
Geboren 28.05.1881 in Riedböhringen bei Blumberg
Gestorben 16.11.1968 in Rom
Kurienkardinal, Wegbereiter der Ökumene
Augustin Kardinal Bea gilt als eine der markanten Persönlichkeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Unermüdlich hat er sich für die Einheit der Christen eingesetzt und die Beziehung der katholischen Kirche zu den Juden verbessert.
Schon in der Volksschule in Riedböhrigen sind Lehrer und Pfarrer auf die außerordentliche Begabung von Augustin Bea aufmerksam geworden und haben seine weitere Ausbildung unterstützt. Im Jahr 1900 besteht er sein Abitur mit Auszeichnung und beginnt sofort mit dem Theologiestudium in Freiburg. Zwei Jahre später kann er einen lang gehegten Wunsch verwirklichen und im niederländischen Blijenbeek in die Societas Jesu eintreten. Auch bei den Jesuiten werden Beas Fähigkeiten rasch erkannt und der Orden überträgt ihm wichtige Aufgaben. Nach der Wiederzulassung der Jesuiten in Deutschland wird Augustin Bea 1921 erster Provinzial der Oberdeutschen Provinz. Aus diesem Amt heraus erfolgt 1924 der Ruf als Professor für biblische Theologie an die Päpstliche Universität Gregoriana und das Päpstliche Bibelinstitut, dessen Leiter er 1930 wird. Bea erneuert die Bibelwissenschaften, wird in verschiedene römische Kongregationen und zum Beichtvater von Papst Pius XII. berufen.
Am 14. Dezember 1959 erfolgt die Erhebung zum Kardinal durch Papst Johannes XXIII., der ihn wenige Monate später zum ersten Präsidenten im neu geschaffenen Sekretariat (heute: Päpstlicher Rat) für die Einheit der Christen ernennt. Mit 78 Jahren übernimmt der deutsche Kurienkardinal eine Aufgabe, in die er seine internationale Erfahrung und seine wissenschaftliche Kenntnis gleichermaßen einbringen kann.
Bea und das Einheitssekretariat nehmen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Katholiken zur Teilnahme am ökumenischen Werk aufruft.
Mit dem Dekret zum Ökumenismus wird die Basis für eine neue Beziehung zu den anderen christlichen Konfessionen geschaffen. Besondere Verdienste erwirbt sich Kardinal Bea um den Dialog mit der Orthodoxen Kirche. Er verliest bei der letzten öffentlichen Sitzung des Konzils am 07. Dezember 1965 für die Öffentlichkeit völlig überraschend das Breve von Papst Paul VI., mit dem die Bannbulle aus dem Jahr 1054 aufgehoben wird. Die entscheidende Vorarbeit dafür hat Bea mit seinem Besuch bei Patriarch Athenagoras in Istanbul im April 1965 geleistet.
Augustin Kardinal Bea bemüht sich aber auch um ein neues Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen. Eine Kommission, die sich um eine religiöse Beziehungen zu den Juden bemüht, kommt zwar erst 1974, aber sie hat den gleichen Vorsitzenden wie der Einheitsrat.
Seit dem Tod von Augustin Kardinal Bea am 16. November 1968 hat die Ökumene viele Fortschritte gemacht. Sein Verdienst besteht in der Pionierarbeit, mit der die Jahrhunderte lange Trennung der Christen ihr Ende gefunden hat.
Im Geburtsort des visionären Kardinals erinnert ein ungewöhnliches Museum an den großen Vertreter der jüngeren Kirchengeschichte. Das Erzbistum Freiburg hat 1988 sein Geburtshaus gekauft und zeigt dort unter anderem Fotos und Texte Beas, sowie Urkunden. Außerdem kann man Geschenke für Kardinal Bea aus aller Welt besichtigen, wie z.B. eine hebräisch und englisch geschriebene Bibel mit Silberbeschlag, Ikonen, Schmuckteller, vom Vatikan geprägte Münzen und vieles mehr. Natürlich sind auch Gewänder und der Kardinalshut mit 15 Quasten ausgestellt.
Kardinal-Bea-Museum
Eschacher Str. 14
78176 Blumberg, Ortsteil Riedböhrigen
Besichtigung nach Voranmeldung im Pfarramt unter Tel.: 07702/664 oder bei Stefanie Degen unter Tel.: 07702/477791
Literatur
- Gudrun Griesmayr, Die eine Kirche und die eine Welt Die ökumenische Vision Kardinal Augustin Beas, 1997, ISBN 3-631-31336-5
- Eva M. Jung-Inglessis, Kardinal Bea: sein Leben und sein Werk, EOS-Verlag, 1994, ISBN: 3-88096-997-3
- Bernd Mathias Kremer, Augustin Kardinal Bea. Zum Lebenswerk des Kardinals der Einheit und zum Kardinal-Bea-Museum in Riedböhringen, Sonderdruck aus: Freiburger Diözesanarchiv, 123. Band, 2003
- Bernd Mathias Kremer, Augustin Kardinal Bea - Vorkämpfer der Ökumene und Aussöhnung mit den Juden, aus: Freiburger Rundbrief 2/2006, ISSN 0344-1385, Bezug unter www.freiburger-rundbrief.de
Predigt von Walter Kardinal Kasper in der Pfarrkirche Riedböhringen aus Anlass des 125. Geburtstages von Augustin Bea:


