
Geboren am 1. April 1872 in Meßkirch
Gestorben am 14. Februar 1948 in Freiburg
Priesterweihe am 28. Oktober 1897 in Rom
Inthronisation als Erzbischof am 20. Juni 1932
Im kleinstädtisch-ländlichen Meßkirch verlebte Conrad Gröber, Sohn des Schreinermeisters Alois Gröber und seiner Frau Martina geb. Jörg, eine behütete Kindheit. Seine Begabung war vielversprechend, die finanziellen Verhältnisse der Familie erlaubten, den Sohn auf die höhere Schule und dann zum Studium zu schicken, so nahm sein Lebensweg schon früh den Verlauf in Richtung auf den geistlichen Beruf. Knabenkonvikt (Konradihaus) und Gymnasium in Konstanz schufen die Grundlage und der Rektor des Konradihauses erkannte die Situation erstaunlich scharfsichtig, wenn er in seiner Abschlussbeurteilung schrieb, aus ihm könne, wenn man ihn richtig behandle, "etwas Tüchtiges werden".
Theologie studierte Conrad Gröber zunächst kurz in Freiburg, anschließend dann im Germanikum zu Rom. Gröbers "römische Jahre", an die er später immer wieder gerne zurückdachte, endeten mit der Priesterweihe 1897 und der theologischen Promotion im Frühsommer 1898. Erste Erfahrungen in der Seelsorge machte er als Vikar in Ettenheim und in der Karlsruher St. Stephanspfarrei. Von August 1901 bis September 1905 leitete er das Konradihaus, das er rund ein Jahrzehnt zuvor als Abiturient verlassen hatte. Am 1. Oktober 1905 wurde er Pfarrer der Konstanzer Dreifaltigkeitspfarrei und profilierte sich rasch als politisch engagierter und kämpferischer Seelsorger. Bekanntheit weit über Konstanz hinaus erlangte er durch sein umfangreiches publizistisches Schaffen zu theologischen und kunsthistorischen Themen sowie durch die nach damaligen Maßstäben mustergültige Renovation "seiner" Pfarrkirche, der ehemaligen Augustinerkirche.
Am 9. Juli 1922 wurde Conrad Gröber Münsterpfarrer in Konstanz. In seiner Amtszeit – die nur knapp drei Jahre währte – gelang es ihm, die längst überfällige Renovation der ehemaligen bischöflichen Kathedrale durchzuführen. Zudem organisierte er im Jahr 1923 das Konradsjubiläum, die 800-Jahr-Feier der Heiligsprechung des früheren Konstanzer Bischofs. Im Mai 1925 wurde er als Domkapitular in die Freiburger Kirchenregierung berufen. Hier war er als Referent für Liturgie und Kirchenmusik und somit auch für die dringend notwendige Überarbeitung des Diözesangesangbuchs "Magnificat" zuständig. Besonders eindrücklich – und wohl auch für die weitere Karriere von Nutzen – war für ihn die Rundreise durch den Schwarzwald, die er im Jahr 1929 zusammen mit dem Apostolischen Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., unternahm. Als Domkapitular gestaltete er auch den Beginn des Medienzeitalters in der Seelsorge von Anfang an aktiv mit und übernahm Ende 1926 für den Sender Freiburg des Südfunks Stuttgart das Amt des Rundfunkpredigers.
Am 1. Februar 1931 wurde Conrad Gröber im Freiburger Münster von Erzbischof Karl Fritz, Weihbischof Wilhelm Burger und seinem Freund aus römischen Tagen, dem Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried, konsekriert, nachdem Papst Pius XI. ihn zum Bischof von Meißen ernannt hatte. Sein Gastspiel in der sächsischen Diaspora war nur kurz, denn schon am 20. Juni 1932 war er zur feierlichen Inthronisation als Erzbischof wieder in Freiburg. Vorangegangen war eine kirchenrechtlich umstrittene Aktion, mittels der ihn der Heilige Stuhl am 21. Mai 1932 unter Aufhebung des Wahlrechts des Domkapitels nach Freiburg transferiert hatte.
Hier hatte Conrad Gröber von Anfang an nicht nur Freunde. Seine Gegner, zu denen außer einem einflussreichen Mitglied des Domkapitels auch sein inzwischen als "Volksschriftsteller" tätiger Karlsruher Mitvikar Heinrich Mohr gehörte, schreckten nicht davor zurück, die Nazis für ihre Anti-Gröber-Zwecke einzuspannen und den berüchtigten Julius Streicher mit verunglimpfendem Material zu munitionieren.
Erzbischof Gröber erlangte rasch geradezu legendäre Berühmtheit als Redner. Ältere Menschen, die ihn in ihren jungen Jahren noch erleben konnten, erinnern sich daran, wie spannend und beeindruckend seine Predigten waren. Heute scheint es nur schwer vorstellbar, dass Menschen zu Tausenden zusammenströmen, um sich stehend eine anderthalb- oder zweistündige Predigt anzuhören. Doch wenn Erzbischof Conrad Gröber predigte, dann langweilten sich die teils von weither angereisten Zuhörer keine Sekunde und unterbrachen die Ansprache bisweilen spontan mit Applaus oder Begeisterungsrufen – vor allem dann, wenn er die anwesenden Gestapospitzel dazu aufforderte, besonders genau hinzuhören.
Neben seiner rhetorischen hatte Conrad Gröber auch eine schriftstellerische Begabung: Außer einer Fülle von kleineren Beiträgen und mehr als 150 teilweise sehr umfangreichen Hirtenbriefen verfasste er fast 50 Bücher und Broschüren, deren Themenspektrum von einem Fortsetzungsroman mit dem Titel "So ging er zu Grunde" bis zu "Der Gottesmann. Die Priesterpersönlichkeit nach der Heiligen Schrift und Geschichte" reichte.
Als Oberhirte verfocht er einmal als richtig erkannte Positionen nachdrücklich und engagierte sich mit unbedingtem Einsatz für Aufgaben, die ihm notwendig erschienen.
Gröber war jedoch auch bekannt für seine temperamentvolle Art, die ihn mitunter unberechenbar machte und ihm den Spitznamen "Conrad der Plötzliche" einbrachte. Auch konnte er sich nur schwer unterordnen und war nicht frei von Starallüren – seinen stets auf Einmütigkeit bedachten Amtsbrüdern in der Fuldaer Bischofskonferenz bereitete er dadurch nicht selten Kopfzerbrechen. Theologisch war er eher rückwärtsgewandt und neigte dazu, Neuerungen entweder gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen oder sie vorschnell als verfehlt abzutun.
Erzbischof Conrad Gröber starb wenige Monate nach seinem goldenen Priesterjubiläum, am 14. Februar 1948. Zwischen 30.000 und 40.000 Menschen, so wurde seinerzeit geschätzt, kamen in den folgenden Tagen ins Erzbischöfliche Ordinariat, um Abschied von ihrem in der Hauskapelle aufgebahrten Oberhirten zu nehmen. Auch an der Beisetzung am 20. Februar 1948, die Kardinal Frings von Köln vornahm und bei der Bischof Stohr von Mainz die Predigt hielt, nahmen die Katholiken der Erzdiözese Freiburg überaus zahlreich teil. Die Trauer um den geliebten Erzbischof war groß und die düstere Stimmung, die bei der Feierlichkeit herrschte, stand in eigentümlichem Gleichklang mit dem traurigen Anblick der in Trümmern liegenden Häuser rund um den Freiburger Münsterplatz.
Aktueller Forschungsstand zur Rolle Gröbers 1933-1945
Die Rolle Gröbers im Dritten Reich ist und bleibt umstritten. Historiker können sich anhand der vorhandenen Aktenlage trotz jahrzehntelanger intensiver Diskussion auf kein abschließendes Urteil darüber einigen, ob und wie sehr er der nationalsozialistischen Ideologie zugetan war. Unbestritten ist, dass er immer wieder dagegen protestierte. Sein Verhalten in den Jahren 1933 – 1945 lässt sich vielleicht am besten als ambivalent beschreiben, da es sowohl Belege für Zustimmung zu Teilen der NS-Politik als auch für entschiedene Ablehnung gibt.
Nachgewiesen ist, dass er der Machtübertragung an die Nationalsozialisten öffentlich begeistert zustimmte und bereits 1934 dem Förderverein der SS beitrat. Belegt sind zudem teilweise wüst judenfeindliche Äußerungen. Sehr umstritten ist auch seine Rolle beim Prozess gegen den Freiburger Diözesanpriester Max Josef Metzger, der am 17. April 1944 hingerichtet wurde: Gröber versuchte zwar, Metzgers Begnadigung zum Fronteinsatz zu erreichen, bedauerte jedoch in einem Brief an den Reichsjustizminister zugleich dessen „Verbrechen aufs Tiefste“. Nicht endgültig geklärt ist sein Verhältnis zu der jüdischen Konstanzer Juristin Dr. Irene Fuchs und seine Rolle dabei, dass sie wiederholt durch die Gestapo verhört wurde und schließlich über die Schweiz nach England fliehen musste.
Gleichzeitig protestierte Gröber öffentlich gegen das Programm der Nationalsozialisten zu Zwangssterilisierung und Euthanasie und unterstützte Gertrud Luckner bei ihren Rettungsaktionen für Juden. Zugute gehalten wird ihm seine bedingungslose und immer wieder öffentlich artikulierte Verteidigung der gesamten christlichen Lehre gegen die NS-Ideologie.
Ein differenzierteres Bild lässt sich eventuell nach der wissenschaftlichen Auswertung von Gröber-Akten in den vatikanischen Archiven erstellen, die jedoch noch aussteht. Doch auch dann wird es vermutlich nicht die endgültige „Wahrheit“ über Conrad Gröber geben, sondern unterschiedliche, vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters abhängige Sichtweisen.


