
gestorben am 24. Dezember 1983 in Freiburg
Alfons Erb gehört zu den Pionieren der christlich motivierten Friedensarbeit in Europa. Als Journalist und Publizist hat er sich unermüdlich für die Versöhnung und Verständigung zwischen den verfeindeten Völkern engagiert. Aus seiner Initiative ist 1973 das Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg entstanden, das bis heute Überlebende der Konzentrationslager unterstützt.
Als Sohn eines Architekten erlebt Alfons Erb in seiner Kindheit und Jugend die Folgen des Ersten Weltkrieges im Ruhrgebiet. Vor allem die Besetzung durch belgische und französische Truppen, die galoppierende Inflation und die inneren Unruhen nach der Gründung der Weimarer Republik lassen ihn zu einem 'glühenden Nationalisten' werden, wie Erb es einmal formuliert hat. Die entscheidende Wende in seinem Leben erfährt er 1923, als im französischen Parlament der Abgeordnete Marc Sangnier niedergeschrieen wird, weil er sich gegen die Besetzung des Ruhrgebietes ausgesprochen hat.
Sangnier stellt sich mutig gegen die öffentlich herrschende Meinung und ruft zur Versöhnung mit dem sogenannten 'Erbfeind' auf. Alfons Erb ist nach einer persönlich Begegnung mit dem Parlamentarier derart beeindruckt, dass er sich nach eigenem Bekunden zu einem 'glühenden Pazifisten' wandelt.
Neben dem Studium der Volkswirtschaft engagiert sich Erb ab 1929 als Redakteur bei der pazifistischen Zeitschrift 'Vom frohen Leben' in Berlin. Diese wird als erste katholische Publikation 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Drei Jahre später – Erb ist mittlerweile beim Berliner Kirchenblatt untergekommen – ist der Pazifist einige Monate in Gestapo-Haft. Nach dem Verbot der Kirchenzeitung holt Bischof Konrad von Preysing den 31-jährigen als Pressereferenten ins Ordinariat. Erb entwickelt in dieser Zeit neue Informationswege für die Kirche und schreibt viele Bücher, wird aber 1940 als Sanitäter zum Militär eingezogen.
Nach Kriegswende knüpft Alfons Erb sofort wieder an sein pazifistisches Engagement an und gründet mit dem französischen Jesuiten Jean de Riveau in Offenburg die erfolgreiche zweisprachige Zeitschrift 'Dokumente'. Ab 1949 leitet er die Pressestelle des Deutschen Rates der europäischen Bewegung in Bonn, wird zu einem der Gründerväter von Pax Christi und trägt wesentlich zum Entstehen des Hilfswerkes Misereor bei. Ab 1955 leitet Alfons Erb die Presseabteilung beim Deutschen Caritasverband in Freiburg.
Während des großen Auschwitz-Prozesses in Frankfurt organisiert Alfons Erb in der Pfingstwoche 1964 eine Sühnewallfahrt in das KZ Auschwitz. Es ist die erste deutsche Pax-Christi-Gruppe überhaupt, die von den polnischen Behörden eine Reiseerlaubnis erhält. 'An dieser grauenhaften Stätte', wie der Pazifist einmal erzählt hat, trifft Alfons Erb ehemalige KZ-Häftlinge, die völlig verarmt sind. Aus dieser Begegnung entsteht die Idee für eine Solidaritätsaktion mit den von Nationalsozialisten geschundenen Menschen in Polen.
Anfangs sucht Alfons Erb nach privaten Spendern für einzelne Menschen, um ihnen das Leben in Polen ein wenig zu erleichtern. Rasch aber wird deutlich, dass Tausende KZ-Überlebende auf Hilfe angewiesen sind. Daher gründen am 19. Oktober 1973 das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und 13 Verbände das Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg. Alfons Erb wird erster ehrenamtlicher Geschäftsführer. Unermüdlich erinnert der Vorkämpfer für die Versöhnung an das Schicksal der KZ-Überlebenden.

1982 übernimmt Elisabeth Erb nach dem Ausscheiden ihres Vaters die Geschäftsführung beim Maximilian-Kolbe-Werk. Sie motiviert ehrenamtliche Helfer in Polen, die überall Sachspenden sortieren, Medikamente, Lebensmittel und Geldspenden verteilen. In Deutschland organisiert das Maximilian-Kolbe-Werk Erholungsaufenthalte für ehemalige KZ-Häftlinge und vermittelt Begegnungen zwischen Jugendlichen und den Zeitzeugen.
Noch heute sind mehr als 30 000 KZ-Überlebende in Polen und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf die Unterstützung durch das Maximilian-Kolbe-Werk angewiesen. Mit einer neu gegründeten Maximilian-Kolbe-Stiftung will das Werk den Versöhnungsgedanken seines Gründers in die Zukunft tragen.
Literatur
- Das Maximilian-Kolbe-Werk – Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung 1960-1989, Verlag Ferdinand Schöningh 2006, ISBN 13: 978-3-506-72975-0
- Maximilian-Kolbe-Werk 30 Jahre im Dienst der Versöhnung, Dialog-Verlag Münster 2002, erhältlich über das Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg


