Erzbischof Eugen Seiterich

 

geboren am 09. Januar 1903
gestorben am 08. März 1958

Erzbischof von Freiburg (1954 - 1958)

In den frühen Morgenstunden des 3. März 1958 verstarb in Freiburg Erzbischof Eugen Seiterich im Alter von nur 55 Jahren. Mit seinem selbst für die engsten Angehörigen überraschenden Tod waren die Hoffnungen dahin, die so viele Menschen auf sein Episkopat gesetzt hatten, nicht allein seines geradezu jugendlichen Alters wegen – kein früherer Freiburger Oberhirte war beim Amtsantritt so jung gewesen.



Eugen Seiterich war bekannt als hoch gebildeter Theologe, er war ein bewährter und beliebter Lehrer und hatte schon als Weihbischof die Menschen durch sein unkompliziertes Auftreten und seinen immer wieder aufblitzenden Humor für sich einzunehmen verstanden. Eugen Seiterich, so schien es, war in den Wirtschaftswunderjahren die Idealbesetzung für das Amt des Erzbischofs und vereinte in seiner Person viele der Tugenden, die den rasanten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands möglich machten. Tatsächlich aber verblieben ihm nur dreieinhalb Jahre im Amt, in denen er nicht allzu viel Gelegenheit hatte, die kirchenpolitische und theologische Entwicklung in der Erzdiözese zu prägen.
 

Geboren wurde Eugen Seiterich am 9. Januar 1903 in Karlsruhe als ältester Sohn des großherzoglichen Hofkutschers Franz Seiterich und seiner Ehefrau Adelheid geb. Müller. In seiner Kindheit soll er ein echter, stets zu Streichen aufgelegter Karlsruher Lausbub gewesen sein, der sich unsinnige Zumutungen nicht gefallen ließ und heftig aufbegehren konnte, wenn sein Gerechtigkeitsempfinden verletzt wurde. Er diente viele Jahre lang als Ministrant in der Pfarrei St. Bernhard, und schon als Kind soll er tief schürfende Fragen nach den letzten Dingen gestellt haben, mit denen er seine Eltern und Lehrer nicht selten in Verlegenheit brachte. Als Schüler wie als Student fiel Eugen Seiterich durch Begabung und überdurchschnittliche Leistungen auf. Seine Zeugnisse waren durchweg glänzend, und wer immer ihn zu beurteilen hatte, prophezeite ihm eine große Zukunft.

Nach dem Abitur 1921 am Karlsruher Goethegymnasium studierte er in Freiburg und wurde am 19. März 1926 von Erzbischof Karl Fritz zum Priester geweiht. Es folgten Aufgaben als Vikar in der praktischen Gemeindeseelsorge in Baden-Baden, Neustadt/Schwarzwald und Heidelberg sowie – stärker theoretisch ausgerichtet – im "Erzbischöflichen Missionsinstitut" (heute: Erzbischöfliches Seelsorgeamt), ehe er im Oktober 1930 Repetitor am Collegium Borromaeum wurde. Daneben verfolgte er die wissenschaftliche Laufbahn, zu der ihn Erzbischof Karl Fritz bestimmt hatte, weiter, wurde 1930 zum Dr. phil., 1935 zum Dr. theol. promoviert und habilitierte sich 1938 an der Freiburger Theologischen Fakultät. Eine Universitätskarriere war ihm unter dem Naziregime nicht möglich, statt dessen ernannte Erzbischof Conrad Gröber ihn am 29. Oktober 1938 zum Professor am Priesterseminar St. Peter, wo er am 1. September 1945 zudem das Amt des Subregens übernahm. Im Herbst 1947 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Freiburg, und am 1. November 1949 wurde er ordentlicher Professor für Apologetik und Religionswissenschaft.

Nur wenige Semester blieben ihm für Forschung und Lehre. Bei den Studenten war er beliebt und konnte mit seinen Vorlesungen über Glaubensfragen auch Hörer anderer Fakultäten ansprechen. Ein Großteil seiner rund 200 wissenschaftlichen Publikationen entstand in diesen Jahren, doch der geplanten Zusammenfassung in einem Lehrbuch der Fundamentaltheologie kam seine Ernennung zum Weihbischof durch Papst Pius XII. zuvor – konsekriert wurde er am 3. September 1952 im Freiburger Münster.

Nach rund eineinhalbjähriger "Lehrzeit" als Bischof kam die nächste Herausforderung auf Eugen Seiterich zu. Am 28. April 1954 starb Erzbischof Wendelin Rauch im Alter von 68 Jahren. Das Metropolitankapitel wählte Eugen Seiterich am 27. Juli 1954 zum Erzbischof, Papst Pius XII. bestätigte die Wahl wenige Tage darauf, und am 21. September 1954 schließlich fand im Freiburger Münster seine feierliche Inthronisation als Erzbischof und Metropolit der Oberrheinischen Kirchenprovinz statt.
Vieles hat Eugen Seiterich in seiner kurzen Amtszeit angestoßen oder angeregt, doch nur Weniges zum Abschluss bringen können. Fertig gestellt wurde etwa der Einheitskatechismus, der die hergebrachten Schüler- und Erwachsenenkatechismen ersetzen sollte, ebenso wie die Neuauflage des Gesangbuches "Magnificat". Für den Auftrag, als Bischof zugleich oberster Lehrer in seinem Bistum zu sein, war Eugen Seiterich mit seiner reichen praktischen Erfahrung ideal geeignet. Sein Hirtenamt nahm er vor allem durch die Pflege persönlicher Kontakte wahr. Durch seine unaufdringlich-bescheidene Wesensart und seine Fähigkeit, sich gelegentlich humorvoll von Ernst und Würde seines Amtes zu distanzieren, vermochte er es, Menschen für sich einzunehmen.

Wichtigste Aufgabe war für ihn die "Seelsorge der Seelsorger", erblickte er doch darin "das wirksamste Mittel, das Reich Gottes zum Wachsen und zur Entfaltung zu bringen" (Franz Vetter). Weitere zentrale Anliegen waren ihm die Aussöhnung mit Frankreich – die er freilich nur im Anfangsstadium erleben durfte – und die christliche Nächstenliebe, der er sich nicht nur als Protektor des Deutschen Caritasverbandes verpflichtet sah. Den rasanten Aufschwung, den das kirchliche Bauwesen in der Erzdiözese seit den späten 1950er Jahren nahm, hat Eugen Seiterich sehr gewünscht und nach Kräften gefördert. In allem, was er unternahm oder anregte, war er stets zu vernünftigen Kompromissen bereit, ließ jedoch niemals Zweifel daran zu, dass es katholische Standpunkte gab, die er keinesfalls aufgeben würde.

Eine umfassende Bibliographie seiner Publikationen findet sich online auf den Webseiten der Universitätsbibliothek Freiburg.  

Literatur

  • Karl-Heinz Braun: Seiterich, Eugen Viktor Paul, in: Erwin Gatz (Hrsg.): Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1945-2001. Berlin 2002, S. 215-217 (hier als Sonderdruck im PDF-Format abrufbar)
  • Christoph Schmider: Erzbischof Eugen Seiterich (1903-1958), in: Die Freiburger Bischöfe. 175 Jahre Erzbistum Freiburg. Eine Geschichte in Lebensbildern. Freiburg 2002, S. 159-165.
  • Ludwig Seiterich: Verglüht sind die Sterne, verklungen die Lieder. Erinnerungen. Dörzbach 1968.