Badischer Dialog mit Joachim Gauck
Video-Dokumentation
Im Rahmen der ökumenischen Veranstaltungsreihe „Badischer Dialog – Kirche und Staat in Europa“ trafen sich am 5. März 2026 wieder kirchliche und staatliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sowie Interessierte aus der ganzen Bundesrepublik in Freiburg. Thema war diesmal die akute Gefährdung der Demokratie durch autoritär-populistische Parteien und die Verantwortung in der Gesellschaft, diesen entschieden entgegenzutreten.
Unter den fast 100 Teilnehmenden waren auch als besondere Gäste die Landesbischöfin der Evangelischen Landeskirche in Baden, Prof. Dr. Heike Springhart, und der Erzbischof der Erzdiözese Freiburg, Stephan Burger.
Eröffnet wurde der Tag mit der Begrüßung durch den Studienleiter an der Evangelischen Akademie in Baden, Dr. Jochen Kunath. Es folgten die Grußworte der Landesbischöfin und des Erzbischofs, sowie einführende Worte von Dr. Astrid Deusch, Erzbischöfliches Seelsorgeamt Freiburg, und Dr. Karsten Kreutzer, Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg, von Veranstalterseite.
Im ersten Impuls-Referat von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck machte dieser aus seinem Herzen keine Mördergrube und sprach leidenschaftlich und mitreißend von dem, was sein Herz angesichts der jüngsten Erschütterungen schwer, aber auch getrost mache. Er erkenne keinen Verlust der Demokratie, wohl aber deren Bedrohung. Die Gesellschaft sei mehr als das, was medial transportiert würde, sie sei auch ein Netzwerk des Guten und der Guten. Gauck warb eindrücklich für ein positives Gesellschafts- und Menschenbild, das zwar imperfekt sei, aber eben von gegenseitiger Bezogenheit und Solidarität geprägt sei. Trotz aller Erschütterungen, die ihn auch befalle, auch angesichts einer schleichenden „Orbanisierung“, die die Demokratie in Deutschland gefährde, halte er fest an einer verwegenen Hoffnung auf eine friedliche und gute Gesellschaft. Das, was die Menschen in die Hände der Rechtspopulisten treibe, sei vor allem die Angst, die verunsichere. Ihr sei positiv zu begegnen mit einem unbeirrbaren Bekenntnis zu einem Ja zum Leben, der Suche nach einem nachhaltigen Lebensglück und dem Stolz, Teil einer Demokratie und ihrer menschenfreundlichen Errungenschaften zu sein. Statt Ängste zu kultivieren, seien das Leben zu feiern und Zuversicht zu leben.
Die zweite Hauptreferentin Inken Gallner, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts in Erfurt, konkretisierte die Erschütterungen, von denen Gauck sprach, detailliert in der Analyse der geopolitischen Krisen in jüngster Zeit. Die wertebasierten Grundlagen unserer westeuropäischen Gesellschaften seien bedroht durch eine antidemokratische Revision der tektonischen Platten in der Politik. Gallner rief die Zuhörenden eindringlich auf zur Verteidigung der Demokratie. Es ginge darum, mutig das Gesicht zu zeigen und von der Analyse ins Handeln zu kommen. Auch wenn es nicht ganz leicht mit der Zuversicht sei, gelte es umso mehr, als gereifte Demokratinnen und Demokraten diese zutiefst menschliche Gesellschaftsform mit Leben zu füllen, selbst zu leben und auch vorzuleben.
In drei auf das Mittagessen folgenden Austauschforen wurden die Vorträge des Vormittags in kleineren Gesprächsgruppen vertieft. Ein Forum nahm sich speziell dem Thema „Verlust und Gewinn, Geschichte und Zukunft demokratischer Kultur – Christinnen und Christen aus Osten und Westen Deutschlands im Austausch“ an und hatte in Frank Richter, ehemaliger Leiter der Landeszentrale für politische Bildung und ehemaliges Mitglied im Landtag in Sachsen, einen überaus kompetenten Gesprächspartner.
Nach dem konzentrierten und lebhaften Gruppenaustausch mündete der Nachmittag in das abschließende Podium, das von Annika Schmitz von der Herder Korrespondenz in Freiburg geleitet wurde. Landesbischöfin Springhart, Erzbischof Burger, Präsidentin Inken Gallner und Frank Richter diskutierten nachdenklich, engagiert und einander zugewandt die Grundfrage, wie die Kirchen in der Binnensicht, aber auch in der Außensicht zur Demokratie stünden, selbst unter antidemokratischen Bestrebungen litten und sich für den Erhalt der Demokratie einsetzten. Als ein Kern der lebhaften Diskussion schälte sich die Aufgabe für die Kirchen heraus, in allen Gefährdungen Hoffnungsort zu sein und immer wieder zu werden, an dem zugehört wird, Spannungen ausgehalten werden, um demokratische Haltungen gerungen wird und an dem etwas von der Fröhlichkeit erlöster Menschen aufleuchtet.
Die Vorträge sowie die anschließende Diskussion sind jetzt veröffentlicht. Hier geht es zur Playlist.
Zum Abschluss des Tages dankte Dr. Thomas Dietrich, Abteilungsleiter Sozialpastoral der Erzdiözese Freiburg, allen, die diese Veranstaltung ermöglicht hatten, sowie allen Mitwirkenden und Teilnehmenden. Es gebe einiges zu verdauen, aber so könne der intensive Tag auch gute Früchte tragen.
Pressestimmen
KNA
Badische Zeitung
Evangelisch.de
Radio Vaticana












