Franz Josef Ritter von Buß

 

 

geboren 25. März1803 in Zell am Harmersbach
gestorben 31. Januar 1878 in Freiburg

Katholischer Sozialpolitiker

Franz Joseph Ritter von Buß, eine universal begabte Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, gilt als populärster Anführer und Wegbereiter der katholischen sozialen Bewegung in Deutschland. Der in Zell am Harmersbach geborene Sohn eines Schneiders studiert Philosophie, Medizin und Rechtswissenschaften und wird von allen drei Fakultäten promoviert. Ab 1833 ist er außerordentlicher, ab 1836 ordentlicher Professor für Staatswissenschaften und Völkerrecht in Freiburg (ab 1844 auch für Kirchenrecht). 

Zum jüngsten Abgeordneten der Zweiten Kammer im Badischen Landtag gewählt, hält er am 25. April 1837 seine moderne und aus damaliger Sicht revolutionäre 'Fabrikrede', also elf Jahre vor dem Erscheinen des Kommunistischen Manifestes von Karl Marx und Friedrich Engels. Vor dem Hintergrund der beginnenden Industrialisierung in Baden entwickelt Buß ein fortschrittliches Sozial- und Wirtschaftsprogramm, um die Verelendung der Arbeitermassen zu verhindern. Er fordert Hilfskassen mit Beiträgen der Arbeitgeber für Kranke und Unfallgeschädigte, Kündigungsfristen und maximal 14 Stunden Arbeitszeit, eine Beschränkung der Kinderarbeit, eine Fabrikaufsicht und berufliche Weiterbildung für Arbeiter. Der Sozialdemokrat August Bebel schreibt 1904, Buß bleibe "der Ruhm, als erster deutscher Parlamentarier für den Arbeitsschutz eingetreten zu sein". Allerdings fehlt ihm die Unterstützung, denn die Badische Kammer verhandelt seinen Antrag nicht, und seine 'Fabrikrede' ist zunächst ohne politische Wirkung. Deshalb bemüht er sich in der Folgezeit, Kirche und Klerus für soziale und caritative Arbeit zu gewinnen. 

Als entschiedener Gegner eines Deutschkatholizismus gründet er 1845 die konservative „Süddeutsche Zeitung für Staat und Kirche“, wirbt für freie katholische Universitäten und baut ein katholisches Vereinswesen auf, dessen Generalversammlung er vorsteht. 1848 wird Franz Joseph Buß zum Präsidenten des ersten Deutschen Katholikentages in Mainz gewählt.

Im Frankfurter und Erfurter Parlament engagiert sich Buß für eine großdeutsche Lösung unter Einschluss von Österreich und bleibt auch als Reichstagsabgeordneter nach 1871 ein Gegner des damals sogenannten Kleindeutschlands. Für sein Bemühen wird er 1863 vom österreichischen Kaiser in den Adelsstand erhoben.

Franz Joseph Ritter von Buß hat unermüdlich für eine christliche Gesellschaftsordnung gearbeitet, die den Menschen in den Mittelpunkt aller wirtschafts- und sozialpolitischen Konzepte stellt. Als Kernelemente gelten ihm dabei Meinungs-, Glaubens- und politische Freiheit.  

Literatur

  • Julius Dorneich, Franz Josef Buß und die katholische Bewegung in Baden, Verlag Herder, 1979, ISBN 3-451-18688-8.
  • Franz Josef Stegmann (Hg.), Franz Joseph von Buß 1803 – 1878, Verlag Schöningh, 1994, ISBN 3-506-70873-2

(Beide Bücher sind leider nur noch in Bibliotheken oder antiquarisch erhältlich) 

Der Text der "Rede des Abgeordneten Franz Joseph Buß über das soziale Problem der fabrikarbeitenden Bevölkerung" (sogn. Fabrikrede) vom 25. April 1837 kann hier heruntergeladen werden.