
geboren am 19. Dezember 1846 in Waldstetten
gestorben am 27. Juli 1920 in Freiburg
Priesterweihe am 24. Juli 1870
Inthronisation als Erzbischof am 29. September 1898
Thomas Nörber ist der einzige unter den Freiburger Erzbischöfen, der ins Amt berufen wurde, ohne vorher schon eine kirchliche oder wissenschaftliche Karriere hinter sich gebracht zu haben. Nach beinahe zwanzig Dienstjahren als Vikar und Pfarrverweser, unter anderem in Mannheim und Baden-Baden-Lichtental, wurde er im Jahr 1889 Pfarrer der kleinen Pfarrei Tiergarten im Renchtal (heute Ortsteil von Oberkirch). 1891 kam er auf Bitten der Frauen vom Heiligen Grab als deren Klosterpfarrer nach Baden-Baden. Zugleich leitete er die von den Klosterfrauen betriebene Mädchenschule. Völlig überraschend wählte ihn das Domkapitel am 2. August 1898 zum Erzbischof von Freiburg.
Bis heute ist nicht ganz klar, warum die Wahl auf diesen einfachen, in der Öffentlichkeit völlig unbekannten Pfarrer fiel. Ein Grund war sicherlich, dass der kirchenpolitisch nicht "vorbelastete" Nörber von der badischen Landesregierung akzeptiert wurde. Ebenfalls eine Rolle spielte wohl die Hoffnung mancher Domkapitulare, unter einem vermeintlich schwachen und politisch unerfahrenen Oberhirten die Kirchenleitung selbst in die Hand nehmen zu können.
Thomas Nörbers anfängliche Befürchtung, er sei der Aufgabe nicht gewachsen, war mittlerweile der Überzeugung gewichen, seine Wahl sei nichts anderes als die Verwirklichung des göttlichen Willens. Er entwickelte ungeahnte Führungsqualitäten und stellte sich mit großer Energie den Herausforderungen, vor denen die Seelsorge zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand. Dabei setzte er auch umstrittene Vorhaben durch, wobei ihn Schwierigkeiten offenbar geradezu anspornten.
Mit den Auseinandersetzungen um die allgemeine Kirchensteuer hatte er zwar kaum zu tun, sondern vollzog lediglich ihre Einführung, aber eine der ersten aus Kirchensteuermitteln getätigten Investitionen verantwortete er sehr wohl – den Bau des Ordinariatsgebäudes in den Jahren 1903 bis 1906. Auch zahlreiche Kirchen wurden in seiner Regierungszeit gebaut, neue Pfarreien und Kuratien sowie die Stadtdekanate Freiburg, Karlsruhe und Mannheim errichtet. Daneben wurde ein Pensionsfonds für den Klerus gegründet, die Dekanate erhielten einheitliche Statuten und die Durchführung der Pfarr- und Kirchenvisitationen wurde neu geregelt.

Auf seine Initiative geht die Errichtung des Missionsinstituts (heute Seelsorgeamt) im Jahr 1911 zurück, und auch bei der Institutionalisierung des Deutschen Caritasverbandes und des Freiburger Diözesancaritasverbandes nahm Erzbischof Nörber eine tragende Rolle ein. Weiterhin engagierte er sich, wenn auch lange Zeit fast völlig erfolglos, für die Wiederzulassung von Männerklöstern im Großherzogtum Baden – dass er die ersten Ordensniederlassungen Ende des Jahres 1918 noch erleben konnte, war allerdings in erster Linie eine Folge der politischen Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg.

In den letzten Jahren seiner Regierungszeit fand er sich noch einmal in einer völlig neuen staatskirchenrechtlichen Situation wieder. Mit dem Ende der Monarchie, der Gründung der Weimarer Republik und der verfassungsmäßig festgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat begann für die katholische Kirche in Deutschland fast so etwas wie eine neue Zeitrechnung. Erzbischof Thomas Nörber bekam von den sich in der Endphase seiner Amtszeit anbahnenden grundsätzlichen Veränderungen und Entwicklungen freilich nur noch die Anfänge mit.


