Verantwortung für die Schöpfung
03.07.2025 |
Austausch mit Erzbischof Vizcarra aus Peru
Am Mittwoch, den 2. Juli 2025, durften wir Mons. Alfredo Vizcarra, Erzbischof von Trujillo und Administrator des Apostolischen Vikariats Jaén in Peru, herzlich im Ordinariat willkommen heißen.
Erzbischof Vizcarra gehört zu den Bischöfen der acht Vikariate im Norden unseres Partnerlandes Peru, die bereits Anfang 2024 ihre tiefe Besorgnis über die unkontrollierte Ausbreitung des illegalen Bergbaus im peruanischen Amazonasgebiet öffentlich zum Ausdruck gebracht haben. Sie prangerten die gravierenden ökologischen und sozialen Folgen an, die besonders die indigenen Gemeinschaften betreffen, und forderten die Regierung auf, ihrer Verantwortung zum Schutz der Amazonasregion – die 60 Prozent des peruanischen Staatsgebiets ausmacht – sowie gegen die damit verbundenen Verbrechen wie Menschen- und Drogenhandel, illegale Landnutzung etc. nachzukommen.
Erzbischof Vizcarra berichtete eindrücklich von der sich zuspitzenden Lage im Amazonasgebiet. Im Apostolischen Vikariat Jaén stellt der illegale Bergbau das größte Problem für die Menschen vor Ort dar. Dabei werden nicht nur Natur und Ressourcen zerstört, sondern auch die Gemeinschaften leiden zunehmend unter Gewalt, Mord und Korruption. Die Kirche sieht ihre Aufgabe darin, die Menschen im Widerstand gegen die Zerstörung ihres Lebensraums und ihrer Kultur zu unterstützen – eine Bitte, die auch aus der Bevölkerung an die Kirche herangetragen wird.
Der Widerstand gegen den illegalen Bergbau und den Verlust traditioneller Landwirtschaft umfasst drei zentrale Säulen, an denen sich das Vikariat - auch im Schulterschluss mit CEAS und Red Muqui - beteiligt: Juristischer Beistand und Aufklärung der Bevölkerung über ihre Rechte, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sowie wissenschaftliche Forschung, die Chancen und Risiken des legalen und illegalen Bergbaus untersucht.
Zudem bemüht sich das Vikariat, den Menschen reale Alternativen in der Landwirtschaft aufzuzeigen. Dabei wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der nicht nur wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt, sondern auch den Wert der Schöpfung und die Bedeutung der kulturellen Identität hervorhebt.
Die Bewahrung der Schöpfung ist nicht allein Anliegen der lokalen Kirchen, sondern eine Verantwortung der Weltkirche insgesamt. Papst Franziskus hat dies in seiner Enzyklika Laudato Si sowie im Apostolischen Schreiben Querida Amazonía eindrücklich betont.
Auch Erzbischof Stephan und Weihbischof Peter sehen die Erzdiözese Freiburg in der Pflicht, sich gemeinsam mit unserem Partnerland Peru in dieser wichtigen Frage einzubringen. Neben der Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung geeigneter Projekte ist beiden Bischöfen ein langfristiger Austausch mit dem Vikariat Jaén ein besonderes Anliegen. Dabei stehen die gemeinsame Suche nach Wegen, der Verantwortung gerecht zu werden, und das voneinander Lernen im Vordergrund. Das naturverbundene Verständnis der indigenen Gemeinschaften, das nicht auf Ausbeutung, sondern auf Respekt und Nachhaltigkeit basiert, sollte auch uns in Freiburg zum Nachdenken anregen. Der starke Gemeinschaftssinn, der in Peru noch nicht dem Individualismus gewichen ist, kann uns ein wertvolles Vorbild sein. Die vielfältigen Themen für den Austausch eröffnen Chancen, neue Perspektiven zu gewinnen und gemeinsam Wege für eine bessere Zukunft zu gestalten.
D. Kissel / S. Valenzuela





