
geboren am 03. Juli 1880 in Kochendorf
gestorben am 23. April 1966 in Karlsruhe
Seit sieben Generationen sind die Bacherts meisterliche Glockengießer und ihre Bronzeglocken berühmt für einen besonders weichen Klang und eine überdurchschnittliche Lebensdauer. Karl Bachert hat im Jahr 1904 zusammen mit seinem Bruder Alfred in Karlsruhe ein Unternehmen für Feuerwehrgeräte und Metallguss gegründet.
Das Leben von Karl Bachert ist bestimmt durch ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein gegenüber seiner Familie und deren unternehmerischer Tradition. Als jüngster Sohn des Glockengießers Karl Bachert erhält er nach seiner Geburt am 3. Juli 1880 in Kochendorf bei Bad Friedrichshall den Namen Karl Ludwig. Nach dem Tod des Vaters 1894 lebt Karl bei seinen älteren Geschwistern und ist zwei Jahre später Volontär in der Maschinenfabrik Assmann und Kettner in Cannstatt. Von 1898 bis 1903 absolviert er ein Maschinenbau-Studium am Polytechnikum Stuttgart, dem Vorläufer der heutigen Universität. Unterbrochen wird diese Ausbildung nur von einem einjährigen Freiwilligendienst beim Pionier-Bataillon 13 in Ulm.
Nach dem Hochschulabschluss arbeitet Karl Bachert für kurze Zeit im Familienunternehmen in Kochendorf, das die beiden ältesten Brüder Hermann und Albert führen. Bereits ein Jahr später gründet der gelernte Glockengießer mit dem 1874 geborenen Bruder Alfred ein neues Unternehmen zur Herstellung von Feuerwehrgeräten, Metallguss und Glocken in Karlsruhe. Kurz danach erwerben sie die Firma Carl Metz in Heidelberg, deren Gründer in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Brandbekämpfung revolutioniert hatte.
Beide Unternehmensteile führen die Brüder gemeinsam, die Produktion von Feuerwehrgeräten unter der eingeführten Marke "Carl Metz" und die Gießerei unter dem Namen "Gebrüder Bachert". Mit technischen Innovationen und einem kaufmännischen Gespür für die Wünsche der Kunden entwickeln sich die Firmen rasch und erfolgreich, bis der 1. Weltkrieg den Ausbau unterbricht. Karl Bachert ist zunächst als Kompaniechef, später als Kommandeur an nahezu allen Fronten im Einsatz. Ende 1918 führt er sein Bataillon geschlossen nach Ulm zurück.
Nach Kriegsende knüpfen die Brüder rasch wieder an ihre Erfolge an, beziehen ein neues und wesentlich größeres Fabrikareal und steigern ihre Belegschaft. Die Produkte von Karl und Alfred Bachert erlangen Weltruf, so dass in den 30er Jahren ein zehn mal so großes Werk auf dem Gelände der ehemaligen Karlsruher Maschinenbaugesellschaft entsteht.
Mit dem 2. Weltkrieg bricht diese Entwicklung jäh ab. Durch Einberufungen sinkt die Zahl der qualifizierten Mitarbeiter, Fliegerangriffe zerstören drei Viertel der Gebäude und die Maschinen liegen in Schutt und Asche.
Mit Erfindergeist, unternehmerischem Mut und persönlichem Engagement gelingt den Brüdern nach der Währungsreform langsam der Wiederaufbau ihrer Betriebe. 1961 geben sie die Leitung der Feuerwehrgeräte-Fabrik ab, führen aber gemeinsam die Karlsruher Glockengießerei weiter, in der mehrere Tausend Glocken entstehen. In unermüdlicher und schöpferischer Arbeit erproben sie neue Glockenkonstruktionen, die sich durch einmalige Tonfülle und Klangcharakteristik. International gelten sie bis heute als Meisterwerke der Glockengießerkunst.
Am 23. April 1966 stirbt Karl Bachert nach längerer Krankheit in Karlsruhe, sein Bruder Alfred im Oktober des folgenden Jahres. Da beide kinderlos geblieben sind, wird das Werk außerhalb der Familie verkauft. Erst im Jahr 2003 kehrt die Glockengießerei Bachert auch an den Standort Karlsruhe zurück. Die ehemals drei Glockengießereien in Heilbronn, Bad Friedrichshall und Karlsruhe kommen in dieser Generation wieder in eine Hand.
Zu den bedeutendsten Werken der vergangenen Jahre gehören die Glocken für die Frauenkirche in Dresden und die Friedensglocke für das Straßburger Münster. Im Rahmen der Freiburger Glockentage wird auf dem Münsterplatz eine Taufglocke für das Ökumenische Kirchenzentrum im Stadtteil Rieselfeld gegossen.
Link
Internetseite der Glockeninspektion für das Erzbistum Freiburg
Internetseite zum Fernsehmagazin "Planet Wissen" über das Thema Glocken
- Die Glocke. Eine Kulturgeschichte, Kurt Kramer, Verlag Topos plus; 2007; ISBN 3-7867-8497-X
- Klänge zwischen Zeit und Ewigkeit. Faszination Glocke (mit Audio-CD), Kurt Kramer; Verlag Butzon & Bercker; 2006; ISBN-Nr.: 3-7666-0782-0
- Die Hosanna und das Geläute des Freiburger Münsters, Kurt Kramer; Verlag Butzon & Bercker, 2008; ISBN 978-3-7666-0980-9
- Zu den Europäischen Glockentagen 2004 hat der Karlsruher Film- und Video-Club eine DVD produziert, die über eMail an vorstand@kfvc.de oder per Telefon 0721 / 8 30 54 67 bestellt werden kann.
1799 veröffentlicht Friedrich Schiller "Das Lied von der Glocke". Bis heute verläuft der Glockenguss wie vom Dichter beschrieben:


