
geboren um 978 wahrscheinlich in Lothringen
gestorben am 07. Juni 1048 auf der Reichenau
Berno ist der letzte bedeutende Abt des Klosters auf der Reichenau. Er gilt bis heute als einer der vielseitigsten Gelehrten des Mittleralters. In seiner Amtszeit ist das westliche Querhaus des Münsters erbaut worden.
Die genaue Herkunft oder das exakte Geburtsdatum von Berno oder Bern ist nicht bekannt. Eigentlich erstaunlich für einen einflussreichen Kirchenmann, der auch als Autor, Philosoph und Musiker zahlreiche Spuren hinterlassen hat. Einige Quellen nennen die Stadt Prüm bei Aachen als Geburtsort. Gesichert ist dort allerdings nur seine Aufnahme in den Orden der Benediktiner.
Vor 999 ist er zeitweise im Kloster Fleury bei Orléans, wo er als Schüler des berühmten Abbo ausgebildet wird. Und der hat wahrscheinlich Bernos besondere Fähigkeiten für eine ausgesprochen schwierige Aufgabe erkannt.
Um die Jahrtausendwende steht die Reichsabtei Reichenau vor einer inneren Zerreißprobe. Während der Amtszeit von Abt Witigowo (985 – 999) erlebt das Kloster eine Blütezeit. Am Münster entsteht das Langhaus und die Malschule erreicht ihren Höhepunkt. Unter seinem Nachfolger Alawich II. allerdings untersteht die Reichenau der unmittelbaren Aufsicht durch den Papst. Dies wiederum missfällt dem ostfränkischen König Heinrich II., der sich um eine Reform der Klöster im Reich bemüht. Auf seinen Druck hin wird Immo im Jahr 1006 als Abt eingesetzt. Der wird aber von den Mönchen abgelehnt. Ihre Kritik entzündet sich an dem Umstand, dass ihr Wahlrecht vom Kaiser übergangen worden ist. Und sie lehnen sich gegen das straff organisierte Klosterleben auf, das Immo durch die strenge Auslegung der Benediktinerregel durchsetzen will.
Nach zwei Jahren im Amt gibt er auf. Die widerstrebenden Interessen zwischen Kaiser und Papst, geistlichem Leben und politischem Einfluss haben die Ordensgemeinschaft gespalten. Nur ein Kompromisskandidat aus einer anderen Abtei kann den Frieden wieder herstellen.
Bild unten rechts: Am 13. Oktober 1039 weiht Berno die neue Klosterkirche in Einsiedeln. Dafür dichtet und komponiert er das Offizium zu Ehren des heiligen Meinrad.
Und so fällt die Wahl auf Berno. Das Kloster Fleury gilt seit der Mitte des 10. Jahrhunderts als Reformzentrum der Benediktiner. Ab 1008 gelingt es Abt Berno zwischen den Gruppen zu vermitteln und die klösterliche Gemeinschaft behutsam und umsichtig zu erneuern. Außerdem bekommt die Abtei unter seiner Leitung wieder eine solide wirtschaftliche Basis.
Ein besonderes Vorbild ist für Abt Berno die berühmte Gelehrsamkeit der Reichenauer Schule. Darum fördert er nicht nur begabte Mönche wie Hermann von Altshausen, der als Hermannus Contractus oder Hermann der Lahme bis heute als mittelalterliches Universalgenie gilt. Von Berno selbst ist eine reiche Predigtliteratur überliefert, außerdem musiktheoretische Grundlagenwerke zur Ordnung des Kirchengesangs und der Messe, Kompositionen und Lebensberichte von Heiligen. Berno ist bemüht die kultische Bräuche und Handlungen für Außenstehende verständlich zu machen. Er gestaltet den Gottesdienst durch einprägsame Gesänge und lässt seine Predigten aufschreiben und verbreiten. Abt Berno nutzt geschickt die Kommunikationsmittel seiner Zeit und macht die Abtei Reichenau wieder zu einem Zentrum der abendländischen Kultur.

Auch politisch ist Abt Berno aktiv. Im Spätjahr 1013 begleitet er Heinrich II. zur Kaiserkrönung nach Rom. 1024 bemüht er sich um den Ausgleich zwischen den rivalisierenden Fürsten nach dem Tod des Kaisers und unterstützt Konrad II. als Nachfolger. Eine ganz persönliche Beziehung entwickelt er jedoch zu Konrads Sohn Heinrich III., dessen Interesse am geistlichen und schriftstellerischen Schaffen von Abt Berno überliefert ist. Unter dem tiefreligiösen König verschmelzen noch einmal weltliche und geistliche Herrschaft im Reich zu einer Einheit. Zu seiner Krönung im Jahr 1039 schreibt ihm Berno einen langen Brief, in dem er den Herrscher ermahnt, die Kirche zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen und die Reichenau nicht zu vergessen.
Die Bodenseeinsel bezeichnet Berno einmal als einen paradiesisch schönen Ort. Und so bemüht er sich um das brandgeschädigte Münster. Seine Bautätigkeit krönt der Abt mit dem Markuschor, dem westlichen Querschiff der Klosterkirche. Ein Mönch überliefert, dass Kaiser Heinrich III. zwei Jahre nach seiner Krönung persönlich auf die Insel gekommen ist, um am Vorabend des Markusfestes der Weihe durch den Konstanzer Bischof Dietrich beizuwohnen. Nur mit Mühe kann der todkranke Abt die Feierlichkeiten an der Seite des Kaisers durchstehen. Wenige Wochen nach der Abreise des Kaisers stirbt Berno am 7. Juni 1048 im vierzigsten Jahr seiner Amtszeit und wird vor dem Markusaltar im Münster beigesetzt.
Nach dem Tod von Abt Berno kann das Kloster seine weltliche Stellung zwar noch ein Jahrhundert behaupten, ist aber nicht mehr in der Lage, an die wissenschaftliche und kulturelle Glanzzeit anzuknüpfen.
Das Museum auf der Reichenau widmet Berno zu seiner Abtsweihe vor 1000 Jahren eine Sonderausstellung, die ihn als moralische Instanz, als Gelehrten und Musiker würdigt.
Literatur
Bislang existierte keine wissenschaftliche Monographie von Abt Berno. Ebenso fehlte eine Vita dieses bedeutenden Kirchenmannes. Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte hat dies nachgeholt:
Bern von Reichenau; Abt, Gelehrter Biograph; Jan Thorbecke Verlag, 2008, ISBN 978-3-7995-6762-6


