Radolfzell/Freiburg. Erzbischof Stephan Burger hat am Aschermittwoch (18.02.) mit Kirchenbesuchern und Kunstschaffenden in der Kirche St. Meinrad in Radolfzell den Beginn der Fastenzeit mit einer liturgischen Vernissage gefeiert. In seiner Predigt sprach er über Heimweh und Sehnsucht – und was es heißt, bei sich selbst zu Hause zu sein. Zudem wurde die Kirche St. Meinrad offiziell als „Kunst.Kultur.Kirche“ der römisch-katholischen Kirchengemeinde Bodensee-Hegau eröffnet.
Sehnsucht nach Heimat und die Suche nach dem, was uns trägt
Seit dem Jahr 2005 tritt die Erzdiözese Freiburg beim „Aschermittwoch der Künste“ in den Dialog mit Kulturschaffenden unterschiedlicher Bereiche. In diesem Jahr setzt die Freiburger Künstlerin Carola Faller-Barris mit ihrer Installation „HEIMWEH“ ein besonderes Zeichen in der Kirche St. Meinrad in Radolfzell. Das Besondere: Ein Großteil der für die Installation verwendeten Stofftaschentücher wurde vorab in der Gemeinde gesammelt – ein Symbol für die gemeinschaftliche Verbundenheit und geteilte Emotionen.
Im Zentrum der liturgischen Vernissage stand neben der Kunst das Gespräch: Dr. Katharina Seifert (Leiterin Fachbereich Kunst, Kultur, Kirche) sprach mit der Künstlerin Carola Faller-Barris über die Symbolik der Taschentücher und ihre Bedeutung im Ganzen der Installation, zu der auch ein hölzernes Ruderboot und im Raum gehisste Segel gehören.
„Etwas, das alle irdischen Erfahrungshorizonte sprengt“
Auch der Erzbischof ging in seiner Predigt auf die Installation der Künstlerin ein. Bezogen auf die Taschentücher fragte er: „Wie viel Tränen und Trauer, der Verzweiflung und der Enttäuschung, aber vielleicht auch der Erlösung, der Erleichterung und der Wiedersehensfreude werden sie aufgenommen haben?“ Das „brennende Gefühl Heimweh“ und Tränen gehörten zusammen, vereint in diesem kleinen Stück Stoff.
Heimweh könne Ausdruck eines Verlusterlebens sein, aus dem die Sehnsucht nach Ruhe und nach Gott erwachsen könne. Es brauche daher Orte der Ruhe, Orte des Zwiegesprächs mit Gott, um wieder Kraft zu schöpfen. Der Erzbischof erinnerte an Paulus, der im Brief an die Philipper schrieb: „Unsere Heimat ist im Himmel.“ Dieser Heimat gelte es mit aller Kraft entgegenzugehen. „Es ist die letzte und eigentliche Sehnsucht“, sagte der Erzbischof, „weil wir noch etwas erwarten dürfen, was alle irdischen Erfahrungshorizonte sprengt“.
Gegenwart im Kirchenraum
Die Künstlerin zeigte sich von der Idee einer Kunst-Kultur-Kirche begeistert. Dadurch komme regelmäßig die Gegenwart in immer neuen Ausdrucksweisen in den Kirchenraum. Dies ermögliche neue Bezugspunkte für die pastorale Arbeit.
Musikalisch gestalteten Kantor Victor Rodriguez an der Orgel sowie Igor Revyakin und das Duo Polina & Serhii Kuperienko (Internationales Gitarrenensemble der Musikschule Radolfzell) den Abend.
„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“
Im Kirchenjahr läutet der Aschermittwoch nach der Fastnacht die 40-tägige Fastenzeit ein. Diese Zeit des Verzichts erinnert an die 40 Tage, die Jesus ohne zu essen in der Wüste zugebracht hat. Der Aschermittwoch dient als Fasten- und Feiertag Katholikinnen und Katholiken dazu, innezuhalten und sich die Vergänglichkeit des Lebens bewusst zu machen.
Beim Asche-Ritus segnet der Priester zu Beginn der österlichen Bußzeit Asche und streut sie auf das Haupt der Gläubigen. Dabei spricht er jedem Einzelnen entweder das Deutewort „Kehre um und glaube an das Evangelium“ oder „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ zu. Dadurch sollen die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher daran erinnert werden, dass ihr Leben vergänglich ist.
(ks/asc)









































