
geboren am 24. Oktober 1904 in Konstantinopel
gestorben am 28. Februar 1945 in Freiburg
Adelheid Testa ist die erste Leiterin der Caritasschwestern gewesen und hat die Entwicklung der Gemeinschaft entscheidend geprägt, obwohl ihre Schaffensphase nur wenige Jahre gedauert hat. Am Anfang steht nicht ein Programm, sondern eine Person: Adelheid Testa, eine moderne, gläubige Frau von großem Format, wie sie Professor Alfons Deissler einmal charakterisiert hat.

Als jüngstes von sieben Kindern kommt Adelheid Testa am 24. Oktober 1904 in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zur Welt. Ihr Vater Carl ist als deutscher Diplomat am türkischen Hof tätig. Die Kinder wachsen in dieser Metropole mehrsprachig auf und werden durch die Eltern zudem religiös geprägt. Vor allem Adelheid entwickelt durch ihre Herkunft aus einer alten Diplomatenfamilie ein weltoffenes und aufgeschlossenes Wesen, das lebenslang ihr Denken und Handeln prägen wird.
Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1911 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges zieht die Familie nach Berlin. Mit 24 Jahren macht Adelheid Testa am dortigen Maria-Viktoria-Krankenhaus eine Ausbildung zur Krankenpflegerin. Ein halbes Jahr nach ihrem Staatsexamen wird sie aufgrund ihrer herausragenden Leistungen als Operationsschwester eingesetzt. Doch bereits wenige Monate später zwingt sie die Erkrankung einer Hand zu einem beruflichen Wechsel. An der Sozialen Frauenschule des Katholischen Deutschen Frauenbundes lässt sich Testa nun zur Fürsorgerin ausbilden. Wie schon in der Krankenpflege werden ihr auch in dieser Tätigkeit außergewöhnlich gute Leistungen bescheinigt. Sie beschäftigt sich intensiv mit berufskundlichen, aber auch ethischen und religiösen Fragen. Immer mehr erkennt Adelheid Testa, dass die Hilfe zur Selbsthilfe den eigentlichen Erfolg ihrer Arbeit bestimmt.

Mehrere Jahre arbeitet sie am Gesundheitsamt Berlin-Charlottenburg. Als Referentin für Erb- und Rassenfragen erlebt die junge Frau das menschliche und sittliche Elend der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Unter anderem gehört die Fürsorge und Kontrolle von Prostituierten zu ihren Aufgaben. Die Hilfe geht für Testa weit über das rein Dienstliche hinaus und bildet die Grundlage für ein persönliches Vertrauensverhältnis zu den Frauen.
Als 1937 die Reichsgemeinschaft freier Caritasschwestern gegründet wird, sucht Caritas-Präsident Benedikt Kreutz eine qualifizierte Leiterin. Er will die Krankenschwestern dem Einfluss nationalsozialistischer Organisationen entziehen. Adelheid Testa erhält wegen ihrer besonderen Qualifikationen und Fähigkeiten ein Angebot aus Freiburg an und beginnt am 01. November 1938 ihren Dienst an der Zentrale in Freiburg. In dieser Aufgabe findet die 34-jährige ihre zukunftsweisende Berufung. Als Schwester der Schwestern, wie sie sich einmal bezeichnet, beeindruckt Testa die Mitarbeiter durch Menschlichkeit, Humor und unermüdliche Schaffenskraft.
Zu den wichtigsten Aufgaben gehört das Werben für die Schwesternschaft und so reist sie auch nach Kriegsbeginn durch das gesamte Reichsgebiet, spricht vor Schülerinnen und Krankenschwestern und entwickelt ein umfassendes Berufsbild. Adelheid Testa strebt unter anderem ein Fortbildungszentrum für nicht ordensgebundene katholische Schwestern an, das allerdings erst 30 Jahre später im Adelheid-Testa-Haus verwirklicht werden kann.
Immer öfter kommen Ausgebombte, Bedürftige und Verfolgte in ihr Büro, denen Testa fast immer helfen kann. Durch sicheres Auftreten und humorvolle Schlagfertigkeit erreicht sie häufig, was auf dem normalen bürokratischen Weg nicht möglich ist.
Den weiteren Aufbau der Caritas-Schwesternschaft hat sie zwar nicht mehr aktiv erlebt, aber durch ihr weitsichtiges Engagement entscheidend vorbereitet. In den ersten Nachkriegsjahren geht es überall darum, die Not zu lindern. Trotz ungenügender arbeitsrechtlicher Absicherung, mangelnder Freizeit und fehlender Altersversorgung übernehmen die Schwestern diese Aufgabe.
Unermüdlich besucht sie die diözesanen Caritasverbände, obwohl alle Reisen im fortschreitenden Krieg mit besonderen Gefahren verbunden sind. Noch im Februar 1945 macht sich Adelheid Testa im dienstlichen Auftrag auf den Weg nach Berlin, wo sie die Gelegenheit nutzen will, ihre betagte Mutter in Sicherheit zu bringen. Die Rückreise verläuft jedoch äußerst beschwerlich, weil Züge nur unregelmäßig verkehren und zudem mit Flüchtlingen überfüllt sind. Als die beiden Frauen nach einer Woche endlich in Freiburg ankommen, können sie bei einer befreundeten Familie eine Rast einlegen. Ausgerechnet dieses Haus wird bei einem Fliegerangriff am 28. Februar 1945 als einziges in der Straße von einer Bombe getroffen. Adelheid Testa stirbt, noch ehe sie aus den Trümmern befreit werden kann.
Den weiteren Aufbau der Caritas-Schwesternschaft hat sie zwar nicht mehr aktiv erlebt, aber durch ihr weitsichtiges Engagement entscheidend vorbereitet. In den ersten Nachkriegsjahren geht es überall darum, die Not zu lindern. Trotz ungenügender arbeitsrechtlicher Absicherung, mangelnder Freizeit und fehlender Altersversorgung übernehmen die Schwestern diese Aufgabe. 1947 wird die Reichsgemeinschaft in Caritas-Schwestern umbenannt und die Leitung liegt in den Händen einer gewählten Oberin.In den 60er Jahren beginnt das Engagement im Ausland. Zeitgleich entsteht das Adelheid-Testa-Haus in Freiburg als zentrales Fortbildungsinstitut für katholische Krankenschwestern.

Mittlerweile heißt diese Einrichtung Caritas Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe. Das Fort- und Weiterbildungsangebot richtet sich an alle, die im Gesundheitswesen oder der Altenhilfe engagiert sind. Die heutige Caritas-Gemeinschaft für Pflege- und Sozialberufe e.V. will Alten-, Kinder- und Krankenpflege am christlichen Menschenbild ausrichten. Sie fördert bei ihren 2500 Mitgliedern neben der beruflichen Qualifizierung wichtige Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz, Empathie und Teamgeist.
Literatur
- Elisabeth Mendéra, Adelheid Testa 1904 – 1945, Festschrift zum 80. Geburtstag von Adelheid Testa, 1984
- Pflege in Unruhezeiten Entwicklung in die Zukunft, Publikation über die Fachtagung zum 100. Geburtstag von Adelheid Testa, 2004


