
geboren 19. August 1837 in Haslach i.K.
gestorben 23.Juni 1916 in Haslach i.K.
Pfarrer, Politiker, Schriftsteller
Bis heute gehört Heinrich Hansjakob zu den meistgelesenen Autoren aus dem Badischen. Mehr als 70 Erzählungen, Tagebücher und Reiseberichte, sowie historische, religiöse und politische Schriften stammen aus seiner Feder.
Nach Studium und Priesterweihe wird der Bäckersohn aus Haslach im Kinzingtal Lehrer in Donaueschingen und Waldshut. Hier schreibt er Artikel gegen die Armut und beginnt eine politische Laufbahn. Gleich seine erste öffentliche Rede bringt dem jungen Geistlichen eine Anklage wegen staatsfeindlicher Äußerungen und eine vierwöchige Festungshaft in Rastatt ein.
Nach deren Abbüßen tritt Hansjakob seine Stelle als Seelsorger in Hagnau am Bodensee an. Gleichzeitig verschreibt sich der politische Draufgänger dem Kampf für Recht und Freiheit und wird als Abgeordneter der Katholischen Volkspartei in den Badischen Landtag gewählt. Wegen "Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung" erhält Hansjakob 1872 neuerlich eine sechswöchige Gefängnisstrafe, setzt sein Engagement jedoch unbeugsam fort.
Im Lauf der folgenden Jahre erkennt er allerdings, dass die ständigen Kämpfe zwischen Staat, Parteien und Kirche nach seinen Worten eine "sittlichen Verrohung der Bürger" erzeugt hat. Seine Ansichten über eine Aussöhnung im Kulturkampf bringen ihm 1878 schwere Vorwürfe der Fraktionskollegen und führen zu einer Trennung von der Volkspartei. Er bleibt jedoch bis zum Ende der Legislaturperiode im Landtag.
Als Seelsorger in Hagnau erkennt Hansjakob, dass sich die soziale Not der Rebbauern nur verbessern lässt, wenn sie in einer starken Schutzgemeinschaft zusammengeschlossen mit den Weinhändlern einen annehmbaren Preis aushandeln können. Das vom Dorfpfarrer als "Schandpreis" empfundene Angebot für den Jahrgang 1881 gibt den Anstoß zur Gründung des ersten Badischen Winzervereins am 20. Oktober 1881, dessen Vorsitz Hansjakob übernimmt. Und er kümmert sich in der Anfangszeit auch eigenhändig um den Verkauf des Rebensaftes. Die segensreiche Einrichtung der Hagnauer Weinbauern verbreitet sich in der Folgezeit rasch in ganz Deutschland.
1884 übernimmt Heinrich Hansjakob die Stelle des Stadtpfarrers an St. Martin in Freiburg. Umgehend beginnt er die notwendige Restaurierung der ehemaligen Franziskanerkirche und den Umbau des Pfarrhauses, dessen Straßengeschoss an Geschäfte vermietet wird, um den Stiftungsfond der Pfarrei dauerhaft zu füllen. Sein Freiheitsdrang und seine leichte Erregbarkeit werden jedoch ebenfalls wieder deutlich. Gegen den Willen der Bistumsleitung lässt Hansjakob einen größeren Kirchturm errichten. Am liebsten jedoch predigt der Stadtpfarrer, geißelt dabei die Schwächen der Zeit und die verwilderten Sitten. Seine mit Scharfsinn und kühlem Verstand vorgetragenen Worte finden immer mehr Zuhörer und bald wird er bedrängt, die Predigten zu veröffentlichen. In dieser Zeit entfaltet Hansjakob sein dichterisches Schaffen zur vollen Blüte.
Um die Jahrhundertwende kritisiert er offen und nachdrücklich die Missstände in der Kirche. Aufgrund eines Streits mit dem Erzbischöflichen Ordinariat denkt der Stadtpfarrer schon 1901 an einen Rücktritt, den er jedoch erst 1913 wirklich vollzieht. Vorausgegangen ist eine heftige Auseinandersetzung um den sogenannten "Antimodernisteneid" der Geistlichen, den Hansjakob entschieden ablehnt.
Nach seiner Pensionierung lebt er in seiner Heimatstadt Haslach und bezieht den Freihof, ein Haus, das er mit den Honoraren seiner Bücher erbaut hat. Dort stirbt Heinrich Hansjakob am 23. Juni 1916. Beigesetzt ist er in der Gruft seiner zu Lebzeiten erbauten Grabkapelle im nahen Hofstetten.
Infos, Links und Literatur
Auf der Webseite der Hansjakob-Gesellschaft finden Sie weitere Informationen über Heinrich Hansjakob.
Im Hansjakob-Verlag, Haslach, sind viele Werke neu aufgelegt. Außerdem gibt es dort eine Biographie von Manfred Hildenbrand, die als Standardwerk über Leben und Wirken von Pfarrer Hansjakob gilt: Manfred Hildenbrand, Heinrich Hansjakob - Rebell im Priesterrock, ISBN: 3935182163.
Nach Heinrich Hansjakob sind zwei Wanderwege rund um Haslach benannt. Die mehrtägigen Routen führen zu den Schauplätzen von Heinrich Hansjakobs Erzählungen oder Orte die in einem direkten Zusammenhang mit dem Schriftsteller stehen.


