Die "Jungfrau vor der Tür" - eine Marienwallfahrt in Peru
Die Erzdiözese Freiburg verbindet seit über 20 Jahren eine Partnerschaft mit der Kirche in Peru. Reinhold Nann, Freiburger Diözesanpriester und Pfarrer in Trujillo, stellt die "Jungfrau vor der Tür" in Otuzco in Nordperu vor.
Maria spielt eine große Rolle in der Volksfrömmigkeit Perus, in vielen Orten ist sie Patronin und am Fest wird ihre Statue in Prozession durch den Ort getragen. Wahrscheinlich lebt in der peruanischen Marienverehrung noch einiges von der vorchristlichen Verehrung der Paccha Mama, der Mutter Erde weiter. Für den Norden Perus ist der wichtigste Marienwallfahrtsort Otuzco, eine kleine Stadt von 10.000 Einwohnern auf 2600m üM und 70km von Trujillo (Küste) gelegen. Hier wird die Inmaculada Virgen de la Puerta verehrt, die "Jungfrau von der Tür". Die Statue steht nämlich nicht etwa im Innern der Wallfahrtskirche, sondern in einem Schrein an der Außenfassade über der Eingangstür. Auf einem kleinen Balkon kann man sich ihr nähern.
Die Geschichte sagt, dass die Statue 1674 als Piraten vor Trujillo auftauchten, und man die Zerstörung der Stadt und der Region befürchtete, diese Marienstatue am Tor der Stadt aufgestellt wurde. Und tatsächlich sind die Piraten wieder abgedreht, ohne die Stadt anzugreifen. Deshalb wurde sie danach über der Tür der Kirche angebracht und bekam den Namen "Jungfrau von der Tür". Die Menschen von Otuzco und die Pilger lieben ihre "Mamita" (Mütterchen) über alles. In wichtigen Dingen wird sie um Rat gefragt, in ihren Augen wird abgelesen, ob sie zustimmt oder nicht.
| |||
| Die "Jungfrau vor der Tür" mit verschiedenen Festgewändern |
Zu ihrem Fest am 15 Dezember kommen etwa 100.000 Besucher, das Jahr über sind es eher kleine Gruppen. Außerdem kommen mehr als 7000 Fußpilger, die die 70km mit über 2000m Höhenunterschied zum Fest in etwa 20 Stunden zurücklegen. Viele haben der Jungfrau die Wallfaht versprochen, als Dank oder als Bitte für ein Anliegen.
Es gibt 2 große religiöse Tanzgruppen: die negros esclavos (Negersklaven), die mit Jutesäcken bekleidet und Ketten an der Hand die unterdrückte Bevölkerung darstellen, und die gitanos (Zigeuner). Diese Gruppen haben einstudierte Tänze, die sie Maria darbieten; sie sind bei jeder Prozession dabei.
1943 wurde die Virgen de la Puerta bei einem nationalen eucharistischen Kongreß von einem Gesandten des Papstes zur Königin Nordperus und des Weltfriedens gekrönt.
Reinhold Nann
Fotos: Chamiradio



