HETERONORMATIVITÄT

meint die gesellschaftliche Norm und Annahme einer „natürlichen“ Zweigeschlechtlichkeit, in der alle Menschen eindeutig einem der beiden Geschlechter („männlich“ oder „weiblich“) von außen zugewiesen werden könnten. Dabei wird davon ausgegangen, dass Geschlecht an körperlichen Merkmalen abgelesen werden könnte. An die Zuweisung zu einem Geschlecht werden in der heteronormativen Logik bestimmte Verhaltensweisen geknüpft. Dazu gehören u. a. eine innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit „gegengeschlechtliche“ (hetero) sexuelle Orientierung, aber auch anderes geschlechterrollengemäßes Verhalten.
Heteronormativität durchzieht als bestimmende Norm alle gesellschaftlichen Bereiche und Ebenen: Auch Sprache, Normalitätsvorstellungen, Gesetze und Institutionen (wie z. B. die medizinische Einteilung von Körpern in „männliche“, „weibliche“ und „intersexuelle“ Körper, das Gendermarketing in der Marktwirtschaft, die rechtliche Privilegierung der Ehe usw.) sind von ihr geprägt. Heteronormativität bestimmt, welche Verhaltensweisen, Identitäten, Lebensentwürfe, Beziehungskonzepte etc. in unserer Gesellschaft als legitim, plausibel und „normal“ gelten.
Die Grundstruktur der katholischen Kirche ist heteronormativ, was sich u. a. in lehramtlichen Geschlechter- und Sexualitätsnormen sowie der Ämtertheologie widerspiegelt. Als Grundlage dafür wird die Schöpfungsgeschichte in Gen 1 dementsprechend interpretiert („männlich und weiblich schuf er sie“ Einheitsübersetzung). Eine alternative Lesart findet sich hier hier (Schöpfungstext)  und hier (Geschlechtervielfalt und Bibel).
 
Heteronormativität äußert sich in Kirche, z. B. in/durch:
-      die Ansprache „Brüder und Schwestern“  
-      Eheschließung ist nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich
-      Im Katechismus der katholischen Kirche (1997) steht: „Die kirchliche Lehre besagt, dass partnerschaftliche Liebe aufgrund der Schöpfungsordnung nur zwischen Mann und Frau ihren Platz hat.“ (Nr. 2357). Im römischen Dokument Dignitas Infinita (2024) steht: „[Der] fundamentale Unterschied [zwischen den Geschlechtern] ist nicht nur der größtmöglich vorstellbare, sondern auch der schönste und mächtigste: Er bewirkt im Paar von Mann und Frau die bewundernswerteste Gegenseitigkeit und ist somit die Quelle jenes Wunders, das uns immer wieder in Erstaunen versetzt, nämlich die Ankunft neuer menschlicher Wesen in der Welt.“ (Nr. 58).
Die Schriften des synodalen Wegs regen an diese Sichtweisen zu überdenken: Handlungstext Neubewertung von Homosexualität, Handlungstext Segensfeiern
-      In „Ordinatio sacerdotalis“ bekräftigt Johannes Paul II, dass die Weihe grundsätzlich nur für Männer möglich sei, da Jesus nur Männer zu Aposteln berufen habe (Ordinatio Sacerdotalis, 1994. Es wird getrennt in das petrinische (Männern zugeordnet) und das marianische Prinzip, das dem Wesen der Frau entspreche und keine Weihe ermögliche ( L'Osservatore Romano, 2022). Kritik daran wird im Grundtext „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. des Synodalen Weges (2022) deutlich „ (…) Darum ist die Frage an die höchste Autorität in der Kirche (Papst und Konzil) zu richten, ob die Lehre von ‚Ordinatio Sacerdotalis‘ nicht geprüft werden muss: Im Dienst der Evangelisierung geht es darum, eine entsprechende Beteiligung von Frauen an der Verkündigung, an der sakramentalen Repräsentanz Christi und am Aufbau der Kirche zu ermöglichen.“