Eindrücke vom dritten Vernetzungstreffen für friedensengagierte Menschen auf dem Lindenberg
Unter dem Motto „Frieden neu gewinnen“ hat am 10. Mai zum dritten Mal ein Vernetzungstag für friedensbewegte und -engagierte Menschen auf dem Lindenberg stattgefunden. "Frieden neu gewinnen" geht nur gemeinsam
17.06.2025 |
Auf Einladung von Katholischer Akademie, „Friedensarbeit und Exerzitien“ im Haus Maria Lindenberg/St. Peter, dem Fachbereich „Friedensbildung und pax christi“ sowie dem Referat „Frauen-Männer-Gender“ im Erzbischöflichen Seelsorgeamt haben sich rund 30 Aktive im Ibental bei Buchenbach getroffen, um sich einen Tag lang auszutauschen und zu vernetzen. Der Tag begann morgens am Gallihof mit einer kurzen Vorstellungsrunde. Auch der Hofbesitzer kam dazu und berichtete von der Geschichte der Wallfahrt zum Lindenberg, der anschließend wie üblich in mehreren Etappen erklommen wurde.
An vier verschiedenen Wegmarken stellten Impulsgebende die Arbeit ihrer jeweiligen Organisation vor. Die vorgestellten Initiativen waren das Referat Weltkirche und missio im Erzbischöflichen Ordinariat (Dorothée Kissel), die Arbeit der Frauenrechtsorganisation AMICA (Marlene Weck), die Aktion Brückenschlag (Luka Kersting), sowie der Freiburger Diözesanverband der Ackermann-Gemeinde (Rebecca Koprivová). Besonders lebendig wurde letztere durch die Erzählung eines interkulturellen Tanzes, welcher aus der Initiative junger tschechischer Menschen entstand. Allen vorgestellten Initiativen war jedoch gemein, dass das Reflektieren der eigenen Perspektive, die Offenheit und Wertschätzung für das Gegenüber einer anderen Kultur, einer anderen Kirche oder einer anderen politischen Einstellung trotz oder gerade wegen der Unterschiedlichkeit von zentraler Bedeutung sind. Zwischen den einzelnen Impulsstationen war dann wieder die Möglichkeit, auf dem Weg miteinander ins Gespräch zu kommen. Zur Sprache kamen in einzelnen Gesprächen unter anderem die Mystik als verbindendes Element der Religionen, welche einen Ansatzpunkt für interreligiösen Dialog bieten kann, sowie die Freude am Beobachten von Eltern, die ihren Kindern bereits im Aufwachsen die gewaltfreie Kommunikation mit an die Hand geben, welche so simpel in ihren Schritten scheint, aber in ihrer Anwendung doch auch sehr herausfordernd sein kann.
Insgesamt war die Wanderung geprägt durch eine heitere und dennoch ernste und engagierte Stimmung, in der sich einander begegnet und tiefer kennengelernt wurde. Mit zunehmender Höhe tat sich auch eine zunehmende innere Weite auf. Um Punkt 12 Uhr oben angekommen, läuteten die Glocken der Wallfahrtskirche und nach einer kurzen Pause beschloss ein gemeinsames Singen unter den Linden auf dem Vorplatz der Kirche den Vormittag: Shalom, Frieden, Salam, Pokój, Shanti wurde gesungen – in einfacher Melodieführung und dennoch sehr eindringlich und verbindend.
Gerade die einfachen Texte und Lieder seien es, welche eine nachhaltige Wirkung haben, so die Harfenistin Stefanie Kirner, welche mit ihren Musikstücken das Erlebte des Tages bei den Teilnehmer:innen nachklingen ließ und diese am Ende dieses Austausch- und Vernetzungstages in der Wallfahrtskirche mit ihrer Kunst beglückte, bewegte und Einzelne auch zu Tränen rührte.
Zuvor jedoch stand der Nachmittag im Zeichen der Vertiefung. Nach einem kurzen Podiumsgespräch mit den vier Impulsgeber:innen, teilten sich die Teilnehmer:innen in verschiedene kleinere Untergruppen auf. Eine Grundlage für diese Gesprächsgruppen gab Dorothea Welle, die Leiterin des der Exerzitienangebote im Haus Maria Lindenberg, mit den zu beachtenden Aspekten der Neugier, der Wertschätzung, dem Anerkennen, dass jede Person nur einen Teil des Ganzen sieht und nicht „die gesamte Wahrheit geschluckt“ hat, dem Auf-Hören, also dem Achten auf die je eigenen Gesprächsanteile und die Bereitschaft, auch den anderen Menschen zuzuhören, sowie die Gleichwertigkeit aller Beiträge. Themen waren unter anderem die essentielle Bedeutung des je eignen, inneren Friedens für die Friedensarbeit nach außen. In einer letzten Kleingruppenphase konnte sich jede/r Teilnehmehr:in noch einmal mit je einem oder zwei weiteren Aktiven austauschen, dadurch näher kennen lernen, sich eine Rückmeldung zum eigenen Engagement einholen, und im besten Fall sogar gemeinsame Kooperationen auf den Weg bringen. Nach dem schon erwähnte Harfenkonzert machten sich die Teilnehmenden wieder auf den Weg nach Hause: mit wertvollen neuen Erfahrungen und Erinnerungen im Gepäck und dem Ausblick, sich eventuell am Tag der Gewaltfreiheit, den 2. Oktober, erneut wieder zu treffen.
Luka Kersting
studiert Philosophie und Germanistik an der Uni Freiburg und macht derzeit ein Praktikum bei der Aktion Brückenschlag







