Der Amazonas braucht unsere Stimme

08.12.2025 | Eindrückliche Begegnungen mit Lucero Guillén in der Erzdiözese Freiburg

Im Rahmen der Adveniat-Weihnachtsaktion „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ war Lucero Guillén, Koordinatorin der Landpastoral im Amazonasvikariat Yurimaguas, vom 03. – 07. Dezember in der Erzdiözese Freiburg zu Gast. Das Referat Weltkirche koordinierte zahlreiche Begegnungen, bei denen die Peruanerin eindrucksvoll von den sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen im Amazonasgebiet berichtete.

Seit über vier Jahrzehnten setzt sie sich für die Rechte und Lebensgrundlagen indigener Gemeinden ein – in einer Region, die wie kaum eine andere von Ausbeutung, Umweltzerstörung und sozialer Ausgrenzung bedroht ist. Papst Franziskus richtete in seinem Apostolischen Schreiben Querida Amazonia einen klaren Appell an alle, den Amazonas zu schützen und die Rechte der indigenen Völker zu achten. Er erinnerte daran, dass der Regenwald nicht nur ein ökologisch bedeutsamer Raum, sondern auch ein Lebensraum voller kultureller und spiritueller Vielfalt ist. Diese Perspektive prägte auch die Begegnungen in Staufen, Offenburg, Karlsruhe, Stegen und Freiburg und machte deutlich, wie eng unser eigenes Handeln mit dem Schicksal Amazoniens verwoben ist.

Zwei Peru­gruppen hatten zu einer Begegnung mit Lucero Guillén eingeladen: in Staufen in Kooperation mit der örtlichen Erwachsenenbildung, in Offenburg gemeinsam mit der Pfarrei Heilig Geist, wo der Abend mit einem Gottesdienst eröffnet wurde. Vor jeweils rund dreißig Interessierten berichtete Lucero Guillén mit einer Hingabe, die kaum jemanden unberührt ließ: von der Stärkung indigener Gemeinschaften, von Projekten nachhaltiger Landwirtschaft und von der juristischen Begleitung im Einsatz für deren Landrechte. „Wir helfen Menschen, ihre Lebensgrundlagen zu schützen – denn allein sind sie oft machtlos gegenüber wirtschaftlich übermächtigen Akteuren wie etwa PetroPeru“, erklärte sie. Auf die Rolle der Frauen und Laienmissionarinnen angesprochen, ließ Lucero keinen Zweifel daran, dass gerade sie Verantwortung tragen, „denn die Menschen brauchen uns“. Oft werde sie gefragt, warum sie sich in Themen einmische, die angeblich nicht zum Auftrag einer Missionarin gehörten. Sie sieht das anders: Auch Jesus habe nicht nur gebetet, sondern sich aktiv den Schwächsten zugewandt.

Eindrucksvoll waren die Begegnungen mit den Jugendlichen am St.-Dominikus-Gymnasium Karlsruhe und am St. Sebastian Kolleg Stegen. Lucero Guillén machte deutlich, dass die Ausbeutung von Rohstoffen wie Gold, Holz oder Erdöl nicht nur lokale Lebensräume zerstört, sondern auch das globale Klima beeinträchtigt. „Jeder fünfte Atemzug der Menschheit stammt – bildlich gesprochen – aus dem Amazonasregenwald. Wenn dieser Wald stirbt, trifft es uns alle“, betonte sie. Die Schülerinnen und Schüler zeigten großes Interesse und stellten kritische Fragen, etwa zu unseren eigenen Handlungsmöglichkeiten. Lucero appellierte eindringlich daran, sich immer wieder bewusst zu machen, was im Amazonasgebiet wie auch in vielen anderen Regionen der Welt geschieht, und dieses Wissen weiterzugeben. Zugleich erinnerte sie daran, dass wir durch unser Konsumverhalten Verantwortung übernehmen können: indem wir bewusster einkaufen und uns über Herkunft und Produktionsbedingungen der Waren informieren.
 
Beim Nikolausfrühstück der Katholischen Hochschulgemeinde in Karlsruhe, dem auch der in Peru eher unbekannte Nikolaus einen Besuch abstattete, sprach Lucero nach ihrem Vortrag vor Studierenden aus verschiedenen Ländern zudem über ihre persönliche Motivation. Die unmittelbare Begegnung mit extremer Armut habe sie als Christin zutiefst herausgefordert – so sehr, dass aus dem ursprünglich auf zwei Jahre angelegten Einsatz für die Menschen in Yurimaguas inzwischen vier Jahrzehnte geworden sind. Niemand sei freiwillig arm; Armut verletze die Würde eines Menschen bis ins Innerste. Nachhaltige, an die lokalen Bedingungen angepasste Landwirtschaft sei daher mehr als eine bloße Einkommensquelle. Sie stärke das Selbstbewusstsein der Menschen so weit, dass sie sich gegen übermächtige Akteure zur Wehr zu setzen, die ihre Lebensgrundlagen zerstören.

Den Abschluss ihres Aufenthalts in der Erzdiözese Freiburg bildete ein in seiner Dringlichkeit beeindruckender Gottesdienst der spanischsprachigen Gemeinde in der Seminarkirche des Collegium Borromaeum. In seiner Predigt erinnerte Monsignore Wolfgang Sauer daran, dass die Vaterunser-Bitte „Dein Reich komme“ auch eine aktive christliche Mitwirkung für eine Humanisierung unserer Beziehungen beinhalte. Er warb für eine erneuerte Interpretation des Begriffes „Inkulturation“: der „Fortschritt der Völker“ lebe von der respektvollen Übernahme indigener Schöpfungsverantwortung in ein oft nur von Technik und Profit bestimmtes Verständnis des menschlichen Zusammenlebens. Dies sei neben der „Option für die Armen“ eine „Option für die Menschlichkeit“. Bei der anschließenden Weihnachtsfeier in der Kooperatur bestand zudem Gelegenheit zu persönlichem Austausch.

Die Begegnungen mit Lucero Guillén machten deutlich: Der Amazonas ist kein fernes Thema. Seine Zerstörung beeinflusst Klima, Wasserkreisläufe und Artenvielfalt weltweit – und damit auch unser Leben in Europa. Die Adveniat-Aktion ruft eindringlich dazu auf, Schöpfungsverantwortung global zu denken und lokal zu handeln. Der Schutz des Amazonas geht uns alle an.
 
S. Valenzuela
 
Einen herzlichen Dank an alle, die an der Gestaltung des Besuchs beteiligt waren: die Perugruppen St. Martin und die Erwachsenenbildung Staufen, die Perugruppe und Pfarrei Hl. Geist Offenburg, das Dominikus-Gymnasium Karlsruhe, das St. Sebastian-Kolleg Stegen, die Katholische Hochschulgemeinde Karlsruhe, die spanischsprachige Gemeinde Freiburgs mit Mons. W. Sauer. Ebenfalls danken wir allen Interessierten, die an den Begegnungen teilgenommen haben, und natürlich ganz besonders Lucero Guillén und Carmen García (Adveniat) für die Vorträge und den bereichernden Austausch.