ANTISEMITISMUS

bezeichnet die Gesamtheit antijüdischer Äußerungen, Haltungen, Anfeindungen und Handlungen, egal, welche Motive zugrunde liegen (rassistische, religiöse, soziale, politische oder sonstige). Dazu gehört jegliche Art von direkter oder indirekter, bewusster oder unbewusster stereotypisierender Konstruktion von Menschen als Jüd*innen. Dies geht einher mit Verleumdung, Entwertung, Stigmatisierung, Othering (zu anderen machen) und ist strukturelle Diskriminierung. Strukturelle Diskriminierung ist immer ein Zusammenspiel von verschiedenen Ebenen: individuell und zwischenmenschlich, kulturell und institutionell. Antisemitismus wirkt sich immer auch verschränkt mit anderen Diskriminierungsformen aus (vgl. Intersektionalität). Die meisten Verschwörungsmythen sind durchzogen von antisemitischen Stereotypen und Legendenbildungen, die sich bis in den christlichen Antisemitismus u. a. während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zurückführen lassen.
 
Antisemitismus kann sich innerhalb von Kirche äußern:
-      Papst Benedikt XVI. ließ 2007 den sogenannten „alten“ Ritus wieder zu, in dem am Karfreitag für die Juden gebetet wird: „Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott unser Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen.“
-      Die Ritualmordlegenden (Juden töten in der Osterzeit kleine Kinder und trinken deren Blut) haben ihren Ursprung im 12. Jahrhundert, wirken aber bis heute nach. Motive daraus finden sich auch in aktuellen Verschwörungserzählungen wie QAnon wieder.[1]
-      An zahlreichen Kirchen in Deutschland finden sich heute noch hochmittelalterliche Schmähplastiken, in denen Juden in Verbindung zu dem für sie unreinen Schwein gebracht und in herabwürdigender Weise diffamiert werden. Weitere herabwürdigende Darstellungen finden sich bspw. auch am Freiburger Münster: Ein Wasserspeier, der eine sog. Hauptsünde, den Zorn, zeigen soll und als Mischwesen dargestellt wird (vorne: Mensch, hinten: Löwe mit Schwanz und Tatzen). Der menschliche Teil wird aufgrund der Kopfbedeckung, verbunden mit längerem lockigen Haar als Jude gedeutet. (Bachmann, Michael (2017): Das Freiburger Münster und seine Juden. Historische, ikonographische und hermeneutische Beobachtungen. Regensburg: Schnell + Steiner;  163)