
gestorben 03. Januar 1985 in Freiburg
Begründerin des Frauenberufes in der Seelsorge
Das Zusammenwirken der verschiedenen pastoralen Dienste und die Stellung der Frau in der Kirche sind entscheidende Themen in der Seelsorge geworden. Margarete Ruckmich hat sich beinahe 60 Jahre dafür engagiert, ein eigenes Berufsbild für ursprünglich als Seelsorgehelferinnen bezeichnete Frauen zu prägen. Dabei ist die Entwicklung dieses Profils untrennbar mit ihrer eigenen Lebensgeschichte verknüpft.

Einen entscheidenden Einfluss auf ihr weiteres Leben hat der kirchliche Wandel beim Laienapostolat. Ab 1912 ist sie zwei Jahre in der sozialen Arbeit aktiv, engagiert sich in Kindergärten, in der Säuglingspflege und in der Kinderfürsorge. Das Erlebte lässt in der Tochter aus gutbürgerlichen und behüteten Verhältnissen das Bedürfnis wachsen, mehr über die Ursachen und Folgen von Not nachzudenken. Als Mitglied in der Elisabethenkonferenz und in verschiedenen kirchlichen Frauenvereinen sammelt sie Erfahrungen in der verbandlichen Arbeit. Im Ersten Weltkrieg gehört sie der Schwesternschaft des Roten Kreuzes in Gelsenkirchen an, arbeitet in der Krankenpflege und engagiert sich dort ab 1919 in der städtischen Familien- und Seuchenfürsorge.

Eine Infektion mit Lungentuberkulose zwingt Margarete Ruckmich zu einer Rückkehr nach Freiburg, wo sie im Anschluss an eine Genesungskur die neue entstandene Soziale Frauenschule des Deutschen Caritasverbandes absolviert. 1924 wird sie als Assistentin an dieser Schule angestellt.
Der Kamillianer-Pater Wilhelm Wiesen OSC, Generalsekretär der "Freien Vereinigung für Seelsorgehilfe" beim Deutschen Caritasverband, gründet am 01. Mai 1926 die "Berufsgemeinschaft katholischer Gemeindehelferinnen". Margarete Ruckmich wird die erste Geschäftsführerin. Zudem hat sie von 1927 bis 1928 die Leitung des Referates Seelsorgehilfe inne. Ihre Aufgabe ist es, den damals noch kaum bekannten Beruf der katholischen Seelsorgehelferin als "beständige pastorale Mitarbeit von Frauen in der Kirche" aufzubauen und zu sichern.
Am 17. April 1928 errichtet der Deutsche Caritasverband in Freiburg die "Gemeindehelferinnenschule", das spätere "Seminar für Seelsorgehilfe" (heute Margarete Ruckmich Haus), um langfristig Mitarbeiterinnen für einen pastoralen Beruf in der Kirche ausbilden zu können. Margarete Ruckmich ist von Anfang an dabei und wird 1937 Leiterin. Ihr Anliegen ist die fachliche, berufspraktische und religiöse Bildung, mit der sie die Seminaristinnen auf den Dienst in der Seelsorge vorbereitet. In diesem Arbeitsfeld wirkt sie als Pionierin und greift die besonderen Schwierigkeiten der Helferinnen auf. Unermüdlich unterstreicht sie die Bedeutung der Teamarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen oder der Caritasarbeit in der Pfarrei. Sie entwickelt ein umfassendes Ausbildungskonzept, kümmert sich um Anstellungsverträge oder fördert die Spiritualität der Seelsorgehelferinnen. Bis 1965 hat Margarete Ruckmich die Leitung des Seminars inne.

Für ihr lebenslanges Wirken wird sie vielfach geehrt. Bereits 1938 verleiht ihr Papst Pius XI. zum 10-jährigen Bestehen des Seminars die Auszeichnung 'Pro Ecclesia et Pontifice', 1960 ernennt sie der Deutsche Caritasverband zur Direktorin, 1977 erhält sie die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.
Derzeit stehen mehr als 300 Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten im Dienst der Erzdiözese Freiburg. Sie motivieren und begleiten Gemeindemitglieder als ehrenamtliche Mitarbeiter, erteilen Religionsunterricht und engagieren sich für die Glaubensweitergabe.
Links
Literatur
- Almut Rumstadt, Margarete Ruckmich (1894 - 1985). Pionierin der hauptberuflichen Seelsorge durch Frauen, Echter Verlag, ISBN 3-429-02525-7
- 70 Jahre Seminarausbildung Freiburg – 1928 – 1998, Texte zur Berufsgeschichte, Bezug über das Margarete Ruckmich Haus, Charlottenburger Str. 18, 79114 Freiburg


