
geboren am 13. Mai 1773 in Aulendorf
gestorben am 14. April 1868 in Freiburg
Erzbischof von Freiburg von 1843 bis 1868
Hermann von Vicari gilt als ein Erneuerer des deutschen Katholizismus im 19. Jahrhundert. Seine gesamte Lebensgeschichte spiegelt den Übergang vom System einer Staatskirche zu einem selbstbewussten und nach Rom orientierten Katholizismus.
Nach juristischen Studien und seiner Promotion empfängt von Vicari 1797 in Konstanz die Priesterweihe. Die fehlende Ausbildung in Theologie holt er in den Folgejahren durch Privatstudien nach. Trotzdem hat Vicari nie als Seelsorger gewirkt und nur ein einziges Mal in seinem Leben eine Predigt gehalten. Dennoch gehört er zu den prägenden Gestalten der Freiburger Bistumsgeschichte.
Seine kirchliche Laufbahn beginnt unter dem letzten Konstanzer Fürstbischof Karl Theodor von Dalberg. Er ist Mitglied der Geistlichen Regierung des Bistums und wird ein eifriger Mitarbeiter von Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg, den er seit einer gemeinsamen Studienzeit kennt.
Als einziges Mitglied der Konstanzer Bischöflichen Kurie wird Hermann von Vicari in das neu errichtete Freiburger Metropolitankapitel berufen und von Erzbischof Bernhard Boll am 25. Oktober 1827 zum ersten Generalvikar der Erzdiözese Freiburg berufen. Bereits fünf Jahre später erfolgt die Ernennung zum Weihbischof. Mit seiner gesamten Energie kämpft von Vicari für die Freiheit der Kirche und die geistliche Erneuerung der Seelsorge.
Obwohl 1836 nach dem Tod von Erzbischof Bernhard Boll vom Domkapitel einstimmig zu dessen Nachfolger bestimmt, scheitert seine Wahl an Einsprüchen der badischen Regierung und der Römischen Kurie. Beide halten Hermann von Vicari für charakterlich schwach und leicht beeinflussbar.
Doch auch nach dem Tod des zweiten Freiburger Erzbischofs Ignaz Anton Demeter 1842 kann Vicari alle Stimmen des Domkapitel am 15. Juni 1842 auf sich vereinigen. Dieses Mal halten Großherzog und Papst den knapp 70-jährigen nach einigem Zögern für einen akzeptablen Kompromisskandidaten und am 26. März 1843 erfolgt die Amtseinführung.
Trotz seines hohen Alters, seiner schwächlichen Gestalt und seinem Mangel an Redekunst überrascht er alle Kritiker durch unbeugsamen Willen, Charakterstärke und Tüchtigkeit. Als Erzbischof entwickelt sich Hermann von Vicari zu einer zentralen Gestalt in der Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat im Großherzogtum Baden. Sein Engagement im Badischen Kirchenstreit bringt Vicari einen 'Hausarrest' und den Ruf als Bekennerbischof ein. In seinen 25 Amtsjahren verkörpert er Würde, Kontinuität und Selbstbewusstsein der Katholiken und ist zu Lebzeiten der älteste Bischof weltweit.
Literatur
- Karl-Heinz Braun, Hermann von Vicari und die Erzbischofswahlen in Baden, Freiburg u.a. (Alber) 2000.
- Christoph Schmider, Die Freiburger Bischöfe. Eine Geschichte in Lebensbildern, Freiburg - Basel - Wien (Herder) 2002.


