Bedrohter Boden

05.02.2026 | Ökumenischer Strategietag diskutiert globale Verantwortung und lokale Handlungsperspektiven

Wie kann die Nutzung von Böden weltweit so gestaltet werden, dass Ernährungssicherheit gewährleistet, ökologische Systeme geschützt und soziale Konflikte reduziert werden? Diese Frage stand im Zentrum des ökumenischen Strategietags „Bedrohter Boden – Landrechte, Ernährungssicherheit und weltweite Flächenkonkurrenz“, zu dem die Weltkirche-Abteilungen der katholischen (Erz-)Diözesen und die Ökumene-Abteilungen der evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg in Kooperation mit der Stabstelle Schöpfung und Umwelt der Erzdiözese Freiburg nach Freiburg eingeladen hatten.
Rund 50 Teilnehmende aus Kirche, Wissenschaft, Landwirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft kamen im Collegium Borromaeum zusammen, um sozialethische, ökologische und entwicklungspolitische Perspektiven auf das knappe Gut Boden miteinander ins Gespräch zu bringen.

Boden als Gemeingut und Schlüssel globaler Verantwortung

In seinem Grußwort betonte Weihbischof Dr. Peter Birkhofer die globale Dimension des Themas. Boden sei weit mehr als eine wirtschaftliche Ressource: An ihm verdichteten sich Fragen von Ernährung, sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz und Frieden. Wo Böden degradiert oder monopolisiert würden, gerieten ökologische und soziale Gleichgewichte gleichermaßen ins Wanken.
Neben dem kirchlichen Grußwort von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer richtete auch Dr. Christoph Grammer vom Staatsministerium Baden-Württemberg ein Grußwort an die Teilnehmenden. Er unterstrich die entwicklungspolitische und internationale Dimension nachhaltiger Landnutzung und hob hervor die gute und enge Zusammenarbeit von Politik, kirchlichen Partnern und zivilgesellschaftlichen Initiativen in Baden-Württemberg hervor.
Diese Perspektive griff der Sozialethiker Prof. Dr. Gerhard Kruip in seinem Impulsvortrag auf. Ausgehend von der Studie der Sachverständigengruppe „Weltwirtschaft und Sozialethik“ der Deutschen Bischofskonferenz beschrieb er Boden als globales Gemeingut, dessen Schutz eine grundlegende Landnutzungswende erfordere. Weltweit seien große Teile der Böden bereits geschädigt – mit weitreichenden Folgen für Klima, Wasserhaushalt, Biodiversität und Ernährungssicherheit. Nutzungskonflikte durch Landwirtschaft, Energiegewinnung, Bergbau oder Flächenversiegelung verschärften diese Entwicklung zusätzlich.
Ein zukunftsfähiger Umgang mit Boden, so Kruip, müsse sich am Gemeinwohl orientieren und die Sozialpflichtigkeit von Eigentum ebenso berücksichtigen wie die Rechte künftiger Generationen.

Globale Konfliktlinien und lokale Zielkonflikte

Die anschließenden Beiträge machten deutlich, wie konkret sich diese Konflikte weltweit ausprägen.
Prof. Dr. Heidi Megerle zeichnete am Beispiel Burundis nach, wie Bodenknappheit, Bevölkerungswachstum, Erosion und Klimafolgen Ernährungssicherheit gefährden und gesellschaftliche Spannungen verschärfen. Gleichzeitig stellte sie agroforstwirtschaftliche und nachhaltige Anbaumethoden als Hoffnungsperspektiven vor, die Bodenschutz, Ernährungssicherung und soziale Stabilisierung verbinden können.
Dr. Julio Monzón lenkte den Blick nach Peru, wo illegaler Goldabbau indigene Territorien zerstört und Landrechte systematisch untergräbt. Am Beispiel konkreter Regionen zeigte er, wie Umweltzerstörung, Rohstoffinteressen und fehlende Rechtsdurchsetzung ineinandergreifen.
Mit einer regionalen Perspektive ergänzte Martin Linser vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband die Diskussion. Er verwies auf zunehmende Flächenkonkurrenzen auch in Deutschland und die damit verbundene Herausforderung, Ernährungssouveränität unter begrenzten landwirtschaftlichen Nutzflächen zu sichern.

Der Bodenatlas als politisches Bildungsinstrument

Einen übergreifenden Blick auf globale Zusammenhänge eröffnete Lena Luig von der Heinrich-Böll-Stiftung mit der Vorstellung des Bodenatlas 2024. Er bündelt Daten, Analysen und politische Einordnungen zur weltweiten Bodennutzung und zeigt, wie eng Fragen von Klima, Biodiversität und Ernährung miteinander verwoben sind. Dabei wird deutlich: Der Verlust fruchtbarer Böden schreitet auch in Europa voran und verschärft globale Nutzungskonflikte.

Workshops: Vertiefung, Perspektivwechsel und Handlungssuche

Am Nachmittag wurden die Themen in vier Workshops weitergeführt und vertieft. Diskutiert wurden:
  • Landrechte indigener Völker am Beispiel Peru
  • Boden und Frieden in Burundi
  • Gemeinwohlorientierte Landwirtschaft und Ernährungssouveränität
  • Konkurrenz zwischen Nahrungs- und Energieerzeugung
Dabei ging es weniger um fertige Lösungen als um die Frage, welche Konsequenzen sich aus den jeweiligen Perspektiven für kirchliches, zivilgesellschaftliches und politisches Handeln ergeben.

Konkretes Handeln und spiritueller Ausblick

Zum Abschluss wurde mit der missio-Aktion „Handys als Kollekte“ eine konkrete Möglichkeit vorgestellt, globale Rohstoffkonflikte im eigenen Alltag zu adressieren. Ein geistlicher Reisesegen sowie ausgewählte Zitate zu globaler Verantwortung rundeten den Strategietag ab.

Fazit

Der ökumenische Strategietag machte deutlich: Boden ist nicht nur Grundlage von Landwirtschaft, sondern ein Schlüsselthema globaler Gerechtigkeit. Seine Nutzung entscheidet über Ernährung, Frieden, Klimaschutz und Zukunftsfähigkeit.
Oder, wie es mehrfach formuliert wurde:
Wer über Boden spricht, spricht immer auch über die Art, wie wir weltweit und zukunftsfähig zusammenleben wollen.