Projektarbeit der Erzdiözese Freiburg in Äthiopien

04.06.2025 | Im Dienst für Geflüchtete und Benachteiligte

Lächelnd steht Medanit Mengistu (35) vor ihrer Boutique. Es ist Markttag in Meki und sie wartet auf die ersten Kunden. Die Geschäfte gehen gut und Medanit kann sich und ihre beiden Kinder versorgen. 
Das war aber nicht immer so. Mit 22 ging Medanit als illegale Migrantin nach Dubai, wo sie unter schlimmen Bedingungen und ständigem Missbrauch acht Jahre lang als Hausmädchen gearbeitet hat. Schließlich schaffte sie es zurück nach Äthiopien, aber der Missbrauch hat nicht nur körperliche und seelische Spuren hinterlassen; fortan war sie für ihre Familie eine Schande. So landete sie ohne Besitz oder Unterstützung auf der Straße. Bis sie 2021 Teil des Frauenprojekts „Empowering Urban Women in Meki Town“ (Frauen in Meki stärken) wurde. Mithilfe eines Mikrokredits und der erlernten Business-Skills eröffnete Medanit ein kleines Restaurant und bald danach eine öffentliche Dusche für Menschen aus Landwirtschaft und Handel, die an Markttagen den weiten Weg in die Stadt kommen. Diese Dusche wird viel genutzt und Medanit findet stetig neue, kreative Wege, ihr Geschäft zu erweitern. So stellte sie einen Tischkicker im Wartebereich auf und erst kürzlich hat sie ihre eigene Mode-Boutique eröffnet. Aus der traumatisierten, verstoßenen Rückkehrerin ist eine selbstbewusste Geschäftsfrau geworden.

Die Geschichte von Medanit ist kein Einzelfall, im KIDIST Mariam Women Promotion Skill Training Centre (KIDIST Frauen Weiterbildungszentrum) können jährlich 600 Frauen einen Schulabschluss und/oder eine Ausbildung erlangen. Die Zielgruppe sind besonders vulnerable Frauen – zurückgekehrte illegale Migrantinnen, die oft vielfältigen und dauerhaften Missbrauch in den Arabischen Emiraten erlebt haben, vielfach auch Frauen ohne Perspektive, die mit dem Gedanken spielen, dem Weg der Arbeitsmigration zu folgen – ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein. Die Seele des gesamten Projekts ist María Morales aus Spanien, die für die Community of St. Paul (Gemeinde St. Paul) schon viele Jahre in Äthiopien im Einsatz für Frauen wie Medanit ist. Die Erzdiözese Freiburg hat ihre Projekte seit 2021 mit bisher 86.200 € unterstützt. Darunter sind auch Mittel aus der Elisabeth-Barth-Gimbel Stiftung und Nothilfemittel.
Dieser Einsatz ist angesichts der verheerenden Situation in Äthiopien dringend notwendig. Die Folgen illegaler Auswanderung stellt eines der vielen Probleme in Äthiopien dar. Viele illegal Geflüchtete werden nach Äthiopien zurückgebracht (nach einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen durchschnittlich 10.000 pro Monat) und über 90% von ihnen haben während der Abschiebehaft oder der Abschiebung zurück nach Äthiopien Formen psychischer, sexueller oder physischer Gewalt erfahren. Sie erhalten keinerlei staatliche Unterstützung und haben keinerlei Besitz. Es wird immer wieder von Menschen berichtet, die nicht einmal mehr Schuhe anhaben, wenn sie ankommen. Die Kapazitäten der wenigen Einrichtungen, die sich um die Heimkehrenden kümmern, sind bei weitem überschritten. Ein wichtiger Schritt besteht deshalb in der Vermeidung von Migration.
Neben dem KIDIST Centre im Vikariat Meki arbeitet die Erzdiözese Freiburg auch mit der Erzeparchie Addis Abeba zusammen. Dort gibt es in Kooperation mit mehreren Ordensgemeinschaften ein großangelegtes Projekt für zurückgekehrte Geflüchtete und Menschen, die aus den ländlichen Gebieten des Landes in die Hauptstadt kommen. Viele sind auf der Flucht vor ethnischen Konflikten, Auseinandersetzungen verschiedener Gruppierungen mit dem Militär, willkürlicher Gewalt der Armee oder auch vor Naturkatastrophen und schlimmster Armut. Zusammen mit unserem langjährigen Partner Fr. Petros Berga, der das Projekt koordiniert, begleitet und unterstützt die Erzdiözese Freiburg diese Arbeit bereits seit 2019 mit bisher 55.000 €. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Versorgung der Menschen: von der Erstversorgung über medizinische und psychologische Begleitung und Berufstrainings bis hin zur Vermittlung von Jobs. Seit 2021 konnte so bereits über 2.000 Menschen geholfen und die Zahl illegaler Auswanderungen gesenkt werden.
Die Erzdiözese verfolgt aufmerksam den Fortgang beider Projekte, um noch viel mehr Menschen zu einer positiven Wendung wie bei Medanit zu verhelfen. Alle Menschen verbindet die gleiche Würde. Umso mehr ist es Auftrag und Aufgabe, diejenigen zu unterstützen, die von Anfang an nicht dieselben Chancen hatten, das je eigene Potential zu entfalten und auszuschöpfen. Ein Leben in Würde steht jeder menschlichen Person zu. Dafür setzt sich die Erzdiözese Freiburg auch in Äthiopien weiterhin ein.
 
(ke)
Ansprechperson

Katharina Ebner

Sachgebietsleitung englischsprachige Länder und Indien