
geboren 01. Oktober 1578 in Sigmaringen
gestorben 24. April 1622 in Seewis/Graubünden
Am Leben des Heiligen Fidelis wird die tiefe Spaltung der Gesellschaft kurz vor dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges deutlich. Katholiken und Protestanten kämpfen verbissen für ihre Lehre, Unrecht und Gewalt prägen den Alltag der Menschen. In dieser aufgeheizten Atmosphäre erleidet der Kapuzinerpater sein Martyrium.
Geboren ist Markus Roy, wie Fidelis mit bürgerlichem Namen heißt, als Sohn des Gastwirts Johannes Roy, der gleichzeitig Bürgermeister von Sigmaringen ist. Sein Großvater stammt aus Antwerpen, folgt aber dem aus den Niederlanden stammenden ersten Hohenzoller Graf Karl I. beim Regierungsantritt nach Sigmaringen.
Der hochbegabte Junge besucht zuerst die Lateinschule seiner Heimatstadt und anschließend das Jesuitenkollegium in Freiburg. Hier genießt er eine streng an der Gegenreformation ausgerichtete Erziehung, die sein späteres Leben entscheidend beeinflussen wird. Anschließend studiert er Philosophie und Rechtswissenschaften an der Universität in Freiburg.
Ab 1604 begleitet er als Hofmeister eine Gruppe junger Adeliger um den Freiherrn Wilhelm von Stotzingen auf ihren ausgedehnten Reisen durch Deutschland, Frankreich, Oberitalien und einige spanische Provinzen. So lernt er in den folgenden fünf Jahren, die französische und italienische Sprache fließend zu beherrschen.
Nach der Rückkehr bleibt Markus Roy noch zwei weitere Jahre bei der Familie von Stotzingen, da er in Freiburg er nicht weiterstudieren kann, weil dort die Pest ausgebrochen ist. Die Universität zieht vorübergehend nach Villingen, wo Roy am 07. Mai 1611 zum Doktor beider Rechte (weltliches und geistliches) promoviert. Anschließend startet er seine berufliche Laufbahn als Advokat und Beisitzer am obersten Gerichtshof in Ensisheim, damals Hauptstadt der österreichischen Vorlande.
Innerhalb kürzester Zeit erwirbt er sich dabei den Ruf, ein Advokat der Armen zu sein. Aber schon nach einem Jahr gibt Markus Roy sein Amt wieder auf. Nach Angaben der meisten Biographen ist er angewidert von der gewissenlosen Berufsauffassung seiner Kollegen, der allgegenwärtigen Korruption im Rechtswesen und den zahlreichen Fehlurteilen der Gerichte. Mit päpstlicher Dispens wird er am 03. Oktober 1612 zum Priester geweiht und tritt in das Kloster der Schweizer Kapuziner in Freiburg ein. Dort bekommt er den Ordensnamen Fidelis – der Treue.
Nach theologischen Studien in Konstanz und Frauenfeld wirkt Fidelis als Missionar in Vorderösterreich. Er unterwirft sich einer strengen Askese, verteidigt die Rechte der Armen und kümmert sich um Typhus- und Pestkranke in den Spitälern. Seine Tätigkeit macht lange, Kräfte zehrende Wanderungen durch Schnee, Regen und Kälte notwendig. Zu dieser Zeit unterschreibt er Briefe mit 'Bruder Fidelis, in Kürze eine Speise der Würmer'. 1618 leitet Fidelis als Guardian das Kapuzinerkloster Rheinfelden. 1620 übernimmt er dieses Amt in Freiburg und 1621 in Feldkirch.
Seine messerscharfe Redeweise und seine Wortgewalt werden bald in Rom bekannt und die päpstliche Kongregation für die Ausbreitung des Glaubens beauftragt den Kapuziner mit der Mission im protestantischen Räthien. Fidelis beginnt sofort mit seinem Auftrag bei den reformierten Bauern im Prättigau und im unteren Engadin, wo österreichische Soldaten seinen Predigten gewaltsam Nachdruck verleihen. Ihren Höhepunkt erreichen die so genannten Bündner Wirren am Palmsonntag des Jahres 1622. In den historischen Quellen sind die Ereignisse heute nicht mehr eindeutig
nachvollziehbar. Klar ist nur, dass Fidelis am 24. April nach Seewis kommt, einem Bergdorf unterhalb der Montafongipfel. Unter militärischem Schutz predigt er in der Kirche und fordert eine Rückkehr zum katholischen Glauben. Als im nahe gelegenen Schiers bei heftigen Kämpfen zwischen Bündnern und Österreichern das örtliche Gotteshaus in Brand gerät, kommt es auch in Seewis zu Panik und Tumulten. Die aufgebrachten Bauern greifen zu Dreschflegeln und improvisierten Waffen, um die Soldaten zu vertreiben. Auf der Flucht wird dabei auch Pater Fidelis erschlagen und eilig am Wegesrand verscharrt.
Als einige Tage später Mitbrüder den Leichnam abholen und nach Feldkirch bringen wollen, werden sie von der Polizei des Bischofs von Chur gestellt, die den Toten beschlagnahmt. Im Handgemenge wird dabei der Kopf des Märtyrers abgetrennt. Aus diesem Grund ist der Leib des heiligen Fidelis in der Kathedrale von Chur beigesetzt, das Haupt dagegen ruht in Feldkirch.
Fidelis gilt als der erste Märtyrer der 1622 in Rom gegründeten Propaganda-Fide-Kongregation. Seine Heiligsprechung erfolgt am 29. Juni 1746 durch Papst Benedikt XIV.
Er wird dargestellt mit einer Stachelkeule, dem so genannten Prättigauer Prügel, und einem Schwert. Fidelis ist Stadtpatron von Sigmaringen und Feldkirch, außerdem Patron von Hohenzollern, Vorarlberg und dem Berufsstand der Juristen. Fidelis wird aber auch angerufen in Gerichtsangelegenheiten und für die Ausbreitung des Glaubens.
Bild links: In Sigmaringen werden Kinder nach der Taufe kurz in die Fideliswiege gelegt
In Sigmaringen feiern die Gläubigen den Gedenktag des Heiligen mit einem festlichen Gottesdienst und einer abendlichen Lichterprozession. Die Seelsorgeeinheit hat unter dem Motto 'Fidelis – Anwalt der Armen' einen Hilfsfond aus der Taufe gehoben. Mit der Kollekte am Festtag und zusätzlichen Spenden sollen unter anderem Praxisgebühren und Medikamente für Obdachlose bezahlt werden.
Literatur
- Fidelis von Sigmaringen und seine Zeit, Beat Fischer, Christiana-Verlag, Stein am Rhein, ISBN 3-7171-0946-4
- Der Hl. Fidelis von Sigmaringen, P. Gaudentius Walser O.Cap, Lins-Verlag, Feldkirch
- 2008 erschien im Kunstverlag Fink, Lindenberg, ein neuer Führer zur Kirche St. Johann in Sigmaringen


