
gestorben im Spätjahr 1803 in Konstanz (der genaue Sterbetag ist nicht verzeichnet)
Priorin des Dominikanerinnenklosters Zoffingen in Konstanz
Unter der Leitung der Priorin Maria Theresia Beuterin beginnen die Dominikanerinnen 1775 mit dem Aufbau einer Normalschule für Mädchen in Konstanz, schaffen damit eine wirtschaftliche Grundlagen für den Orden und bewahren das traditionsreiche Kloster vor der Auflösung.
Seit 750 Jahren ist das 1257 gegründete Kloster Zoffingen in Konstanz ein Ort der Einkehr und des Gebets. In der wechselvollen Geschichte hat es immer wieder Zeiten der Blüte gegeben. Aber die Ordensniederlassung ist auch mehrfach nur knapp einer Schließung entgangen. In einer besonders schwierigen Phase hat die Priorin Maria Theresia dies mit Entschlossenheit, Einsatzbereitschaft und Weitsicht verhindert.
Viel ist über die Kindheit der Solomea Beuter nicht bekannt. Das Ordensverzeichnis gibt lediglich den 26. Juli 1726 als Geburtstermin an. Als 19-jährige tritt sie in das Kloster Zoffingen ein und wird vom Konvent im Folgejahr zur Einkleidung zugelassen. Doch der Beginn ihres Ordenslebens ist von Schwierigkeiten gekennzeichnet. Die Klosterfrauen bescheinigen ihr eine fehlende musikalische Begabung, die sie auch mit Fleiß nicht ausgleichen kann. Viel schwerer wiegt jedoch, dass ihre Mutter die versprochene Mitgift nicht aufbringen kann. Das Kloster steckt in finanziellen Schwierigkeiten und die Priorin Innozentia Bendlin ist derart verärgert, dass sie Solomea wieder entlassen will. Aber die junge Frau bittet den Konvent unter Tränen und mit bewegenden Worten, sie zu behalten. Am 10. Oktober 1747 legt sie ihre Gelübde ab und nimmt den Ordensnamen Maria Theresia an. 16 Jahre später wird sie zur Priorin gewählt. Mehr als 40 Jahre leitet sie die Schwestern vom Orden des heiligen Dominikus in der damals vorderösterreichischen Stadt Konstanz.
Die neue Aufgabe tritt Mutter Maria Theresia jedoch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt an. Das Kloster ist hoch verschuldet und kann seit Jahren trotz sorgsamster Hauswirtschaft nicht einmal mehr die Zinsen aufbringen. Verschlimmert wird die Lage durch schlechte Erntejahre im Weinbau, der eigentlich die wirtschaftliche Grundlage für die Schwestern bildet. Mehrfach prüft der Konstanzer Generalvikar Freiherr Franz Joseph Dominicus von Deuring die Einnahmen und Ausgaben der Ordensfrauen und kommt zu dem Ergebnis, dass nicht genügend Geld für den Unterhalt übrig bleibt. Da er das Kloster unbedingt erhalten möchte, stellt Deuring sogenannte Sammelpatente aus, die den Schwestern Bettelreisen durch das Bistum Konstanz erlauben. Doch für die Jahre zwischen 1763 und 1770 sind lediglich Gaben im Wert von 2330 Gulden verzeichnet und diese bestehen zum Großteil aus Naturalien.

Die Wende für das Kloster Zoffingen wird aus einer völlig unerwarteten Richtung eingeleitet. Ab 1771 reformieren Kaiserin Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. in den österreichischen Landen das Schulwesen und führen die sogenannten Normalschulen ein. In ihnen sollen künftig qualifizierte Lehrkräfte unterrichten und so eine größere Sittlichkeit in der Jugenderziehung gewährleisten. 1773 gibt es eine erste Anfrage der österreichischen Regierung an das Kloster Zoffingen, den Unterricht für die Mädchen aus den Familien der Garnison zu übernehmen. Offenbar hat der Konvent darauf zunächst nicht reagiert, denn in den Akten finden sich Dokumente mit einem schärferen Tonfall: den Schwestern wird das Schulhalten von der Stadtkanzlei befohlen und dafür eine Entschädigung in Aussicht gestellt, wenn sie alle Mädchen unterrichten.
Am 09. Juli 1774 machen sich Crescentia Mayrwiserin und Aloysia Steyrin auf den Weg nach Freiburg, wo sich die Ausbildungsstätte für Lehrer an Normalschulen befindet. Dort erhalten sie am 19. November 1774 ihr Examen als staatlich anerkannte Lehrkräfte. Da zum Konvent auch Josepha Ullmann gehört, die schon seit längerer Zeit Handarbeiten unterrichtet, kann das Kloster Zoffingen drei Lehrerinnen vorweisen und mit dem Schulbetrieb beginnen.

Am 17. März 1775 beschließt der Konstanzer Stadtrat, für die drei Lehrkräfte zusammen ein jährliches Gehalt von 350 Gulden. Doch damit ist die Mutter Priorin nicht einverstanden. Sie rechnet dem Magistrat vor, dass jeder Lehrer für Jungen mit einer vergleichbaren Ausbildung 300 Gulden erhält und fordert eine Nachbesserung. Allerdings müssen sich die Ordensfrauen trotz ihrer Armut auch in den folgenden 25 Jahren mit der ursprünglichen Summe begnügen, denn die Behörden sind nicht bereit, mehr Geld zu geben. Immerhin bestätigt der k.u.k. Stadthauptmann Graf Seeau am 04. April 1776, dass die Schwestern ihre Sache vorzüglich machen. Sechs Jahre später entgeht Zoffingen sogar dem Klosteraufhebungspatent von Kaiser Joseph II. durch das Engagement der Schwestern für Erziehung und Bildung, genauso wie später ähnlichen Bestrebungen während der Säkularisation und im Kulturkampf.
Einen guten Einblick in die Arbeit der Lehrerinnen gibt 1797 die Einladung zur 'Schulprüfung aller Schülerinnen und Schüler an Konstanzer Normalschulen'. Danach lernen die 'Mägdlein' vier Jahre lang außer Lesen, Schreiben, Sprachlehre und Rechnen auch Religion und Handarbeiten. Aus den Anfangsjahren hat sich sogar noch ein sogenanntes Ehrenbuch erhalten, in dem Schülerinnen festgehalten sind, die sich besonders ausgezeichnet haben. Vermerkt sind darin mehrere Töchter der berühmten Baumeisterfamilie Thumb, die spätere Malerin Marie Ellenrieder und ihre Schwestern Valentine und Josephine, Salome und Monika Rosenlächer aus der bekannten Glockengießer-Familie oder Mädchen aus den alten Patrizierfamilien von Konstanz. Aber auch der Adel schickt seine Töchter in die Schule der Dominikanerinnen im Kloster Zoffingen.
Mit Entschlossenheit hat die Priorin Maria Theresia Beuterin ihren Konvent in eine neue Zeit geführt und mutig gegen alle Widerstände verteidigt. Das Verzeichnis der Ordensschwestern aus dem Jahr 1805 vermerkt, dass am 20. Dezember 1803 Victoria Mader als Nachfolgerin für die verstorbene Mutter Maria Theresia erwählt worden ist.
Das letzte Kloster in Konstanz hat die Tradition der Schule 230 Jahre lang gepflegt und Generationen von Mädchen und jungen Frauen ausgebildet. Heute jedoch fehlt dem Orden der Nachwuchs. Aus diesem Grund haben die Schwestern 2003 die Grundschule geschlossen und 2005 die Leitung der Haupt- und Realschule abgegeben. Künftig will die Gemeinschaft ihr Kloster verstärkt für Menschen öffnen, die auf der Suche nach Besinnung und Ruhe sind.
Literatur
- Nur noch archivarisch erhältlich ist das Buch "700 Jahre Kloster Zoffingen 1257 - 1957" von Brigitta Hilberling
- Dominikanerinnen und Dominikaner. Lebensbilder aus dem Predigerorden, ISBN: 978-3857642593, broschiert - 1988
- William A. Hinnebusch, Kleine Geschichte des Dominikanerordens, Verlag St. Benno 2004, ISBN: 9783746216881


