31.03.2026 |
38 Engagierte aus 13 Partnerschaftsgruppen im Austausch über Vernetzung und Zusammenarbeit
Im Mittelpunkt des Treffens am 31. Januar 2026 im Bernhardushaus St. Laurentius in Bretten stand die Frage, wie Vernetzung künftig gestärkt werden kann. Neben Einblicken in die Situation in Peru wurden erste Ideen für gemeinsame Aktivitäten, mehr Sichtbarkeit und eine engere Kooperation entwickelt.
PROGRAMMPUNKTE UND ERGEBNISSE
Begrüßung und geistlicher Impuls (Albert Schäfer, Gerd Mildau, Simone Valenzuela)
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Vortrag über die politische Situation in Peru (Annette Brox, Geschäftsführerin Infostelle Peru e.V., Freiburg).
Politische Lage in Peru
Seit 2021 extreme politische Instabilität (mehrere Präsidentenwechsel).
Regierung von Dina Boluarte (2022–2025): Keine eigene Mehrheit und damit starke Abhängigkeit vom Parlament, bis heute nicht aufgearbeitete Repression von Protesten (49 Tote), mit Nachfolger José Jeri keine echte Veränderung
Machtverschiebung zum Kongress und zu wirtschaftlichen Eliten („Koalition der Macht“).
Sehr geringe Zustimmung zu Regierung und Parlament (unter 10 %), politisches System in tiefer Vertrauenskrise
Neue Protestwelle wegen steigender Kriminalität und allgemeiner Unzufriedenheit („Que se vayan todos“)
Schwächung der Demokratie und problematisch Gesetzgebung
Demokratische Institutionen werden systematisch untergraben:
Verfassungsgericht politisch beeinflusst
Justizbehörden parteiisch besetzt
Ombudsstelle für Menschenrechte geschwächt
Verfassungsänderungen ohne Verfahren (über 65 Artikel betroffen).
Kritische Erinnerungsarbeit (z. B. Bürgerkrieg) wird eingeschränkt.
Gesetze dienen häufig Eigeninteressen politischer und wirtschaftlicher Eliten:
Straffreiheit für Menschenrechtsverbrechen (Amnestie- und Verjährungsgesetze)
Schwächung von NGOs (APCI-Gesetz) → erschwert Menschenrechtsarbeit
Lockerung von Umweltgesetzen → stärkere Ausbeutung des Amazonas
Änderungen im Strafrecht → begünstigen Korruption und organisierte Kriminalität
Soziale Lage
Kriminalität: Massive Zunahme von Erpressung, Gewalt und Mord, von der insbesondere kleine Unternehmer und der Transportsektor betroffen sind. Staatliche Kontrolle versagt.
Armut & Ernährung: über 50 % der Bevölkerung ernährungsunsicher, u.a. durch Krise der kleinbäuerlichen Landwirtschaft / Bevorzugung großer Agrarunternehmen
Amazonas & indigene Bevölkerung
Nur noch ca. 33 % des Regenwalds intakt aufgrund von Abholzung, Bergbau, Drogenhandel, Brände
Indigene Gemeinschaften stark betroffen (Verlust von Lebensgrundlagen, Gewalt)
Aber: gerade indigene Gemeinschaften schützen den Wald und fordern Landrechte ein
Wahlen 2026
Sehr unübersichtliche politische Landschaft (36 Kandidat*innen und viele Parteien, die personen- statt programmorientiert sind) .
Kandidaten der extremen Rechten führen in Umfragen (Keiko Fujimori, Rafael López Aliaga). Tendenz: Abkehr von Menschenrechtsstandards, Forderung der Todesstrafe
Positive Entwicklungen
Juristische Erfolge von Menschenrechtsorganisationen (z.B. Instituto de Defensa Legal (IDL) gegen das APCI-Gesetz (sog. Anti-NGO-Gesetz )
Zivilgesellschaftliche Initiativen zur Wähleraufklärung (Amnesty Peru prüft gemeinsam mit anderen Organisationen die zur Wahl stehenden Parteien hinsichtlich ihrer Haltung zu Menschenrechten)
Starke indigene Selbstorganisation / Mobilisierung angesichts der Untätigkeit des Staates
Fortschritte bei Rechten der Natur (z. B. Flüsse als Rechtssubjekte)
Auch wenn der zum Zeitpunkt des Treffens amtierende Präsident nicht mehr im Amt ist und die Wahlen bevorstehen, sind die Aussagen nach wie vor aktuell!
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Video-Konferenz mit Pfr. Tiberio Szeles (Lima/Chosica)
Pfr. Szeles war aus Peru zugeschaltet und berichtete über die Partnerschaft/Kirche in Peru:
Pfr. Szeles ist in der Pfarrei Cristo Liberador (Chosica) als Seelsorger tätig, parallel dazu arbeitet er bereits in der Partnerschaft (Büro Lima) mit. Ab Okt. 2026 übernimmt er die Nachfolge von J. Huber.
In „Cristo Liberador“ ist er mit 2 weiteren Priestern für etwa 200.000 Gläubige verantwortlich. Die Aktivitäten in der Pfarrei werden in einem hohen Maße von Ehrenamtlichen getragen, Hauptamtliche wie in Deutschland sind in peruanischen Pfarreien unüblich. Die Provinz gilt eher als repräsentativ für Peru und ist stark von Zuwanderung geprägt.
Im Vergleich zu Lima ist die Pfarrei deutlich ärmer und kaum organisiert.
Kirche in Peru: Die Angaben zum Anteil der Katholiken in Peru variieren stark. Offizielle Statistiken gehen von etwa 82 % aus, während der IDB (Banco Interamericano de Desarrollo) einen Anteil von 60,2 % nennt. Pew Research Center: 67 %. Studien zeigen zudem, dass die Zahl bekennender Katholikinnen und Katholiken rückläufig ist.
Es gibt kleine Zeichen der ökumenischen Öffnung und des interreligiösen Dialogs.
Persönliche Wahrnehmung: Viele Menschen sind mit einem idealisierten Bild von Kirche aufgewachsen, das sich im Laufe der Zeit verändert. Bei vielen Katholiken ist religiöses Wissen bzw. theologische Bildung weniger stark ausgeprägt. Gleichzeitig gewinnen evangelikale Gruppierungen an Einfluss.
Erste Handlungsansätze von Pfr. Szeles:
Das Interesse an der Partnerschaft ist nach wie vor sehr hoch. Beschreibung der Partnerschaft wurde angefertigt, in der die drei Dimensionen im Vordergrund stehen. Pfr. Szeles möchte insbesondere die Kommunikation und Spiritualität stärken und das teilweise existente Bild revidieren, dass es v.a. um Geldtransfer geht.
„Vorlesungen“ über die Partnerschaft in Priesterseminaren. Hier soll neben der Vorstellung der Partnerschaft auch das Thema Synodalität in den Vordergrund gerückt werden, um einer möglichen Dominanz von Pfarrern in der Partnerschaft vorzubeugen.
Ausloten neuer Wege: Pfarreipartnerschaften sind nach wie vor das Rückgrat der Partnerschaft! Dennoch müssen auch andere Formen der Partnerschaft sondiert werden (institutionelle Partnerschaften, Schulen, thematische / nicht ortsgebundene Partnerschaften, etc.)
Regelmäßige Arbeitsaufenthalte in der Erzdiözese Freiburg (in Pfarreien, die Partnerschaften haben, im Ordinariat), u.a. um gezielt die Partnerscharts- / weltkirchliche Arbeit unterstützen zu können und diese stärker in der Pastoral zu verankern.
-> Zentrale Ansprechperson in Peru für Partnerschaftsgruppen, ggf. Vermittlung / Problemlösung vor Ort:
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Präsentation der Partnergemeinden in Wort und Bild
Im Hinblick auf eine zukünftige Vernetzung ging es darum, mehr übereinander und die Aktivitäten der Partnerschaftsgruppen zu erfahren. Ein Mitglied jeder anwesenden Gruppen stellte die wesentlichen Daten und Aktivitäten ihrer jeweiligen Gruppe vor.
Die Präsentation finden Sie HIER. Die Zeit reichte nicht aus, um gemeinsam Herangehensweisen oder Lösungsansätze für die anstehenden Herausforderungen umfassend zu entwickeln; hier einige Punkte die angesprochen / vorgeschlagen wurden:
KE 2030 / Partnerschaften / Perú-Partnerschaft in den Pfarreien Neu
Es wird nochmals dringend angeraten, sich untereinander zu vernetzen und Kräfte zu bündeln. Eine Vernetzung ist nicht nur unter den Perugruppen, sondern auch mit weiteren weltkirchlich engagierten Gruppierungen (andere Partnerländer, Eine-Welt-Läden, Gruppierungen der evangelischen Kirche (Stichwort Ökumene)) sinnvoll. Die Zusammenarbeit ermöglicht eine größere Sichtbarkeit. Dazu können feste Absprache getroffen werden, wie weltkirchliche/partnerschaftliche Themen in der Pfarrei neu insgesamt, aber auch in bestimmten Gemeinden oder Kirchorten funktionieren. Gerd Waidner verschickt die Kontaktdaten der Teilnehmenden des Treffens.
Das Referat Weltkirche führt derzeit eine Erhebung über aktive weltkirchliche Gruppierungen in den Pfarreien der Erzdiözese durch.
In Mannheim wurde ein „Kompetenzteam Weltkirche“ eingerichtet, um weltkirchliche Aktivitäten zu bündeln. Ein Kontakt wird gern vermittelt.
Gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen zu relevanten Themen, z.B. Situation Peru, interkulturelle Kommunikation; koloniale Kontinuitäten, bedient werden etc. (bei genügend Interessierten unterstützt das Ordinariat, z.B. bei Referentensuche / -finanzierung, Organisation)
Konten / teils unbefriedigende Zusammenarbeit mit den Verrechnungsstellen:
Im Zuge der Umstrukturierung zu Großpfarreien werden die jeweiligen leitenden Pfarreiökonomen schriftlich über die Modalitäten der Überweisungen nach Peru im Zusammenhang mit der Partnerschaftsarbeit informiert. Dabei wird insbesondere auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Information der Perugruppen über Geldeingänge, Kontostände sowie über die Namen der Spenderinnen und Spender hingewiesen.
S. Valenzuela ist gegenüber den Verrechnungsstellen bzw. den künftigen Pfarreiökonomen nicht weisungsbefugt. Sie bittet jedoch darum, bei gravierenden Verzögerungen oder Unklarheiten im Zahlungsverkehr informiert zu werden, um gegebenenfalls gezielt nachfassen zu können.
Da sich in den ab diesem Jahr bestehenden Großpfarreien viele Abläufe zunächst einspielen müssen, wird vorgeschlagen, dass die Perugruppen S. Valenzuela in der Übergangszeit über beauftragte Überweisungen informieren. Auf diese Weise kann bei ausbleibenden Zahlungseingängen auf dem Partnerschaftskonto (von dem die Sammelüberweisungen nach Peru erfolgen) rechtzeitig reagiert und interveniert werden.
Weitere Regionaltreffen / gerne auch kürzere Treffen sollen organisiert werden, ggf. mit einem Schwerpunktthema, welches dann ausführlich diskutiert werden kann. Sehr gerne können Themenvorschläge eingebracht werden!
Gemeinsame Aktionen der Perugruppen in der Pfarrei Hl. Edith Stein Bruchsal, z.B. gemeinsamer Perutag
Gemeinsame PR / Öffentlichkeitsarbeit, z.B. Gruppen erstellen abwechselnd Beiträge für Gemeindeblatt, um permanent präsent zu sein (Abstimmung untereinander)
Vernetzung auch bei Besuchen aus Peru – Besucher/innen gehen in verschiedene Gruppen / Orte
Schulbesuche (Evelyn Habitzreiter praktiziert das seit Jahren und ist gern bereit, Materialien zu teilen)
Organisation von Ausstellungen (z.B. über Bergbaukampagne, jemand hatte „Gesichter der Anden“ erwähnt)
Jugendreise nach Peru um junge Menschen für die Partnerschaft / Peru zu interessieren. Pfr. Fritz hat eine solche organisiert (und kann ggf. beraten?)
-> Pfarrer Johannes Mette unterstützt Gruppen gern!
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Programmpunkte anlässlich des 40-jährigen Partnerschaftsjubiläums
Delegationsreise nach Peru: EB Burger, WB Birkhofer + Delegation (bisher D. Kissel (Leitung Weltkirche); 4 Kommissionsmitglieder (die ehrenamtlich in Partnerschaftsgruppen aktiv sind); Filmteam. Weitere Personen werden auf eigene Kosten nach Peru reisen (Landesbischöfin, Lehrkräfte …)).
Gegenbesuch peruanische Delegation nach Freiburg. Aufgrund des Papstbesuchs wird dieser erst Ende Februar 2027 erfolgen. Im Rahmen des Besuchs in Deutschland:
Partnerschaftstreffen mit Feier und gemeinsamen Gottesdienst im Freiburger Münster (Wochenende 27./28.02.2027)
Öffentliche Podiumsdiskussion zu einem für Peru und Deutschland relevanten Thema (z.B. Polarisierung der Gesellschaft / Gefährdung Demokratie; Umwelt / Waldschutz – auch in Zusammenhang mit Amazonien)
Besuch von Partnergemeinden – insbesondere der Partnergemeinden der Mitreisenden
Soziale Realität in Deutschland – z.B. Besuch einer sozialen Einrichtung / Gespräche mit den dort Verantwortlichen (z.B. im Bereich Flüchtlingsarbeit, Betreuung von Jugendlichen auf der Straße oder Obdachlosen)
Erstellung eines Imagefilms mit dem Ziel die Partnerschaft / das Engagement der Gruppen in der Erzdiözese sichtbar zu machen. S. Valenzuela bittet dennoch um Mitteilung über eventuelle Besuche aus Peru im nächsten halben Jahr wegen der Möglichkeit, eine kurze Filmsequenz über den Besuch zu drehen, Einverständnis von Ihnen vorausgesetzt.
Kunstausstellung „Kunst als Brücke – Wo Welten sich begegnen“ mit Werken die im Zusammenhang mit der Partnerschaft stehen / entstanden sind im Karl-Rahner-Haus, Freiburg vom Sept. – Nov. 2026
Einbeziehung der Perugruppen in die Jubiläumsveranstaltungen
27. Februar 2027: Herzliche Einladung an Sie alle zu einem Partnerschaftstreffen, Feier und gemeinsamer Gottesdienst in Freiburg
21. November 2026: Hybride Veranstaltung (Online und Präsenz): Bericht über die Reise, Vortrag und Austausch zu Themen, die auch während der Reise nach Peru besprochen / bearbeitet wurden und die aktuell für die Peruaner/innen anstehen.
S. Valenzuela würde im Jahr 2026 gern regelmäßig Nachrichten über die Perugruppen, deren Aktivitäten etc. auf die Website bzw. die sozialen Medien der Erzdiözese einstellen, um die Perupartnerschaft in den Fokus zu rücken. Bitte: kurze Berichte im Jahr 2026, Fotos oder Ähnliches über Aktivitäten, Besuche aus Peru, Reisen nach Peru, Vorträge, Projekte (müssen nicht neu sein, gerne auch grundlegende Infos zur Partnerschaft). Hierfür schon einmal herzlichen Dank!
Künstler/innen (Profis und „Nicht-Profis“) sind eingeladen, ihre Werke auf der Ausstellung „Kunst als Brücke – Wo Welten sich begegnen“ zu präsentieren (die Einladung / Ausschreibung erhalten Sie in Kürze)
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Partnerschafts-Gottesdienst in St. Laurentius musikalisch gestaltet vom Perukreis St. Laurentius