Pater Alfred Delp SJ

 
  • geboren am 15. September 1907 in Mannheim
  • hingerichtet am 02. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee


Der Jesuitenpater Alfred Delp gehört zu den wichtigsten Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus in Deutschland, die ihr Handeln aus dem Glauben und einem christlichen Menschenbild abgeleitet haben.

Als zweites Kind von Maria Bernauer und Friedrich Delp kommt der spätere Kirchenmann am 15. September 1907 im Mannheimer 'Wöchnerinnenasyl Luisenheim' zur Welt. Die Eltern heiraten erst einige Wochen später und ziehen ins nahe Hüttenfeld, heute ein Ortsteil von Lampertheim. Ab 1914 wohnt die Familie direkt in Lampertheim.

Obwohl katholisch getauft, besucht Alfred Delp nach dem Willen seines protestantischen Vaters die evangelische Volksschule und feiert am 28. März 1921 seine Konfirmation. Trotzdem hält der 14-jährige weiterhin Kontakt zur katholischen Pfarrgemeinde. Nach einem Streit mit dem Pastor trennt sich der Jugendliche von der evangelischen Kirche. Bereits im Juni des gleichen Jahres erhält er die Erstkommunion und wird durch den Mainzer Bischof Ludwig Maria Hugo gefirmt. Wenige Monate später nimmt das Bischöfliche Konvikt Dieburg den Schüler auf und Alfred Delp engagiert sich in der von den Jesuiten geprägten Jugendbewegung 'Bund Neudeutschland'.

Unmittelbar nach seinem Abitur 1926 tritt Delp ins Noviziat der Jesuiten im vorarlbergischen Tisis bei Feldkirch ein. Hier lernt er Karl Rahner kennen, zu dem auch in der Folgezeit ein Kontakt erhalten bleibt. Delp durchläuft die ordensüblichen Studien und ist 1934 für einige Monate Präfekt am Kolleg St. Blasien. 1935 beginnt er mit dem Theologiestudium und wird zwei Jahre später in München von Michael Kardinal Faulhaber zum Priester geweiht.
 
Ab 1939 arbeitet Alfred Delp als Seelsorger in München. Weil die Behörden seine Immatrikulation an der Universität verweigern, engagiert sich der mittlerweile 32-jährige für die Jesuitenzeitschrift 'Stimmen der Zeit', die jedoch kurze Zeit später von der Gestapo verboten wird.

Ab 1941 ist Alfred Delp Kirchenrektor von St. Georg in München- Bogenhausen. Hier arbeitet er vor allem mit jungen Leuten und fällt durch regimekritische Predigten auf. Im Herbst des gleichen Jahres knüpft der Jesuiten-Provinzial Augustinus Rösch Kontakte zum sogennanten Kreisauer Kreis, der Widerstandsgruppe um Helmuth James Graf von Moltke. Moltke sucht einen Experten für die Fragen einer sozial gerechten Gesellschaft nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Diese Aufgabe soll Alfred Delp übernehmen, der sich bereits als Autor mit diesem Themenbereich intensiv beschäftigt hat. So entwickelt er ausgehend von der päpstlichen Enzyklika Quadragesimo anno fortschrittliche Gedanken zu einer sozialen Marktwirtschaft, einer Arbeitnehmer-Mitbestimmung oder einem Familienlohn.

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch am 20. Juli 1944 kann die Gestapo den 'Kreisauer Kreis' aufspüren und die Mitglieder verhaften. Da sich der Name Alfred Delp in einem Notizbuch von Claus Schenck Graf von Stauffenberg findet, wird der Jesuitenpater am 28. Juli in München inhaftiert und wenige Wochen später zu sogenannten 'verschärften Verhören' nach Berlin-Tegel verlegt. Das Angebot einer Freilassung gegen den Ordensaustritt lehnt er entschieden ab.


Am 08. Dezember 1944 kann Alfred Delp mit gefesselten Händen vor einem Besucher die Professgelübde ableben und sich so endgültig an den Jesuitenorden binden. Seine letzten Lebenswochen sind geprägt von einem regen schriftstellerischen Schaffen. Dabei entwickelt der 37-jährige die Vision einer spirituellen, ökumenischen und diakonischen Kirche, die sich für eine christliche Erneuerung der Gesellschaft einsetzt.  

Am 09. Januar 1945 beginnt der Prozess gegen Delp. Der berüchtigte Präsident des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, klagt den Jesuiten wegen Hoch- und Landesverrats an. Im Lauf des zweitägigen Verfahrens wird der abgrundtiefe Hass der Nationalsozialisten gegen Kirche und Priester deutlich. Und so erfolgt das Todesurteil, obwohl Delp keine unmittelbare Beteiligung am Umsturzversuch nachgewiesen werden kann.

Am 02. Februar 1945 wird Alfred Delp SJ in Berlin-Plötzensee am Galgen hingerichtet und seine Asche auf den Rieselfeldern verstreut. Nichts soll nach dem Willen der Machthaber an den Vordenker der kommenden Zeit erinnern. Roland Freisler überlebt die Hinrichtung nur um einen Tag. Bei einem Bombenangriff wird er von einstürzenden Trümmern begraben.

Der breiten Öffentlichkeit ist Alfred Delp SJ erst nach dem Krieg bekannt geworden, als sein Mitbruder Paul Bolkovac Briefe, Notizen und Meditationen aus der 6-monatigen Kerkerzeit herausgegeben hat. Seither hat sich eine intensive Forschung über den Widerstandskämpfer entwickelt. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf seiner Zusammenarbeit mit Gertrud Luckner, die im Auftrag von Erzbischof Conrad Gröber aktiv gewesen ist.

Links: