Dass Papst Leo XIV gleich in seiner ersten Ansprache von der Loggia des Petersdoms einen besonderen Gruß an seine liebe Diözese Chiclayo in Peru richtet, wo ein gläubiges Volk seinen Bischof begleitet hat, seinen Glauben geteilt und so viel gegeben hat, so viel, um weiterhin die treue Kirche Jesu Christi zu sein, ist für unsere Geschwister in Peru ein kaum fassbares Glück. Die in Momenten besonderen Glücks oft gebrauchte Redewendung „Dios es peruano“ – „Gott ist Peruaner“ scheint sich zu bewahrheiten, denn nun hat Gott uns auch noch einen peruanischen Papst geschenkt, so die bewegte Reaktion aus einer unserer Partnergemeinden in Chiclayo.
Gerade aus Chiclayo, einer Diözese, in der gleich sechs Pfarreien seit teils über 30 Jahren partnerschaftlich mit Gemeinden der Erzdiözese Freiburg verbunden sind, erreichen uns besonders emotionale Reaktionen. Die Euphorie auf den Straßen sei unvorstellbar und irgendwie kennt jeder jemanden, die oder der dem heutigen Papst in seiner Zeit in Chiclayo begegnet ist, denn auch unsere Partnergemeinden hat er zu verschiedensten Anlässen persönlich besucht. So kann es Meche aus Batangrande kaum glauben, dass diese, ihre Hände, für den gekocht haben, der jetzt Papst sei. Bei Bekanntwerden seiner Wahl strömten die Menschen zur Kathedrale in Chiclayo, als ob es eine Feier wäre. Manche tanzten, andere begannen zu weinen, erzählt ein Mitglied der dortigen Partnerschaftsgruppe. „Einer von uns ist Papst geworden“ wird frohlockt. Die Tatsache, dass Robert Prevost in den USA geboren wurde, tritt dabei in den Hintergrund, längst ist er kein Vertreter eines Landes mehr, sondern Bruder im Glauben – für viele ganz einfach: einer von uns.
Tatsächlich hat Mons. Robert Francis Prevost während seiner über achtjährigen Amtszeit als Bischof von Chiclayo eine besonders enge Verbindung zur lokalen Bevölkerung aufgebaut. Er lebte vor, was es heißt, „Bischof der Armen“ zu sein, er war in Dörfern unterwegs, ging zu Fuß und schenkte besonders den Menschen in den Randzonen Chiclayos, wo viele in äußerst prekären Verhältnissen leben, Zuwendung. Während der verheerenden Überschwemmungen im Jahr 2017 war er sich nicht zu schade, in Gummistiefeln selbst mit anzupacken, in der Corona-Pandemie setzte er sich für die Beschaffung von Sauerstoffanlagen ein und verteilte Lebensmittel, für Migranten aus Venezuela, die mit nichts in ein ohnehin armes Land geflüchtet waren, engagierte er sich in besonderem Maße.
Doch nicht nur sein Einsatz für die Menschen wird ihm hoch angerechnet. Unter seiner Leitung öffnete sich die einst sehr konservative Kirche in Chiclayo, heute gebe es dort viele aktive und engagierte Laien und die jungen Priester, die in Prevosts Amtszeit ausgebildet wurden, seien offen und synodal, weiß Jürgen Huber, Leiter des Partnerschaftsbüros in Lima. So berichtet auch Padre Pedro aus Reque, dessen 50-jähriges Wirken als Priester von Bischof Prevost mit emotionalen Worten gewürdigt wurde, dass viele der heutigen Priester Chiclayos davon träumen, bei der Amtseinführung von Papst Leo XIV. am kommenden Wochenende in Rom dabei zu sein.
Gerade in Peru, einem Land, das sich derzeit in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise befindet, fühlen sich viele Menschen durch die Zeichen der Verbundenheit des Papstes gesehen und wertgeschätzt. Regierungswechsel, Korruptionsskandale, massive soziale Ungleichheit und die hohe Kriminalität haben das Vertrauen der Peruanerinnen und Peruaner in die Politik nachhaltig erschüttert. Inmitten dieser Herausforderungen bieten kirchliche Netzwerke vielen Menschen Halt und so ist die Wahl eines Papstes mit peruanischem Pass und Empathie für die Sorgen und Nöte der Menschen als Hoffnungszeichen – ein Signal, dass Veränderung möglich ist durch Glaube, Integrität und globale Verantwortung.
Viele hoffen nun, dass Papst Leo XIV. den synodalen Weg fortsetzt, sich für eine Kirche einsetzt, die aus der Perspektive der Verwundbaren agiert und Brücken baut, innerhalb der Kirche ebenso wie nach außen. Und ganz besonders hoffen die Gläubigen in unseren Partnerschaftsgruppen, in Chiclayo und in ganz Peru, dass der neue Papst sie bald besuchen kommt.
SV

