Anfang dieses Jahres besuchte ich als Vertreter unserer Peru-Partnerschaft zwischen den Pfarrgemeinden St. Maria Steinen-Höllstein im Wiesental und San José de Pichcus in Huancayo unsere Partnergemeinde in den peruanischen Anden auf 3.300 Metern Höhe.
Der herzliche Empfang und die überwältigende Gastfreundschaft haben mich erneut tief berührt. Über die mittlerweile 33 Jahre der Partnerschaft hinweg sind durch gegenseitige Besuche enge, freundschaftliche Beziehungen gewachsen – entsprechend groß war die Freude über das Wiedersehen.
Seit meinem ersten Besuch vor 23 Jahren hat sich Huancayo stark verändert. Die Stadt mit ihrem Einzugsgebiet von über 400.000 Einwohnern ist gewaltig in die Höhe gewachsen. Wo früher meist ein- bis zweistöckige Häuser standen, prägen heute mehrstöckige Gebäude und moderne Hochhäuser das Stadtbild. Auch der Verkehr ist explodiert, Staus gehören inzwischen zum Alltag, ähnlich wie in europäischen Großstädten. Also nimmt man auf den ersten Blick großen Fortschritt wahr.
Bei Besuchen in den verschiedenen Zonen der Pfarrei zeigte sich jedoch auch eine andere Realität: Viele Menschen leben weiterhin in großer Armut und unter prekären Bedingungen. Die Pfarrei erstreckt sich vom Stadtzentrum bis in abgelegene Bergregionen auf bis zu 3.900 Metern Höhe. Zahlreiche Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt nach wie vor durch Straßenverkauf oder haben winzige Läden, ohne soziale Absicherung. Eine Kranken- oder Rentenversicherung, wie wir sie kennen, gibt es in der Regel nicht. Vor allem im Alter kann dies zur existentiellen Bedrohung werden, besonders dann wenn die Kinder nicht in der Nähe wohnen und keine feste Arbeit haben.
Hinzu kommt eine oftmals unzureichende Infrastruktur (ärztliche Versorgung, Strom Wasser, Abwasser, Müllentsorgung ….) und kaum existente staatlich Unterstützungsprogramme. Zwar existieren moderne Privatkliniken, gute Privatschulen und Universitäten – sie bleiben jedoch für viele unerschwinglich. Staatliche Einrichtungen sind insbesondere in ländlichen Regionen häufig sehr dürftig ausgestattet oder gar nicht vorhanden. Auf die Folgen der neo-liberalen Wirtschaft, der Globalisierung sowie der starken Korruption muss hier nicht näher eingegangen werden.
Vor diesem Hintergrund entstand gemeinsam mit unseren peruanischen Partnern die Idee für ein neues Projekt: Besonders bedürftige ältere Menschen wollen wir regelmäßig mit Mahlzeiten versorgen. Vor Ort organisieren engagierte Gemeindemitglieder eine „olla solidaria“ (solidarischer Suppentopf). Die finanzielle Unterstützung erfolgt durch unsere Partnerschaftsgruppe in Deutschland.
Während meiner Reise hatte ich zudem die Gelegenheit, die lebendige Partnerschaft von Chupaca mit Ubstadt bei Bruchsal sowie die Partnerschule der Klosterschulen Offenburg kennenzulernen. Vielleicht ergibt sich daraus in Zukunft ja ein fruchtbarer Austausch zwischen den Partnerschaften in der Region Huancayo.
Gustav Albiez, Perukreis Steinen-Höllstein





