BISEXUALITÄT

bezeichnet eine sexuelle Orientierung, bei der sich Personen von Menschen mindestens zweier (lat. „bi“ = zwei) Geschlechter emotional, romantisch und/oder sexuell angezogen fühlen können. Bisexualität wird oft als Oberbegriff verwendet und umfasst z. B. Pansexualität (emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehung unabhängig von Geschlecht bzw. von Menschen aller Geschlechter, von griech. „pan“ = alle) oder Polysexualität (emotionale, romantische und/oder sexuelle Anziehung von Menschen mehrerer – nicht aller – Geschlechter, von griech. „poly“ = viele). Wie Homosexualität und Asexualtität entspricht Bisexualität nicht den gesellschaftlichen Normalitätsvorstellungen von sexueller Orientierung. Darum sind homosexuelle, asexuelle, bi-, poly- oder pansexuelle Menschen potentiell von struktueller Diskriminierung (Homo- oder Bifeindlichkeit) bedroht.
 
theologische Anknüpfungspunkte finden sich:
Heutige Konzepte von sexueller Orientierung wie z. B. Heterosexualität, Bi- und Homosexualität waren in biblischen Zeiten unbekannt. Wer die Geschichten über König David in den Büchern 1 und 2 Samuel liest, kann allerdings aus einer queertheologischen Perspektive auf die Idee kommen, dass dieser sich heute möglicherweise als bisexuell bezeichnen würde. Nach biblischem Zeugnis war er einerseits mit mehreren (sieben) Frauen verheiratet. Andererseits wird auch seine sehr besondere und intensive Liebe zu Jonatan beschrieben. Die beiden haben laut 1 Samuel 18,1-4 einen (Liebes)Bund miteinander geschlossen, bei dem Jonatan sich David vollständig ausliefert, indem er sich buchstäblich nackt vor ihm macht, denn „Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben“. Der Vater von Jonatan, König Saul, empfindet die Beziehung zwischen den beiden als Schande (1 Sam 20,30: „Du Sohn eines entarteten und aufsässigen Weibes! Ich weiß sehr gut, dass du dich zu deiner eigenen Schande und zur Schande des Schoßes deiner Mutter für den Sohn Isais entschieden hast.“) Als Jonatan stirbt, stimmt David ein Klagelied an: „Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan. / Du warst mir sehr lieb. / Wunderbarer war deine Liebe für mich / als die Liebe der Frauen.“ (2 Sam 1,26)
z. B. Kerstin Söderblom: Qu(e)er gelesen: David und Jonathan, https://www.evangelisch.de/blogs/kreuz-queer/148145/28-03-2018