Franzosen, in nahezu allen Berichten erwähnt werden, werden darüber hinausgehende tatsächliche oder auch nur ‚gefühlte‘ Schikanen kaum jemals so deutlich angesprochen wie im Bericht aus Buchheim: „Täglich mussten ca. 25 Personen zum Kartoffelschälen antreten. Ab Sept. musste jeder Haushalt 5 Liter heisses Wasser zu den aufgestellten Wassertrögen liefern zum Waschen für die franz. Soldaten, usw. usw.“ Einen aufs Ganze gesehen unwesentlichen, aus archivischer Sicht aber sehr interessanten Aspekt liefert der Bericht aus Pfullendorf, wo der Pfarrer ganz am Ende, in einem Nachtrag, berichtet, dass das „Spitalarchiv nach und nach verfeuert“ worden sei – und gleich noch angibt, wo er einen diesbezüglichen Aktenvermerk abgelegt hat: „Akten Generalia, Coll., Archiv No. 5184/1946“.
Dass Vergewaltigungen wie auch gewaltfreie sexuelle Beziehungen natürlich bisweilen zu Schwangerschaften und Geburten, aber auch zu Abtreibungen führten, klingt mitunter mehr oder weniger deutlich an. So etwa im Bericht aus Mimmenhausen, wo der Pfarrer im November 1946 von fünf unehelichen Kindern spricht, die getauft wurden, während er auf Abtreibungen eher verklausuliert hinweist: „Man spricht von 3 Nichtgeborenen.“ Und der Seelsorger von Herdwangen erwähnt zunächst zehn uneheliche Geburten im Jahr 1946, ehe er darüber klagt, „daß eine noch größere Anzahl werdender Kinder ohne hl. Taufe in die Ewigkeit hinüber geschickt“, also wohl abgetrieben worden sei.
Hin und wieder flüchten sich die Berichterstatter in Ironie, sei es angesichts der Niedertracht örtlicher Parteibonzen, sei es wegen des Verhaltens der Besatzer. Etwa dann, wenn ein Pfarrer schreibt, dass außer bei „den Naziagenten“ allgemeine Erleichterung darüber herrschte, „daß die segensreiche Tätigkeit der Nazi zu Ende war.“ Ein anderer Pfarrer macht sich unter der Zwischenüberschrift „Besatzungsfreuden“ über jene Franzosen lustig, die mit „schussbereitem Gewehre […] langsam vordringend das Gelände“ absuchten: „Das Ziel dieser tapferen Mannen waren Hühner, Gänse, Enten und Kaninchen.“ Andere wiederum sprachen sehr deutlich Klartext wie jener Pfarrer, der obendrein einen anscheinend singulären Ausdruck zur Bezeichnung von Kampfflugzeugen fand: „Das letzte Kriegsjahr stand das Dorf wie ganz Deutschland im Zeichen der grausamen Fliegerangriffe. Tag und Nacht kreuzten Schwärme von Mordmaschinen fast ständig am Himmel, und nicht wenige Orte ringsum wurden von ihnen schwer heimgesucht. […] Viele schwärmten für Hitler vor allem deshalb, weil er ihnen jeden Monat Stöße von Papiergeld ins Haus bringen ließ. Um dieses Geldes willen schlossen sie gerne die Augen vor den Gewalt- u. Schandtaten, wie sie dieser incarnierte Satan verübte. Nicht wenige dieser Schmarotzer würden ihm wohl auch heute noch zujubeln, wenn er wiederkäme! Man kann die Charakterlosigkeit der Menschen kaum überschätzen.“
Einer der Pfarrer – Heinrich Magnani aus Hettingen (Dekanat Buchen) – räumt in seinem Bericht mit der weit verbreiteten Schutzbehauptung auf, man habe von den NS-Gräueln nichts gewusst: „1.) Die Judenverfolgung. […] Haben wir das gewußt? Ja, wir haben es ja selbst miterlebt! […] 2.) Das Massensterben in den Anstalten: […] Wußten wir das? Ja, aber nicht in seinem Umfang. […] 3.) Morde an Juden und Polen: […] Nur mit Entsetzen hörten wir die Soldaten davon erzählen, wir wollten es gar nicht glauben, nun aber hören wir über diese Wirklichkeit. 4.) Das Sterben kath. Priester in Dachau und anderswo. […] Jawohl, das konnte das ganze Volk wissen, wenn auch nicht in seinem ganzen Umfang, so doch in seiner grundsätzlichen Planung!“
Wie unterschiedlich die Geistlichen die Aufforderung, Berichte zu schreiben, verstanden, wird in manchen Fällen auch an dem deutlich, was sie über sich selbst, ihr Schicksal und ihr Verhalten schrieben. So erwähnt etwa Pfarrer Hermann Legler aus Leutkirch nur beiläufig in einem Nebensatz, dass er von Hitlers Schergen nach Dachau verschleppt worden war, während sein Mitbruder aus Frickingen mit spürbarer Freude davon berichtet, wie er erst einem SS-Offizier und dann den Franzosen die Freude am Requirieren vergällte, indem er zunächst „dafür gesorgt hatte, daß das Auto nicht fahrbereit war!“ und dann sein Radiogerät „aber ohne Röhren […] abgegeben hatte“.
Christoph Schmider
Sonderdrucke des FDA mit den "Kriegsberichten"
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