Rückblick 2024/2025 „Safe School Projekt“

29.01.2026 | Wie der Kindesmissbrauch an Schulen Nigerias bekämpft wird

Die Erzdiözese Freiburg arbeitet seit mehreren Jahren mit Pater Peter Ekutt zusammen, um Kinder und Jugendliche in Nigeria vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Pater Peter gehört der Gesellschaft der Missionare von Afrika an und leitet das Afrika-Zentrum Berlin. Aus einem ersten Jugendprojekt im Kongo ist dabei das Safe-School-Projekt entstanden, das heute an Schulen in Nigeria die Strukturen für sicheren Unterricht und gelebtes Safeguarding schaffen soll.

Beginn der Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit des Referats Weltkirche mit Pater Peter begann im Jahr 2018 mit einem Projekt im Ausbildungszentrum für Jugendliche der Diözese Mahagi im Kongo. Dort wurden Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter in Programmen zur Verhaltensänderung und HIV-Sensibilisierung geschult. Das Programm stieß bei den Jugendlichen auf große Dankbarkeit, weil sie sich zum ersten Mal wirklich gehört und informiert fühlten.
In Gesprächen mit den Jugendlichen und Verantwortlichen wurde jedoch deutlich, dass viele Schülerinnen und Schüler psychischer, körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch Lehrkräfte, Schulleitungen und andere Autoritäten ausgesetzt sind. Aus diesen erschütternden Rückmeldungen entstand der Impuls, gemeinsam mit Pater Peter ein neues Projekt zu starten: eine Sensibilisierungs- und Präventionskampagne gegen sexuellen Missbrauch im schulischen Umfeld. Dieses Projekt startete im Jahr 2024 und lief bis 2025 mit einem Budget von 100.000 Euro über die zwei Jahre. Auch die Hilfsorganisation Aktion Hoffnung der Diözese Augsburg beteiligte sich daran.
 
Wie Safe School an einer Schule konkret praktiziert wird
An den beteiligten weiterführenden Schulen in Nigeria finden jeweils mehrtägige Workshops mit Seminaren und interaktiven Einheiten statt. Die Kinder und Jugendlichen lernen dabei ihre Rechte kennen, tauschen sich in Kleingruppen aus und erleben einen geschützten Raum, in dem sie über Erfahrungen mit Gewalt sprechen können.
An jeder Schule werden konkrete Schutzstrukturen aufgebaut. Dazu gehören Kinderschutzrichtlinien, Verhaltenskodizes, die von allen Lehrkräften unterschrieben werden, sowie die Etablierung sicherer und vertraulicher Beschwerdemöglichkeiten. Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein Schulklima, in dem sexueller Missbrauch weniger wahrscheinlich ist, schneller erkannt wird und Kinder ermutigt sind, diesen zu melden.
Die Realität von Gewalt und Missbrauch
Die Erfahrungen aus dem Kongo und aus Nigeria zeigen, dass sexualisierte Gewalt gegen Kinder im schulischen Alltag eine bittere Realität ist. Sie reicht von verbaler Erniedrigung und unangemessenen Berührungen bis hin zu Vergewaltigung und massiver körperlicher Gewalt – oft an Orten wie Schlafsälen, leeren Klassenzimmern, Fluren oder Wohnungen von Lehrkräften.
 
 
Hinzu kommt, dass Gewalt nicht nur in der Schule, sondern auch im Elternhaus, im Umfeld der Pfarreien und in anderen Abhängigkeitsverhältnissen vorkommt. Ein großes Problem ist die Tabuisierung von Missbrauch: Kinder wissen häufig weder um ihre Rechte noch um Ansprechpersonen und rechtliche Wege, und die Sorge vor Verschweigen und Vertuschen, vor Schuldzuweisungen an Betroffene oder vor fehlender Anerkennung vorgebrachter Vorwürfe macht heranwachsende Schutzbefohlene besonders verletzlich.
Wie ist der aktuelle Stand?
Inzwischen haben 20 ausgewählte Sekundarschulen in der Diözese Ikot Ekpene vom "Safe School Projekt" profitiert, darunter vor allem katholische Mädcheninternate sowie Schulen in abgelegenen Gebieten. Insgesamt konnten 6.700 Jugendliche (2.892 Mädchen und 3.808 Jungen) erreicht werden, es wurden Verhaltenskodizes eingeführt, die rund 7.200 Kinderschutzrichtlinien („Dos & Don’ts“) beinhalten, und 292 Lehrkräfte haben eine Selbstverpflichtung zum Schutz der Kinder unterzeichnet.
 
 
In den Workshops und Gesprächen öffnen sich die Kinder zunehmend, benennen Missbrauchserfahrungen und suchen aktiv Schutz; in mehreren Fällen wurden Beschuldigte strafrechtlich verfolgt und zum Rückzug aus dem Schuldienst verpflichtet.
Die finanzielle und partnerschaftliche Unterstützung des Projekts durch die Erzdiözese Freiburg wird von Schulleitenden und Eltern vor Ort ausdrücklich gewürdigt. Seit Beginn des Projekts stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Referats Weltkirche in engem Kontakt zu Pater Peter und arbeiten mit ihm an einer Fortführung und Vertiefung des Projekts. Dies soll etwa durch kontinuierliche Schulungen, die Zusammenarbeit mit weiteren Schulen sowie den Ausbau berufsbildender Angebote gegen Armut als eine Wurzel von Ausbeutung erreicht werden.
Für die Zukunft ist in diesem Zuge bereits ein Empowerment-Projekt für Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch, Menschenhandel und irregulärer Migration geplant. Dabei wird vor allem auf Berufsausbildung und Kompetenzerwerb gesetzt.
Im Herbst 2024 war Pater Peter als Referent zu Gast beim Treffen der „Südschiene“ in Freiburg. Bei diesem Austausch der Weltkirchen-Mitarbeiter aus den Bistümern Rottenburg-Stuttgart, München-Freising, Augsburg und Freiburg ist das Thema Safeguarding/Kinderschutz immer wieder im Fokus.
Die Erzdiözese Freiburg ist sich ihrer Verantwortung bewusst, Missbrauch an Schutzbefohlenen jeglicher Art, wo es geht zu vermeiden und, wo nicht, Strukturen zu etablieren, die den Betroffenen Gehör schenken und dabei helfen, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Zugleich steht der Schutz im Vordergrund, sodass Interventions- und Sanktionsmaßnahmen unerlässlich sind.
 
Aus diesem Grund fand im Sommer 2025 ein Treffen in Freiburg mit Pater Peter und Bischof Camillus Raymond Umoh von Ikot Ekpene statt, der das Safe-Schools-Projekt vollumfänglich unterstützt. Im Mittelpunkt stand der Austausch über die Bemühungen in Nigeria sowie über die begleitenden Maßnahmen der Erzdiözese Freiburg und deren weitere Stärkung. In diesem Zusammenhang dankte Bischof Camillus Weihbischof Peter Birkhofer und den Mitarbeitenden des Referats Weltkirche für die gute und intensive Zusammenarbeit, die dazu beiträgt, jedem Kind Sicherheit, Respekt und Würde zu ermöglichen.
(ADT/KE)