Diözesanes Partnerschaftstreffen
05.06.2025 |
Am 24. Mai 2025 fand das 38. Diözesane Partnerschaftstreffen zum Thema „Was geht uns der Amazonas an?" im Bildungshaus St. Bernhard in Rastatt statt.
Rund 80 Engagierte fanden sich ein, um aus erster Hand Informationen über die Situation im peruanischen Amazonas zu erhalten. Angesichts der weltweiten Erderwärmung, von der gerade unser Partnerland Peru in besonderem Ausmaß aber auch Deutschland zunehmend betroffen ist, können wir längst nicht mehr die Augen verschließen, wenn es um eine Region geht, die wesentlich für das globale Klima ist.
Das Treffen begann traditionell mit einem Impuls von Weihbischof Peter Birkhofer und dem Entzünden der Partnerschaftskerze.
Bericht über die Situation im Cenepa-Flussgebiet im Norden Perus
Bericht über die Situation im Cenepa-Flussgebiet im Norden Perus
Dante Sejekam, Anführer des Volkes der Awajun und Präsident der Indigenenorganisation ODECOFROC, schildert eindrücklich die Vorkommnisse in seiner Heimat. Für seine Gemeinschaft sind Fluss und Erde lebendige Wesen oder Gottheiten, die Nahrung und Leben schenken. So wird der Fluss nicht genutzt, sondern respektiert. Doch seit einigen Jahren ist der Lebensraum der dort lebenden Menschen durch das massive Eindringen des (vorrangig illegalen) Bergbaus, stark gefährdet. Auf den „dragas“ - mit entsprechenden Vorrichtungen ausgestattete Boote - wird das im Flusssediment enthaltene Gold unter Einsatz von Quecksilber herausgewaschen. In der grenznahen Bergregion wird tonnenweise Erdreich abgetragen und per LKW nach Ecuador geschafft, um dort das Edelmetall zu extrahieren. Das verwendete Quecksilber und weitere Substanzen vergiften das gesamte Quell- und Mäandergebiet des Cenepa. Ähnlich skrupellos agieren die in der Region aktiven Kokainproduzenten, die den Regenwald roden, pLabore errichten und eng mit dem Bergbau verwoben sind.
Die sozialen und ökologischen Folgen sind verheerend: Gewalt, (Kinder-)Prostitution, Menschenhandel gehören zwischenzeitlich zum Alltag, wer sich auflehnt, muss um sein Leben fürchten. Den dort lebenden Menschen wird Geld geboten, um gemeinsame Sache zu machen und so die Gemeinschaften zu spalten.
Die Regierung zeigt kein Interesse an der Lösung der Probleme, sondern erlässt im Gegenteil Gesetze, mit denen illegale Machenschaften weiter gefördert werden. Bisher steht einzig die katholische Kirche den indigenen Gemeinschaften zur Seite – auch mit finanziellen Mitteln der Kirche aus Deutschland.
Podiumsdiskussion „Was bedeutet Amazonien für die Weltkirche“
Anschließend ging es im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Dr. Martina Fornet Ponse (Referentin Peru/Ecuador), Dorothée Kissel (Weltkirchereferentin der Erzdiözese Freiburg) und Sonia Pastor (Leiterin der Sozialpastoral in Jaen) um die Frage, was Amazonien für die (Welt-)kirche bedeutet. Alle Referentinnen sehen es als die ureigenste Aufgabe der Kirche an, sich für die Rechte der indigenen Gemeinschaften und den Schutz des „gemeinsamen Hauses“ einzusetzen. Da wo notwendig, sei es Pflicht der Kirche, auch politisch aktiv zu werden und Missstände öffentlich zu benennen.
Alles ist mit allem verbunden, und Lösungen für globale Probleme können nur gemeinsam und im Hören auf und Lernen von den Leidtragenden gefunden werden. Als Kirche – egal ob Teilkirche oder Universalkirche – ist unser Auftrag, uns nicht vor Neuem zu verschließen, sondern hinauszugehen, in Dialog zu treten und dadurch auch das Evangelium und unsere Sendung besser zu begreifen. Das führt auch dazu, dass wir uns für die Rechte indigener Gemeinschaften und den Schutz des gemeinsamen Hauses einsetzen. Dabei sind Sorgen, Nöte und Herausforderungen in den unterschiedlichen Teilkirchen andere, weshalb es angepasster Lösungen für die jeweilige Situation bedarf. Gleichzeitig dürfen wir Leid und Herausforderungen nicht gegeneinander ausspielen. Es muss und kann beides geben: Der Einsatz für Marginalisierte und Menschen in Schwierigkeiten hier in Deutschland sowie der Einsatz für die Menschen im Amazonasgebiet oder anderen Gebieten der Erde.
Das Mittagessen und die anschließende Pause wurden zum Austausch und zur Vernetzung genutzt. Die Zeit hierfür hätte länger sein dürfen, weshalb an dieser Stelle nochmals auf die Bedeutung regionaler Zusammenkünfte hingewiesen wird. Bei der Organisation solcher Treffen unterstützt das Referat Weltkirche gern.
Am Nachmittag wurde in Gruppen zu folgenden Themen gearbeitet:
- Vom Wort zum Handeln
Gemeinsam wurde überlegt, wie wir die überarbeiteten Leitlinien in die Praxis umsetzen und mit Leben füllen können. Der Schwerpunkt in diesem Workshop lag auf der Erarbeitung konkreter Handlungsimpulse im Bereich „Spiritualität“, eine der vier Partnerschaftssäulen. Geleitet wurde der Workshop von Thomas Schmidl (Mitglied der Perukommission).
- Arbeitsblätter zum Workshop
- Präsentation
- Ergebnisse des Workshops
- Bedeutung von Weltkirche und Partnerschaft in der Pastoral den neuen Großpfarreien
An das Referat Weltkirche werden weiterhin Sorgen über die Auswirkungen der Kirchenentwicklung 2030 herangetragen und so gaben Dorothée Kissel und Dr. Fabian Freiseis (Referat Weltkirche der Erzdiözese Fragen) Handlungsempfehlungen, wie die Perugruppen aktiv werden können / sollten, um die Bedeutung der Peru-Partnerschaft und weltkirchlicher Themen auch in den zukünftigen Großpfarreien sichtbar zu machen.
- Präsentation
- Amazonien im Fokus Methoden zum globalen Denken und lokalen Handeln
Miriam Vath, Mitarbeiterin der Diözesanstelle Schöpfung und Umwelt, diskutierte mit den Teilnehmenden des Workshops, wie wir in Deutschland, sowohl als Kirche als auch jede/r einzelne aktiv werden können, um negative Auswirkungen unseres Handelns auf die Umwelt und damit auch auf Amazonien zu minimieren.
- Präsentation
- Ergebnisse
- Vertiefende Diskussion mit unseren Gästen Dante Sejekam und Sonia Pastor
Die Teilnehmer/innen der Gruppe hatten Gelegenheit, weitere Fragen loszuwerden und sich über die Situation im peruanischen Amazonas sowie ganz Peru betreffende Themen auszutauschen.
Die Freude und Hoffnung über die Wahl des neuen Papstes teilen wir mit unseren Geschwistern in Peru. Eine der zahlreichen Freudebekundungen, die uns aus Peru erreichten, lautete: „Einer von uns ist Papst geworden“ und so haben wir kurzerhand ein Schreiben mit unseren Glück- und Segenswünschen an den neuen Papst verfasst, das von den Teilnehmenden unterzeichnet wurde.
- Hier das Schreiben.
- Hier das Schreiben.
Mit „Juntos como Hermanos“ und „Santa Maria del Camino“, begleitet von Peter Riedl auf der Gitarre sowie den eigens für das Treffen von Martina Hamm verfassten Gebet und Segen fand das Treffen einen würdevollen Abschluss.
Ein ganz herzlicher Dank an alle Referentinnen und Referenten, all denen, die mich in der Vorbereitung des Treffens unterstützt haben und Ihnen allen, liebe Engagierte, für Ihre Teilnahme und Mitarbeit bei dem Treffen!
Simone Valenzuela






