Mariensequenz Stabat Mater

Schmerzensmutter (Pietà) von 1672, Pfarrkirche St. Alban, Bad Krozingen

Quelle: Erzdiözese Freiburg

In der nachkonziliaren Mess-Liturgie (Paul VI.) gibt es noch 4 "Sequenzen": an Ostern ("Victimae pachali laudes; GL 320) an Pfingsten ("Veni Sancte Spiritus" GL 343), Fronleichnam ("Lauda Sion" altes GL 545) und am Gedenktag der Schmerzen Mariens ("Stabat Mater" vgl. GL 532). In der Geschichte gab es eine große Anzahl solcher Sequenzen (z. B. im Requiem: "Dies irae").

Das "Stabat Mater" ist ein "Reim-" oder "Leselied"; ursprünglich für die persönliche Betrachtung / Privatandacht gedacht; deshalb spricht das Lied im Singular (Vgl. "in mein Herz"). Die Verfasserschaft ist ungewiss; meist wird Jacopone da Todi als Autor genannt. Das Lied – man könnte es auch ein gereimtes Gebet nennen – will helfen, sich in das Mitleiden Mariens mit ihrem leidenden Sohn einzufühlen. Es erinnert in gewisser Weise an die franziskanische Passions- und Marienmystik des Mittelalters und an die Frömmigkeit der Barockzeit.

Albrecht Dürer: Schmerzensmutter

Quelle: Erzdiözese Freiburg

Im Kern basiert die Sequenz auf dem biblischen Bericht der Kreuzigung im Johannes-Evangelium (19,25-27):


"Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich."

Ein zweiter biblischer Anknüpfungspunkt ist die Prophetie des greisen Simeon über Maria bei der Darstellung im Tempel:

"Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen." (LK 2,35)

Dogmatische Grundlage des Gebetes ist die Compassio Mariens, die Teil ihrer Mitwirkung bei der Erlösung ist. Sie hat "mitgewirkt zur Wiederherstellung des übernatürlichen Lebens der Seelen. Deshalb ist sie in der Ordnung der Gnade Mutter."(Vat II, LG 8, 61)

Die Sequenz besteht in der heutigen Form aus 10 gereimten Doppelversen. Die erste Strophe nimmt Bezug auf die Heilige Schrift; die Strophen 2 bis 4 vertiefen die Meditation über das Leiden Christi und das Mitleiden seiner Mutter. Dann folgen Bitten: Einswerden mit dem Leiden Mariens unter dem Kreuz und Bitte um Anteil an der Frucht des Leidens Jesu (Schlussstrophe).

Die Sequenz kann helfen, das Leiden Jesu und seiner Mutter zu verinnerlichen im Sinne eines affektiven Gebetes. Die Betrachtung bleibt nicht im Kopf, sondern will das Herz mitnehmen. In gewisser Weise stellt die Sequenz eine der Kreuzwegbetrachtung ähnliche Gebetsform dar, die keineswegs nur für die Feier des Gedenktages der Schmerzen Mariens bestimmt ist.

Dr. Rainer Birkenmaier

Fotos: Christoph Hoppe (Bad Krozingen), Wikimedia Commons (Dürer)