
geboren 20. März 1791 in Konstanz
gestorben 05. Juni 1863 in Konstanz
Malerin
Marie Ellenrieder ist die Enkelin des fürstbischöflichen Hofmalers Franz Ludwig Herrmann. Ihre künstlerische Begabung wird früh erkannt und sie darf mit 14 Jahren die Schule verlassen, um beim Miniaturenmaler Josef Einsle in die Lehre zu gehen. Gefördert von Bistumsverweser Ignaz Heinrich von Wessenberg kann sie ihre Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste in München vollenden, an der sie am 27. Juli 1813 als erste Frau überhaupt aufgenommen wird.
Drei Jahre später kehrt sie in die Heimat zurück. Als Hortense de Beauharnais, die ehemalige Königin von Holland und Mutter des späteren Kaisers Napoleon III., in Konstanz eintrifft, gehört Marie Ellenrieder zum Kreis der Künstler, die besonders gefördert werden. Es folgen Engagements als Portraitmalerin in Zürich, Schaffhausen und Basel, sowie an den Höfen in Sigmaringen und Donaueschingen.
Den ersten großen Auftrag erhält die Künstlerin aus Ichenheim bei Offenburg, wo sie den Altar der von evangelischer und katholischer Gemeinde gemeinsam neu gebauten Kirche St. Nikolaus gestaltet. Mit dem Erlös kann sich Marie Ellenrieder einen Wunsch erfüllen und nach Italien reisen. In Rom studiert sie intensiv die Werke der großen Meister und pflegt engen Kontakt zur deutschen Künstlerkolonie um Friedrich Overbeck und die sogenannten Nazarener. Nach der Rückkehr widmet sich Ellenrieder immer stärker der religiösen Malerei und gestaltet Altarbilder für verschiedene Kirchen im süddeutschen Raum.
1829 erfolgt die Ernennung zur badischen Hofmalerin, und Marie Ellenrieder arbeitet in den folgenden Jahren vorwiegend in Karlsruhe. Erstmals erhält die Künstlerin ein festes Gehalt und kontinuierlich Aufträge. Ende der Dreißiger Jahre reist Ellenrieder noch einmal nach Rom. Ab 1842 lebt sie völlig zurückgezogen in Konstanz und stellt auch keines ihrer Bilder mehr aus.
Bis ins 20. Jahrhundert hinein werden die Werke von Marie Ellenrieder wegen ihrer Religiosität, der klaren Komposition und der warmen Farbgebung außerordentlich geschätzt. Noch zu Lebzeiten hat sie das Großherzogtum Baden mit der Medaille für Kunst und Wissenschaft in Gold ausgezeichnet.
Der handschriftliche Nachlass von Marie Ellenrieder umfasst mehrere Tagebücher, die zum Teil im Original erhalten sind, sowie eine große Anzahl von Briefen, von denen bisher nur wenige veröffentlicht sind.
Literatur
Edwin Fecker, Die Druckgraphik der badischen Hofmalerin Marie Ellenrieder (1791-1863), Heidelberg 2002, ISBN 3-932204-04-2.


