Heinrich Seuse

 

geboren 21. März 1295
gestorben 25. Januar 1366

Dominikanerpater, Mystiker
Gedenktag: 23. Januar

Am 16. April 1831 von Papst Gregor XVI. selig gesprochen.

Heinrich Seuse (bekannt auch in der lateinischen Form Suso) hat wesentlich zur Entwicklung der deutschen Mystik beigetragen und den Armutsgedanken frei von sozialen und kirchlichen Zwängen betont. Seine Schlüsselbegriffe sind 'innere Einkehr' und 'Heimsuchung'. Doch einem modernen Leser mutet er manchmal harte Kost zu. So ist von ihm überliefert, dass er sich mit einem glühenden Eisen den Namen Jesus Christus in die Brust gebrannt hat.

Heinrich Seuse stammt aus dem Geschlecht der Ritter von Berg. Zu seinem Vater hat er ein eher distanziertes Verhältnis, dafür gehört seine ganze Verehrung der Mutter, der Seuserin. Von ihr nimmt Heinrich auch den Namen an. Im Alter von 13 tritt er in den Dominikanerorden ein und erlebt nach 5 Jahren im Kloster seine erste Vision, die ihn nachhaltig prägt. Ab diesem Zeitpunkt unterwirft sich der junge Dominikaner strengsten Kasteiungen. Seuse studiert in Konstanz, Straßburg und in Köln, wo er bei Meister Eckart lernt.  

Schon früh fühlt er sich eng dem leidenden Christus verbunden und sieht seine Aufgabe nicht im Lehren oder Predigen. Seine Weisheit und sein Mitgefühl machen ihn dennoch zu einem großen Seelsorger, der durch strenge Bußübungen um Gelassenheit und Selbstbeherrschung ringt. Ihm werden dabei Visionen und himmlische Einsichten zuteil, die er in bedeutenden Schriften niedergelegt hat.

Einen Großteil seiner Arbeit widmet er der seelsorglichen Betreuung von Klostergemeinschaften. Lektor und Prior geworden, muss er Konstanz 1338 wegen seiner Parteinahme im Investiturstreit verlassen. Den unermüdlichen, um Seelsorge bemühten Wanderprediger in oberdeutschen Nonnenklöstern verfolgen Krankheiten, falsche Anklagen und Verleumdungen, die ihn schließlich vor ein Inquisitionsgericht bringen. Obwohl er sich der kirchlichen Autorität unterwirft, wird er von seinen Gegnern weiterhin verfolgt. So wird Seuse schließlich von seinen Ordensoberen 1348 nach Ulm versetzt. Hier findet er endlich Ruhe für die Zusammenstellung seiner Briefe und Predigten.

Sein "Büchlein der ewigen Wahrheiten" und das "Büchlein der Weisheit" gehören zu den Standardwerken deutscher Mystik. Seine Vita, von ihm überarbeitete Notizen der Nonne Elsbeth Stagel, gilt als die erste Selbstbiographie in deutscher Sprache.

Wer in dieser Welt
ein Lieb haben will,
muss Freud und Leid ertragen.
Es genügt nicht,
dass man mir eine Tageszeit einräumt.
Wer Gott innerlich empfinden,
seine vertrauten Worte hören,
seine himmlischen Gedanken
wahrnehmen will,
muss in steter Sammlung verharren.

aus: "Die ewige Wahrheit" 

Literatur und Links

"Kunst rechter Gelassenheit" Themen und Schwerpunkte von Heinrich Seuses Mystik; Alois M. Haas, 1995, 278 Seiten, Verlag Peter Lang, ISBN: 3906756823