
geboren 24.Januar 1899 in Ettlingen
gestorben 02.Juli 1979 in Hettingen
Heinrich Magnani initiierte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Baugenossenschaft 'Neue Heimat Baden' und das 'Jugenddorf Klinge'.
Der Sohn eines italienischen Bauführers ist eine herausragende Persönlichkeit gewesen, die soziales Engagement als zentrales Anliegen der Seelsorge betrachtet hat. Sein Lebensweg ist genauso faszinierend wie das Ergebnis seiner Arbeit als Dorfpfarrer.
Schon in der Kindheit und Jugend als Draufgänger und ideenreicher Organisator bekannt, hat er diese Fähigkeiten in den folgenden Jahrzehnten ständig erweitert. Noch vor dem Abitur nimmt der damals erst 18-jährige als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und erlebt die Grausamkeit der Kämpfe an der Westfront. Das Leiden und Sterben von schwerverwundeten Kameraden lässt in Heinrich Magnani den Wunsch reifen, das Abitur nachzuholen und Priester zu werden.
Als Vikar in Forst bei Bruchsal und Waldshut zeigt Magnani seine Fähigkeiten beim Aufbau einer kirchlichen Jugendarbeit als Alternative zu den NS-Organisationen. Dieses Engagement wird für den jungen Kaplan rasch gefährlich und so versetzt ihn der Freiburger Erzbischof 1932 nach Mannheim. Auch hier arbeitet der temperamentvolle Seelsorger unermüdlich weiter und kann sich einer Verhaftung nur knapp entziehen. So kommt er 1935 als Pfarrverweser, später als Pfarrer nach Hettingen im damaligen Landkreis Buchen. Hier verwirklicht er mit List und Wagemut zahlreiche Projekte. Im Frühjahr 1945 sorgt er für den Abzug der letzten deutschen Kampfverbände, um den Ort vor einer Zerstörung durch die Amerikaner zu bewahren.
Dann stellt sich der Seelsorger einer neuen Aufgabe. Nach dem Vorbild der Baugenossenschaft Alba, die sein Vater nach dem Ersten Weltkrieg in Ettlingen gegründet hat, will Magnani Wohnraum für 19.000 Heimatvertriebene im Landkreis schaffen. Bereits Anfang 1946 beginnt er mit den ersten Häusern. Noch im gleichen Jahr entsteht in Buchen die "Neue Heimat Baden" als erste gemeinnützige Baugenossenschaft nach dem Krieg. Heute existiert Magnanis Gründung als "Familienheim" unter dem Dach von "Siedlungswerk Baden e.V." .
Zusätzlich nimmt Pfarrer Heinrich Magnani ein weiteres Projekt in Angriff. Als der Strom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen Anfang 1947 abebbt, kauft der Seelsorger die leerstehenden Baracken des Aufnahmelagers "Teufelsklinge", um unterernährte oder elternlose Kinder betreuen zu können. Die ersten Hilfen kommen von Henriette Magnani, der Schwester des Pfarrers, die in New York eine Musikschule unterhält und ihre gesamten Einkünfte für das caritative Werk spendet.
Für Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz oder arbeitslose Jugendliche organisiert das Heim Kurse und Vorlehren, damit sich die jungen Leute in den Wirren der Nachkriegszeit eine berufliche Perspektive aufbauen können. Ab 1949 nimmt die Einrichtung als Caritasheim auch immer mehr Kinder aus zerrütteten Familien auf. In sogenannten Familienhäusern unter Leitung einer 'Mutter' und durch einen männlichen Beistand ergänzt, sollen die Kinder und Jugendlichen in einer familienähnlichen Struktur aufwachsen.

Am 20. Januar 1951 formiert sich ein Trägerverein, so dass bereits im Februar das erste katholische Kinderdorf in Deutschland gegründet werden kann. Die 'Klinge', wie das Dorf noch heute heißt, kann mit der Hilfe des Internationalen Bauordens ständig erweitert werden. Unter anderem hat 1958 der ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi als Baugeselle dort einige Wochen gearbeitet. 1969 geht Heinrich Magnani in den Ruhestand, bleibt aber in seinem Lebenswerk als Seelsorger weiter aktiv.
Bei seinem Engagement hat der Dorfpfarrer neue und ungewöhnliche Wege beschritten. Allerdings ist Magnani dabei auch immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das rasch aufgebaute und schnell gewachsene Kinderdorf muss mehrfach durch das Erzbistum Freiburg aufgefangen und der Tatendrang seines Gründers gebremst werden. Magnani leidet bis zu seinem Tod 1979 unter diesen Eingriffen.
Andererseits sind ihm vielfältige Auszeichnungen zu Teil geworden wie die Ehrenbürgerschaften von Hettingen und Seckach oder das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Buchtipps
- "Heinrich Magnani – Ein Dorfpfarrer"; Caritas Denkschrift 1998 (Bezug als Infomaterial über das Kinder- und Jugenddorf Klinge)
- Frank Schillinger, "Wenn der Herr nicht baut, dann bauen die Bauleute vergebens": Eine Studie zur Geschichte der katholischen Siedlungsbewegung in Deutschland und der Erzdiöszese Freiburg (1918-1997), Logos Verlag Berlin, 2001, ISBN: 3897226235


