Evamaria Biel-Hölzlin: Eva - Maria - Evamaria

Maria wird in der christlichen Tradition seit jeher als Gegenbild zu Eva angesehen: Kam durch Evas Verführung die Sünde in die Welt, so ebnete Maria in ihrem "Ja" zur Botschaft des Engels den Weg der Erlösung. Eva und Maria: unvereinbare Gegensätze? Evamaria Biel-Hölzlin schreibt über ihren Vornamen.

 

Dass ich meinen Namen Evamaria zusammenschreibe, hat einen besonderen Grund: Aus einer konfessionsverbindenden Ehe stammend, habe ich von meiner evangelischen Mutter den Namen Eva und von meinem katholischen Vater den Namen Maria erhalten. Meinen Eltern war die gemeinsame Nennung des Namens so wichtig, dass sie bei meiner Einschulung besonders den Lehrern  ans Herz legten, sie mögen mich bei meinem vollständigen Namen aufrufen.

Lange Jahre fand ich den Namen Eva, den mir meine Mutter wiederholt als "Mutter alles Lebendigen" übersetzte, passender für mich und mein stürmisches Temperament als Maria, die mir als die auf Gott hörende meditative Frau vorgestellt wurde. Auch Dorothee Sölles Beschreibung der Eva als eine Neugierige und Suchende hätte ich in meiner Jugend durchaus für eine  ausreichend zutreffende Beschreibung meiner Person verstanden.

Während meines Theologiestudiums nun lernte ich weitere Facetten der Mutter Jesu kennen und schätzen und konnte mich immer mehr auch mit dem Namen Maria identifizieren, so dass wir ihn auch an unsere Tochter weitergaben. Der Verunglimpfung Evas als Figur, welche die Sünde in die Welt brachte, und der damit Jahrhunderte langen Schuldzuweisung an das Weibliche schlechthin konnte ich nie etwas abgewinnen. Eva ist für mich eher ein Sinnbild des Menschen, welcher immer in der Gefahr ist, wie Gott sein zu wollen, der nur schwer seine Grenzen annehmen kann und durch Selbstüberschätzung in zerstörerische Verstrickungen gerät, aber auch den Mut hat, Neues zu wagen.

Maria hingegen stellt sich mir als das meditative und gleichzeitig zupackende Pendant zu Eva dar. Ihre Neugierde zielt nicht darauf ab vom Baum der Erkenntnis zu essen , um wie Gott zu werden, sondern für Gott offen zu sein, seinem Willen und Lebensplan Raum zu geben und das große "JA" zu sprechen. Als Wegbereiterin Jesu schuf sie in weiser Voraussicht die Möglichkeit für sein erstes Wunder: Tut, was er euch sagt. Die vorausgegangene Zurückweisung Jesu ("Meine Zeit ist noch nicht gekommen") hielt sie nicht davon ab, ihm und seinem Wirken behilflich zu sein. Standhaft harrte sie unter dem Kreuz aus, ließ sich durch tiefstes Leid nicht von Gott und seinem Sohn trennen. Sie war aber auch bei den Jüngern Jesu, die am Pfingstfest aus Angst die Türen verschlossen hatten und plötzlich, vom Heiligen Geist bewegt und befreit, Zeugnis gaben in allen Zungen von dem, was sie mit Jesus erlebt hatten. All diese Eigenschaften zeigen mir einen Menschen, der trotz aktivem Zupackens für die Sache Jesu das Hören auf Gottes Wort nicht vernachlässigte. Konnte Maria deshalb so frei ihr "JA" sprechen, weil sie letztendlich alles vertrauensvoll in Gottes Hand gab? In meinem ständigen Bemühen um ein festes Gottvertrauen ist mir das Bild der jungen Maria, wie sie von Gabriel die Botschaft von der Geburt Jesu erhält besonders wichtig geworden. Es hilft mir in meinem Alltag immer wieder, einem "JA" zu Gottes Wegen in meinem Leben Raum zu geben.

Evamaria – ein Name: Ich muss mich nicht zwischen Eva und Maria entscheiden, sondern möchte  beide in meine Person integrieren und lebendig sein lassen.

 

Evamaria Biel-Hölzlin

Pastoralreferentin im Dekanat Waldkirch

 


 

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